Jahrhundertealte Oster-Tradition Panne auf dem Klosterhof - Saatreiter vergessen Ostritzer Äbtissin

Eigentlich ist es eine jahrhundertealte Tradition der Ostritzer Saatreiter, sich den Segen der Äbtissin des Klosters St. Marienthal abzuholen. Dieses Mal haben es die Reiter allerdings verpasst und sind einfach weitergeritten. Die Kloster-Vorsteherin nimmt es gelassen und improvisiert kurzerhand.

Äbtissin Elisabeth Vaterodt OCist vom Klosterstift St. Marienthal
Äbtissin Elisabeth Vaterodt OCist vom Klosterstift St. Marienthal filmt die Osterreiter. Noch fest in der Annahme, die Reiter nach dem Umreiten des Klosterhofes persönlich zu begrüßen. Die gebürtige Thüringerin trat dem Kloster in Ostritz 1985 bei und ist die 56. Äbtissin. Bildrechte: Matthias Wehnert Photos

Normalerweise begrüßt die Äbtissin des Zisterzienserinnen-Klosters St. Marienthal die Ostritzer Saatreiter, hält eine kurze Rede und spricht dabei Dank und Segen aus. Bei der Zeremonie am Ostersonntag wurde das allerdings verpasst, die Reiter sind einfach weiter geritten. Sie sei schon ein wenig perplex gewesen, lacht Äbtissin Elisabeth Vaterodt, als MDR SACHSEN bei ihr nachfragt.

Diesmal war es außergewöhnlich. Wir hatten uns gut vorbereitet, standen im Kreis und haben die Osterreiter erwartet. Und die sind auch gekommen. Aber mit einem Mal haben sie das Kloster wieder verlassen, ohne dass sie zu uns in den Kreis gekommen waren. Aber wir nehmen das überhaupt nicht böse. Das kann halt passieren, wir nehmen es gelassen.

Elisabeth Vaterodt Äbtissin Zisterzienserinnenkloster Sankt Marienthal

Katholischer Geistlicher stürzt vom Pferd

Warum das seit 393 Jahren praktizierte Ritual schief gegangen ist, darüber kann die Kloster-Vorsteherin im Gespräch mit MDR SACHSEN nur mutmaßen. Sie nimmt an, dass der geplante Ablauf wohl auch durcheinander gekommen sei, weil sich zuvor ein Reiter bei einem Unfall verletzt hatte. Gleich zu Beginn der Prozession sei der katholische Geistliche vom Pferd gefallen und konnte nicht mitreiten. Deshalb sei nur der evangelische Pastor dabei gewesen. Ein katholischer Pfarrer kam dann kurzfristig zum Kloster, um seinen gestürzten Glaubensbruder zu vertreten.

Und auch direkt vor dem Klostertor habe es ein Unglück gegeben. Ein Pferd habe offenbar Probleme mit dem Kopfsteinpflaster gehabt und sei ausgerutscht.

Fahnen und Kreuzträger zu Pferd auf dem Klosterhof
Saatreiter im Kloster Ostritz (Archivbild). Seit einigen Jahren sitzen dabei sowohl katholische als auch evangelische Geistliche im Sattel. Bildrechte: Uwe Walter

Äbtissin improvisiert beim Überbringen der Osterbotschaft

Sie habe dann spontan mit eigenen Worten die Osterbotschaft verkündet, für die vielen anwesenden Zuschauer, die gekommen waren, um die Osterbotschaft zu empfangen. "Das ist ja das Wichtigste, dass die Osterbotschaft verkündet wird." Es sei ein außergewöhnliches Saatreiten gewesen, das allen in guter Erinnerung bleiben werde.

Osterbrauch der Christen

Jährlich wird im ostsächsischen Ostritz das sogenannte Saatreiten mit rund 100 Reitern veranstaltet. Deren Ziel ist das Kloster St. Marienthal an der Neiße. Neben dem Verkünden der Osterbotschaft ist hier, ähnlich wie bei den Osterreitern in der Oberlausitz, die Bitte der Reiter um ein gutes Wachstum der Saat auf den Feldern wesentlich. Daran nehmen seit vielen Jahren auch geistliche Würdenträger teil.

MDR (dst)

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