Tanktourismus Billigtanken jenseits der Neiße

Für Sachsen lohnt es sich wieder, in Polen zu tanken. Autofahrer können auf diese Weise mindestens zehn Euro pro Tankfüllung sparen. Was des einen Freud', ist aber des anderen Leid. Das gilt auch beim Tanken in der deutsch-polnischen Grenzregion.

deutsche Preistafel an polnischer Zapfsäule
Eine Zusatztafel zeigt an einer polnischen Zapfsäule auch den Preis in Euro an. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die eingefleischten Schnäppchenjäger in Görlitz haben bis nach Silvester gewartet. Sie hatten gehofft, dass die Spritpreise im polnischen Zgorzelec noch viel weiter fallen, wenn die Steuererleichterungen der polnischen Regierung in Kraft treten. Doch die Preise blieben in der polnischen Nachbarstadt nahezu unverändert auf dem bereits sehr niedrigen Niveau der Vorweihnachtszeit. Ein Liter Diesel kostet 5.69 Zloty, Super um 5.65 Zloty, also jeweils um die 1,25 Euro. Nur der Wechselkurs zum Dollar und damit auch zum Euro schwankt zugunsten der Deutschen. So bekommt man derzeit für einen Euro etwa 4,51 Zloty und das lohnt sich nicht nur beim Einkauf, sondern insbesondere beim Tanken.

Tankstelleneinfahrt in Zgorzelec
In Polen profitieren deutsche Tanktouristen von günstigen Wechselkursen und Kraftstoffpreisen, nachdem die polnische Regierung zum Jahreswechsel Steuererleichterungen eingeführt hat. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Weiterhin profitieren die deutschen Tanktouristen indirekt von der Inflation in Polen. Um ihre Bürger zu entlasten, erhebt die polnische Regierung seit dem Jahreswechsel auf Kraftstoff weniger Steuern. Dadurch sanken bereits vor Weihnachten die Endverbraucherpreise an den polnischen Tankstellen.

Tanktourismus lohnt sich wieder

Im vergangenen Jahr explodierten in Polen die Spritpreise. Dieselkraftstoff war beispielsweise in Zgorzelec teurer als in Bautzen und Dresden. Auch beim Benzin betrugen die Unterschiede nur wenige Cent. Damit kam der Tanktourismus aus Sachsen nahezu zum Erliegen.

Tanken in Polen
Pro Tankfüllung kann man derzeit mehr als zehn Euro sparen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Am Mittwochmorgen grinst ein Görlitzer über das ganze Gesicht und sagt schelmisch: "Tja, in Polen ist wieder was zu holen!" Seinen Wagen hat er mit 45 Liter Diesel randvoll betankt. Dann wuchtet der 62-Jährige noch einen 20 Liter Kanister aus seinem Kombi, um auch diesen zu füllen. Als der Görlitzer nach dem Bezahlen aus der Tankstelle zurück zu seinem Wagen kommt, hat er ausgerechnet: "Grob geschätzt, zwischen 20 und 25 Euro gespart, das lohnt sich!" Wahrscheinlich stimmt die Rechnung, denn in Görlitz müssen Autofahrer derzeit mindestens 1,54 Euro pro Liter hinblättern.

Vergnatzte Tankstellenbetreiber

Tankstellenbetreiber oder Pächter im Landkreis Görlitz wollen derzeit nicht zitiert werden, verweisen auf Pressestellen oder lehnen Nachfragen schlichtweg ab. Die Stimmung unter ihnen ist offensichtlich mies. Wenn man die leeren Zapfsäulen sieht und das stetige Rollen von Pkw über die Grenzbrücken u.a. in Bad Muskau oder Görlitz, kann man verstehen, warum die deutschen Tankstellenbetreiber vergnatzt sind. Einige fordern Hilfe vom Staat oder Steuererleichterungen zumindest für die Grenzregionen nach Osteuropa. Vor Jahren gab es ähnliche Forderungen, als polnischer Billigsprit die Existenz deutscher Tankstellen bedrohte.

Tankstelle in Görlitz
Kein Betrieb an den Zapfsäulen an einer Tankstelle in Görlitz. Möglichweise tanken jetzt einige Kunden ewas preiswerter, nur 500 Meter entfernt, an polnischen Zapfsäulen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

In Zgorzelec hat man sich seit Jahren auf den Tanktourismus eingestellt. In der deutlich kleineren Nachbarstadt gibt es fünf Mal so viele Tankstellen, wie in Görlitz.

Nicht immer lohnenswert

Für Handwerker oder Unternehmen lohnt sich ein Tankausflug nach Polen meist nur für den Privatwagen. "Nachdem die Polen die Mehrwertsteuer auf dem Sprit eingestampft haben, können wir sie auch nicht geltend machen", sagt ein Görlitzer Handwerker. Zudem sei der Verwaltungsaufwand sehr hoch und koste pro Tankkarte 60 Euro pro Monat.

 Blick über den Rastplatz einer polnischen Tankstelle
In den vergangenen Jahren entstanden in Zgorzelec einige neue Tankstellen, die auch von deutschen Autofahrern nicht nur wegen der Preise sondern auch wegen dem Service angesteuert werden. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Ein Fuhrunternehmer aus Görlitz hat ein eigenes Kraftstofflager, welches über den Großhandel befüllt wird: "Wir pokern immer ein bisschen, sind die Preise unten wird aufgefüllt. Da spielt Polen keine Rolle für uns." Deutsche Handwerker und Selbstständige profitieren ebenfalls nicht vom Billigsprit in Polen. "Das hänge mit der Vorsteuer zusammen", erklärt ein Steuerberater und rechnet über den Daumen: "Die Differenz zwischen polnischen und deutschem Sprit muss deutlich mehr als 25 Cent betragen, dann könnte es interessant werden." In Deutschland könnten die Kraftstoffpreise durch die geplante CO2-Abgabe weiter steigen und in Polen durch den günstigen Wechselkurs weiter fallen.

Ein Autofahrer betankt ein Auto mit dem Kraftstoff Diesel
Möglicherweise wird das Tanken in Polen noch attraktiver, bedingt durch die Wechselkurse und die steigenden Kraftstoffpreise in Deutschland. Bildrechte: dpa

Auch deshalb meint ein deutscher Kraftfahrer an einer Zgorzelecer Tankstelle: "Wer hier nicht tanken geht, ist selber schuld."

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten Studio Bautzen | 03. Januar 2022 | 15:30 Uhr

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