Nachhaltige Idee Start-Up in Görlitz nutzt Birkenrinde als Alternative zu Kunststoff

Birkenrinde wird schon seit Jahrtausenden genutzt, ob als Anzündhilfe, Dachabdichtung oder Material für den Kanubau. Die Firma Nevi aus Görlitz hat sie als Kunststoffalternative wiederentdeckt. Ihre Ideen sind jetzt für den Publikumspreis des Sächsischen Gründerpreises nominiert worden.

Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
Tim Mergelsberg hat Nevi gegründet und will Birkenrinde als Alternative zum Kunststoff einsetzen. Bildrechte: Nevi/Paul Glaser

Wenn Tim Mergelsberg über Birkenrinde spricht, kann er schon mal ins Schwärmen geraten. Ein tolles Material sei das, wasserabweisend, langlebig und nachhaltig. "Birkenrinde ist so etwas wie der Kunststoff der Urzeit", sagt der Gründer der Firma Nevi in Görlitz. Das kleine Start-Up tüftelt an neuen Produkten, die mit Birkenrinde hergestellt werden können. Tür- und Fahrradgriffe haben sie schon im Angebot. Die neueste Idee sind Fußböden aus Birkenrinde.

Erster Fußboden aus Birkenrinde

Die Umsetzung dieser Idee hatte es jedoch in sich, erzählt Tim Mergelsberg. Denn die Herausforderung dabei sei, die ungleichmäßigen Rinde maschinell zu verarbeiten und daraus glatte Fußbodenplatten herzustellen. Nevi sei dies als erster Firma gelungen.

In der Produktionshalle kann man sich das Ergebnis anschauen. Die Oberfläche des neuen Fußbodens hat eine in Bernsteinfarben gestreifte Optik. Die Platte sei rutschfest und wasserabweisend, sagt der Hersteller. Für die Entwicklung ist Nevi jetzt für den Publikumspreis des Sächsischen Gründerpreises nominiert worden.

Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
Diese Furnierplatten bestehen aus Birkenrinde. Bildrechte: Nevi/Paul Glaser

Mit der Birkenrinde haben wir ein tolles Material gefunden, was outdoor- und nassraumtauglich ist.

Tim Mergelsberg Geschäftsführer Nevi

Warum kommt das Material aus Sibirien?

Der Fußboden besteht aus einer dünnen Furnierschicht aus Birkenrinde, die auf eine fingerdicke spezielle Strohplatte aufgeklebt wurde. Birkenrinde sei besonders für den Einsatz in Bädern oder Spas geeignet, erklärt Mergelsberg. "Mit der Birkenrinde haben wir ein tolles Material gefunden, was outdoor- und nassraumtauglich ist. Gerade dort, wo nachwachsende Naturwerkstoffe wie Holz oder Kork nicht funktionieren, weil sie dann quellen, punktet die Birkenrinde", sagt der Geschäftsführer.

Mit Birke aus Deutschland würde dies allerdings nicht funktionieren. Tim Mergelsberg bekommt sein Material aus der sibirischen Taiga. Das sei viel dicker als bei der einheimischen Birke. "Was wir dort haben, ist vor allem die enorme Kälte. Diese Kälte führt dazu, dass die Birke sich eine dickere Schutzschicht anlegt." Diese dicke Rinde brauche man, um damit handwerklich arbeiten zu können.

Bildergalerie Wie aus Birkenrinde ein Fußboden wird

Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
Die Birkenrinde wird in der sibirischen Taiga im Mai und Juni geerntet. Es wird nur Rinde von geraden, hochgewachsenen Bäumen verwendet. Bildrechte: Nevi
Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
Die Birkenrinde wird in der sibirischen Taiga im Mai und Juni geerntet. Es wird nur Rinde von geraden, hochgewachsenen Bäumen verwendet. Bildrechte: Nevi
Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
Die Rinde der nordischen Birke ist dicker als die unserer heimischen Birke. Bildrechte: Nevi
Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
So zusammengerollt wird sie nach Deutschland transportiert ... Bildrechte: Nevi
Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
... und landet in den Regalen der Firma Nevi in Görlitz. Bildrechte: MDR/Viola Simank
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Aus den kleineren Stücken werden beispielsweise Fahrradgriffe hergestellt. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
Birkenrinde besteht aus mehreren Schichten. Die obere weiße Schicht wird entfernt. Die unteren Schichten sind bernsteinfarben, elastisch und können gut verarbeitet werden. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Die Firma Nevi in Görlitz hat sich auf die Verarbeitung von Birkenrinde spezialisiert.
Um aus der Rinde einen glatten Fußboden zu machen, werden die elastischen Rindenschichten aufeinandergelegt, gepresst und verklebt. Dann werden daraus dünne Furnierscheiben geschnitten. Bildrechte: MDR/Viola Simank
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Vorher - Nachher: Auf dem Tisch liegt das fertige Furnier, das auf eine spezielle Strohplatte aufgebracht wurde. In der Hand hält Tim Mergelsberg das Ausgangsmaterial. Bildrechte: MDR/Viola Simank
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Der neue Fußboden aus Birkenrinde ist wasserabweisend, rutschfest und nachhaltig. Allerdings hat er wegen der vielen Handarbeit auch seinen Preis. Der Quadratmeterpreis bewegt sich im dreistelligen Bereich. Bildrechte: Nevi/Paul Glaser
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Zusammenarbeit mit Familienbetrieben in Russland und der Ukraine

Das Nevi die Rinde der nordischen Birke aus Sibirien verarbeitet, ist kein Zufall. Das Material hat Tim Mergelsberg 2005 dort kennengelernt, als er als Freiwilliger in einem Projekt für Menschen mit Behinderung eine traditionelle Birkenrindenwerkstatt mit aufgebaut hat. Auch heute noch hat er Kontakt zu den Familienbetrieben vor Ort, die die Rinde für Nevi ernten.

Noch gibt es durch den Krieg in der Ukraine keine Einschränkungen für die Görlitzer Firma. Zum Glück haben sie Ende Februar noch eine große Lieferung bekommen und das Lager sei voll, so Mergelsberg. Doch sie schauen trotzdem besorgt Richtung Osten und hoffen auf ein baldiges Kriegsende. "Wir haben sowohl in der Ukraine als auch in Russland Freunde und Menschen, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten."

Erntesaison im Frühsommer

Im Mai und Juni steht die neue Ernte der Birkenrinde in Sibirien an. Das Team von Nevi hofft, dass die Zeiten bis dahin friedlicher werden. An neuen Ideen mangelt es ihnen zumindest nicht. Während der neue Fußboden aus Birkenrinde kurz vor der Markteinführung steht, arbeiten sie schon am nächsten Produkt: ein vollständig kompostierbarer Kunststoffersatz aus Birkenrinde.

Sächsischer Gründerpreis Der Freistaat prämiert mit dem Sächsischen Gründerpreis die besten Gründungsideen und Geschäftskonzepte. Er ist mit bis zu 50.000 Euro dotiert. 2022 gab es 115 Wettbewerbseinreichungen. Mitte April werden die Nominierungen bekanntgegeben.

Bereits jetzt läuft die Abstimmung für den Publikumspreis. Bis zum 31. Mai kann man seinen Favoriten unter www.futuresax.de wählen. Der Gewinner wird im Juni bekanntgegeben.


MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 05. April 2022 | 16:30 Uhr

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