Gesellschaftlicher Umgang Corona-Testcenter in Zittau schließt wegen Anfeindungen

Die Corona-Pandemie hat Folgen auch im Umgangston zwischen den Menschen. Der Ton wird rauher, oft auch aggressiver. Deshalb zieht das Westparkcenter in Zittau jetzt die Reißleine und schließt seinen Container für Corona-Schnelltests. Immer wieder waren die Mitarbeiterinnen beschimpft oder beleidigt worden.

Tür vom Test-Zentrum mit Hinweisen
Weil Mitarbeiter des Zittauer Corona-Schnelltestzentrums immer häufiger angefeindet werden, wird es ab Mittwoch geschlossen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

In Zittau hat der Chef des Westpark-Centers Heiko Wasser von Corona die Nase gestrichen voll. Ihn nervt, dass er seine Freizeitanlage zum zweiten Mal komplett schließen muss. Noch mehr ärgern den Geschäftsführer aber die verbalen Angriffe und Attacken auf seine Mitarbeiter.

Nach einem Vorfall in der vergangenen Woche zieht Heiko Wasser die Reißleine und schließt am Mittwoch sein Corona-Schnelltestcenter. Mitte vergangener Woche war an einem Nachmittag ein Kunde ausgerastet.

Test-Zentrum im Container vor Westparkcenter
Das Westpark-Center hat vor seinem Eingang in einem Container ein Testzentrum eingerichtet, als Service für seine Besucher aber auch für die Oberlausitzer. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Mitarbeiterinnen haben Angst

Der Mann habe das Testcenter ohne Maske betreten, erzählt Heiko Wasser. Er sei freundlich auf das Versäumnis hingewiesen worden und auch darauf, dass man nur bei grüner Signalleuchte eintreten darf. "Der Kunde wollte anfangs seinen Test ohne Maske absolvieren, hat sich dann aber einsichtig gezeigt und eine Gesichtsmaske aus seinem Wagen geholt." Nachdem die Daten des Mannes aufgenommen waren, wurde der Test durchgeführt.

Positiver Corona Schnelltest Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test der Firma Hotgen (Aldi)
Ein positiver Corona- Schnelltest führte dazu, dass die Mitarbeiter des Testcenters lautstark attackiert wurden. Bildrechte: dpa

Nach 15 Minuten reagierte der Test positiv auf das Coronavirus. Danach sei die Situation eskaliert, denn der Mann wollte das Ergebnis nicht akzeptieren. Lautstark, so Heiko Wasser, habe er einen weiteren Test gefordert und das Personal im Testcenter als unfähig beschimpft. Doch einen zweiten Test gibt es nicht, erklärt der Chef des Westpark-Centers.

Geschäftsführer Heiko Wasser
Heiko Wasser schließt nach verbalen Attacken auf seine Mitarbeiter das Testzentrum vor seiner Freizeitanlage. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Der Test war eindeutig. Wir haben dem Mann gesagt, dass wir zum Melden von positiven Ergebnissen verpflichtet sind. Anschließend haben wir ihm die Unterlagen ausgehändigt und ihm erklärt, was nun zu tun ist.

Heiko Wasser Geschäftsführer Westpark-Center

Hass und Beschimpfungen in den sozialen Medien

Szenen wie diese gab es in den vergangenen Wochen immer wieder. "Der Ton wird rauer und die Aggressivität der Leute steigt immer mehr an", berichtet Heiko Wasser. Er könne gut nachempfinden, dass seine Mitarbeiterinnen im Testcenter Angst haben. Zumal die Beschimpfungen auch im Netz stattfinden. Von "Pandemiegewinnern, Faschisten, System-Schlafmützen oder gewissenlosen Geld-Haie!" ist die Rede. Auch mobile Impfteams in der Oberlausitz kennen solche Beleidigungen. Doch während diese meist durch Security-Firmen geschützt werden, müssen Heiko Wasser und sein Team den Frust der Menschen allein abhalten. Eine Security-Firma für die Öffnungszeit des Testcenters zu buchen, lohne sich nicht, so der Unternehmer.

Mann im Kinderland mit Staubsauger
Geschäftsführer Heiko Wasser in seinem Kinderland, welches er erst vor zwei Monaten eröffnet hat. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Weil der Zittauer befürchtet, dass den lautstarken Beleidigungen oder Drohungen Handgreiflichkeiten folgen könnten, macht sein Testcontainer am Mittwoch zu. Seit Mitte April hatte er acht seiner 14 Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz als Tester schulen lassen. "Wir testen bis unsere Bestände aufgebraucht sind", sagt der Geschäftsführer. Am Dienstagvormittag waren noch 24 Tests vorhanden, denn in den vergangenen Tagen wurde bereits Material zum Einkaufspreis weiterverkauft - an Unternehmen und Arztpraxen aus der Region.

Kurzarbeit für alle Beschäftigten

Für seine Mitarbeiter hat das Westpark-Center erneut Kurzarbeit beantragt. Einige werden wahrscheinlich auf der 450 Euro-Basis weiter als Tester unterwegs sein. Anfragen von anderen Testcentern gibt es bereits. Zudem werden wahrscheinlich die Johanniter die Schnelltestlücke in Zittau schließen, denn sie wollen im Dreiländereck ihr zweites Testcenter eröffnen.

Kartfahrzeuge im Kinderland
Die größte Freizeit- und Sportanlage in der Oberlausitz mit dem neu eröffneten Kinderland bleibt erst mal bis Anfang Januar geschlossen. Der Geschäftsführer rechnet aber schon mit Einschränkungen bis Ostern. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Heiko Wasser hat seine gesamte Sport- und Freizeitanlage im Zittauer Westpark erst einmal bis Januar geschlossen. Er rechnet aufgrund der Corona-Pandemie mit weiteren Ein- und Beschränkungen, möglicherweise bis Ostern.

Quelle: MDR/uwa

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen