Ermittlungen nach Corona-Protest Offene Morddrohung gegen Kretschmer in Zwönitz

Seit Monaten finden in Zwönitz im Erzgebirge sogenannte Corona-Spaziergänge statt. Auch am Freitagabend wollten sich dazu mehr als 100 Menschen versammeln. Die Polizei schritt ein und ermittelt zudem wegen einer Morddrohung gegen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Protest Zwönitz
Über zwei Stunden lieferten sich Polizei und Demonstranten ein Katz- und Mausspiel. Bildrechte: Niko Mutschmann

Nach einer Morddrohung gegen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat die Polizei Ermittlungen eingeleitet. Das teilte eine Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Bei einem von der Polizei verhinderten Corona-"Spaziergang" in Zwönitz im Erzgebirge skandierten am Freitagabend einige Teilnehmer unter anderem "Kretschmer muss weg" und "Schießt ihn ab". Die Polizei habe durch einen Livestream in den sozialen Netzwerken davon erfahren und ermittle jetzt wegen Androhens einer Straftat, so die Sprecherin.

Polizei verhindert Corona-"Spaziergang"

Rund 120 Menschen wollten in Zwönitz bei einem sogenannten Corona-Spaziergang gegen den ab Montag geplanten Lockdown in Sachsen protestieren. Seit Freitag sind Versammlungen dieser Größe in Sachsen allerdings untersagt, nachdem die sogenannte Überlastungsstufe eingetreten ist. Sie richtet sich nach der Bettenbelegung in den Krankenhäusern. Versammlungen sind jetzt nur noch ortsfest und mit maximal zehn Teilnehmern erlaubt. Wie die Polizei mitteilte, hat sie den Start der Versammlung auf dem Marktplatz verhindert.

Zwei Polizisten mit schwarzen Uniformen halten einen Mann mit Rucksack fest.
Die Polizei hatte am Freitagabend alle Hände voll zu tun, damit sich in Zwönitz keine größeren Gruppen bilden und einen Corona-"Spaziergang" veranstalten. Bildrechte: Niko Mutschmann

Katz- und Mausspiel zwischen Polizei und "Spaziergängern"

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten sich jedoch im Stadtgebiet verstreut. Aufgrund des verwinkelten Wohngebietes sei es dann schwieriger gewesen, sie im Blick zu behalten, beschrieb eine Polizeisprecherin die Situation. Auch Reporter, die vor Ort waren, berichten von einem Katz- und Mausspiel, das sich über zwei Stunden hinzog. Am Ende nahm die Polizei fünf Anzeigen auf, davon zwei wegen Beleidigungen gegen Polizeibeamte und eine wegen einer Bedrohung. Außerdem habe ein "Spaziergänger" die Polizei am Losfahren gehindert und bekam daraufhin eine Anzeige wegen Nötigung.

In Zwönitz halten die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen seit Monaten an. Sie werden unter anderem von den "Freien Sachsen" befeuert, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistische Bestrebung eingestuft sind. In den einschlägigen Kanälen der Gruppe wird offen zu bewaffneter Gewalt aufgerufen. Im Frühjahr war es bei unangemeldeten Corona-Protesten in Zwönitz mehrfach zu Gewalt gekommen. Mehrere Polizisten wurden verletzt.

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Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 20. November 2021 | 19:00 Uhr

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