Vorschlag Aue: Corona-Impfprämie für Rathausmitarbeiter?

Der Erzgebirgskreis hat im sächsischen Vergleich mit 38,7 Prozent die geringste Impfquote bei den Coronaschutzimpfungen. Aue - Bad Schlema will den Impfmüden auf die Sprünge helfen. Nachdem den Einwohnern bereits eine Impfaktion mit Gratis-Bratwürsten schmackhaft gemacht wurde, bringt Oberbürgermeister Kohl jetzt Corona-Impfprämien für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung ins Gespräch.

Eine Notfallsanitäter der DLRG zieht an der Universität Potsdam den Corona-Impfstoff von Biontech in eine Spritze. Neben den Studierenden haben alle Menschen heute die Möglichkeit, sich ohne Termin an der Uni Potsdam mt Biontech impfen zu lassen.
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Der Oberbürgermeister der Stadt Aue - Bad Schlema, Heinrich Kohl, hat eine Impfprämie von 75 Euro für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung vorgeschlagen. Nach der öffentlichkeitswirksamen Impfaktion, bei denen es eine Bratwurst gab, ist dies die zweite Idee aus der Muldenstadt binnen eines Monats. Auch diese Idee sei kopiert, sagt Heinrich Kohl. "Einige Unternehmen machen das ja schon, teilweise sogar in Abhängigkeit davon, ob alle mitmachen. So weit würden wir jetzt nicht gehen. Es ist aber sicher eine kleine Stimulanz, eine kleine Aufmerksamkeit."

Es gibt moralische Bedenken, dass man sich nicht gegen Geld impfen lässt. Das kann ich verstehen. Aber wir wissen, wie die Menschen sind. Manchmal brauchen sie eine Aufmunterung, um das Richtige zu tun.

Heinrich Kohl Oberbürgermeister der Stadt Aue - Bad Schlema

Der Bürgermeister von Aue, Heinrich Kohl, sitzt an einem Schreibtisch.
Der Oberbürgermeister von Aue - Bad Schlema, Heinrich Kohl, verteidigt die Idee einer Impfprämie. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stadtverwaltung habe als öffentlicher Träger eine Vorbildfunktion, sagt Kohl. "Wie kann man die Bürger überzeugen, nicht impfmüde zu sein, wenn es das eigene Personal der öffentlichen Hand ist?" Das gelte ebenso für Krankenhäuser und das Gesundheitswesen. "Wenn die Mitarbeiter dort skeptisch sind, dann kann man verstehen, dass auch die Bevölkerung skeptisch ist. Also muss man hier Vorbildfunktion ausüben." Der Bürger habe einen Anspruch darauf, dass ihm Personal gegenübertrete, das möglichst infektionsfrei sei. "Daher ist die Freiheit, das zu entscheiden, durch das Recht Anderer und den Dienst eingeschränkt", sagte Kohl.

Umfrage: Finanzielle Anreize erhöhen Impfbereitschaft

Im Mai hatte eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung ergeben, dass finanzielle Anreize die Impfbereitschaft erhöhen können. Der beteiligte Sozialwissenschaftler Ferdinand Geißler von der Humboldt-Universität zu Berlin sagte dem MDR, dass unentschlossene Menschen durch finanzielle Anreize zu einer Impfung bereit sein könnten. Die Höhe der Zahlung spiele dabei eine Rolle. Während sich bei einer möglichen Zahlung von 25 Euro kaum ein Effekt zeige, wäre er bei 50 Euro schon spürbar.

Widerspruch aus Schneeberg und Marienberg

Und wie sieht es in anderen Erzgebirgsstädten aus? Aus dem Schneeberger Rathaus kommt eine klare Absage an eine Impfprämie. Der Bürgermeister der Stadt, Ingo Seifert, lehnt sie klar ab. "Das kommt für mich als Bürgermeister der Stadt Schneeberg nicht infrage." Die Entscheidung, sich impfen zu lassen, sei eine ganz persönliche Entscheidung, die jeder Mensch für sich selbst treffen sollte.

Das führt zu einer Spaltung in der Belegschaft. Dieses Ziel werde ich nicht verfolgen.

Ingo Seifert Bürgermeister von Schneeberg

Schneeberg Rathaus
In Schneeberg wird es keine Impfprämie für die Angestellten der Stadtverwaltung geben. Bildrechte: Marko Borrmann

Bei einer Impfung müsse jeder gemeinsam mit seinem Hausarzt eine Entscheidung treffen, sagt Seifert. "Nach der ärztlichen Beratung kann man sagen, ob man sich impfen lässt oder nicht. Doch zu sagen, ich lasse mir eine Spritze geben, um in den Urlaub zu fahren oder um 100 Euro zu bekommen, das ist für mich absolut befremdlich."

Ach in Marienberg sieht die Stadtspitze das ähnlich. Auf schriftliche Anfrage erklärte Heike Dachselt, Beigeordnete für das Finanzwesen, dass es derzeit keine Überlegungen gebe, Impfprämien zu zahlen. "Die Stadt unterstützt die Impfteams mit Impfangeboten vor Ort, um auch allen die Möglichkeit zur Wahrnehmung eines Impftermines zu geben." Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung sei eine höchstpersönliche Entscheidung eines jeden Einzelnen, eine Entscheidung des Einzelnen aber auch für die Gemeinschaft. "Dies über Prämien zu regeln, würde das Problem der Impfverweigerer von der Ebene der Gesetzgebung auf die unteren Ebenen verlagern." Dies könne nicht zielführend sein. Hier sei eine klare Entscheidung der Gesetzgebung gefragt.  

Keine Anreize in Annaberg-Buchholz

Der Annaberg-Buchholzer Oberbürgermeister Rolf Schmidt äußert sich in einem schriftlichen Statement eindeutig. "In der Annaberg-Buchholzer Stadtverwaltung wird es keinerlei Impfprämien oder anderweitige Anreize geben. Das generelle Impfangebot für alle Mitarbeiter*innen besteht, sodass dieses selbstverantwortlich, nach eigenem Ermessen - ohne Anreize - auch genutzt werden sollte."

In Aue - Bad Schlema entscheidet der Stadtrat im September über die vorgeschlagene Impfprämie. Sollte die Prämie dann gezahlt werden, kämen auf die Stadt Kosten in Höhe von etwa 25.000 Euro zu.

Quelle: MDR/tfr/nk

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 23. August 2021 | 19:00 Uhr

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