Preisschock Sachsens Wirtschaft fordert Hilfe wegen explodierender Energiekosten

Der Krieg in der Ukraine führt zu deutlich gestiegenen Preisen für Kraftstoffe sowie für Strom und Wärme. Weil die Belastung für Unternehmen immer größer wird, schlagen Sachsens Wirtschaftskammern jetzt Alarm. Sie fordern ein Einschreiten der Politik.

Blick auf eine Tafel mit Preisen von verschiedenen Kraftstoffen an einer Tankstelle in der Stadt am frühen Morgen.
Der Anblick der Preistafeln von Tankstellen bereitet derzeit keine Freude. Die Wirtschaftskammern in Sachsen fordern deshalb Entlastungen. Bildrechte: dpa

Sachsens Wirtschaft klagt über die hohen Preise für Benzin, Diesel, Strom und Wärme. Die sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) und die Handwerkskammern (HWK) haben sich deshalb am Donnerstag mit einem gemeinsamen Schreiben an die sächsischen Bundestagsabgeordneten gewandt und Schritte zur Kostensenkung gefordert.

Kammern in Sachsen für Steuersenkungen

Sie wünschen sich, dass die Energie- und Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau abgesenkt wird. Im Vergleich zum aktuellen Stand entspräche das einer Senkung um 95 Prozent. Darüber hinaus halten es die Kammern für notwendig, dass die Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent verringert und die CO₂-Steuer ausgesetzt wird. Einen Importstopp für Öl und Gas aus Russland lehnen sie den Angaben zufolge ab, solange kein Ersatz zur Verfügung steht.

Dachdecker: Kein Geld mehr für Azubis

Wie sich die Kosten konkret entwickelt haben, verdeutlicht eine Beispielrechnung der sächsischen Dachdeckerinnung. Diese führt in einer Pressemitteilung an, dass sich die Kraftstoffkosten für einen Betrieb mit zwei Transportern derzeit auf monatlich 1.500 Euro beliefen. Die Kosten sind zuletzt innerhalb weniger Tage um das Doppelte angestiegen. Man erwarte demnächst noch höhere Kosten, wenn der Effekt noch länger andauere. "Diese Mehrkosten verbrauchen das verfügbare Kapital, um beispielsweise einen zusätzlichen Ausbildungsplatz zu schaffen", teilte die Innung mit.

Kretschmer: Energieembargo beendet Krieg nicht

Ähnlich sieht das Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Er warnte davor, die Wirtschaft und auch die Verbraucher mit Blick auf den Krieg in der Ukraine immer mehr zu verunsichern. Die aktuellen Preisexplosionen etwa auf dem Energiemarkt seien ein Resultat von Spekulationen und Verunsicherungen, sagte Kretschmer. Diese Preissprünge seien substanziell gar nicht zu begründen, da Erdgas nach wie vor in Deutschland ankomme. Zugleich bekräftige er seine ablehnende Haltung zu einem Energieembargo gegen Russland. Es sei "kein Instrument, um diesen Krieg zu beenden" und auch kein Instrument der Krisenbekämpfung.

MDR(sth)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 10. März 2022 | 18:30 Uhr

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