Prozessbeginn Mutmaßliche Schleuser in Görlitz wegen Mordes vor Gericht

Der Fall aus der Nähe von Görlitz hatte im vergangenen Herbst bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Damals wurde ein toter Flüchtling aus dem Irak in einem Transporter entdeckt. Heute beginnt der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Schleuser vor dem Landgericht in Görlitz.

Polizei greifen bei Görlitz Flüchtende auf.
Am 29. Oktober 2021 stoppte die Bundespolizei im Schöpstal bei Görlitz den Transporter, in dem sie auch den toten Flüchtling fand. Bildrechte: MDR/Danilo Dittrich

Zwei mutmaßliche Schleuser müssen sich seit Montag am Landgericht Görlitz für ein dramatisches Geschehen verantworten. Bei der Schleusung von 22 Menschen aus dem Irak war im Oktober 2021 ein Flüchtling gestorben. Nun stehen die Männer im Alter von 42 und 48 Jahren wegen Mordes durch Unterlassen und wegen "Einschleusens von Ausländern mittels lebensgefährlicher Behandlung" vor Gericht.

Gesundheitliche Probleme waren offensichtlich

Die Bundespolizei entdeckte den toten Iraker, als sie am 29. Oktober einen polnischen Transporter nicht weit vom Grenzübergang Ludwigsdorf stoppte. In ihm befanden sich mehr als 20 irakische Männer, Frauen und Kinder, unter ihnen auch der Tote.  Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei den beiden mutmaßlichen Schleusern schon beim Einsteigen des Mannes in Polen klar gewesen, dass er gesundheitliche Probleme hatte. So konnte er nicht mehr gehen und musste auf die Ladefläche gehoben werden.

Belohnung wichtiger als medizinische Hilfe

Dennoch setzten die beiden Männer ihre Fahrt fort, ohne medizinische Hilfe zu organisieren. Die Beiden wollten um jeden Preis die 10.000 Euro Belohnung erhalten, so die Staatsanwaltschaft. Der Iraker sei schließlich an einer Infektionskrankheit oder an Unterkühlung verstorben. Bei rechtzeitiger medizinischer Versorgung wäre dies vermeidbar gewesen. Deshalb wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten Mord durch Unterlassen und das Einschleusen von Ausländern vor. Einer der beiden mutmaßlichen Schleuser war nach der Tat geflüchtet. Er konnte jedoch zwei Wochen später in Amsterdam gefasst werden.

MDR (jc,vis)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 09. Mai 2022 | 07:30 Uhr

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