Oldtimer Fahrzeugmuseum Chemnitz feiert 100 Jahre DKW-Motorradbau

Einer der vier Audi-Ringe, die ursprünglich das Zeichen der Fahrzeuge der Auto-Union waren, gehörte zu DKW. Im Chemnitzer Fahrzeugmuseum ist dem 100. Geburtstag der DKW-Motorräder eine Sonderausstellung gewidmet - natürlich mit Oldtimertreffen.

In einer Ausstellung stehen historische DKW-Motorräder auf einer Ausstellungsfläche.
Am Sonntag feierten Oldtimerfans im Chemnitzer Fahrzeugmuseum 100 Jahre Motorradbau in Zschopau bei einem DKW-Treffen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich


Seit Freitag ist im Fahrzeugmuseum Chemnitz eine neue Sonderausstellung zu sehen. Die Schau mit dem Titel "Vom Arschwärmer zum Stachelschwein" blickt auf 100 Jahre DKW-Motorradgeschichte zurück.

Ludwig Karsch, der Vorsitzende des Vereins "Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz e.V.", wollte den 100. Geburtstag der Zschopauer Motorradproduktion mit der Ausstellung würdigen. "Neben den Ausstellungen auf den Schlössern Augustusburg und Wildeck in Zschopau haben wir auch eine Geburtstagsausstellung auf die Beine gestellt. Bei uns stehen die Alltagsmotorräder im Mittelpunkt." Die Ausstellungsstücke der Sonderschau seien Leihgaben von Sammlern. "Man kennt sich und man hilft sich", sagt Karsch.

Ludwig Karsch, Vorsitzender des  “Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz e.V.”, steht in der Motorradausstellung.
Ludwig Karsch, Vorsitzender des Vereins "Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz e.V.", hat die Sonderausstellung organisiert. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Eigentlich sei es auch eine Ausstellung zu "50 Jahre Frieder Bach", der sich als DKW-Fachmann schon so lange mit der Geschichte der Marke beschäftigt und auch das Fahrzeugmuseum in Chemnitz gegründet habe, lacht Karsch.

Sachen gibt's, die gibt's gar nicht

Daher zeigt DKW-Legende Frieder Bach im Museum wieder einmal ein Ausstellungsstück, das es eigentlich gar nicht (mehr) gibt. Bach fand im Nachlass des DKW-Motorrad-Konstrukteurs Hermann Weber die Skizze eines Renn-Motorrades mit Holzrahmen, dessen Original im Winter 1922/23 entstanden sein muss. Das Original existiert nicht mehr.

Da Frieder Bach alle dazugehörigen Teile bis auf den ungewöhnlichen Rahmen vorrätig hatte, baute er kurzerhand das Unikat nach. Das Motorrad vervollständigt die Ausstellung in Chemnitz quasi als Geburtstagsgeschenk zum 100. Jubiläum des Beginns der Motorradproduktion in Zschopau.

Frieder Bach vor einem von ihm selbt gebauten DKW-Motorrad mit Holzrahmen.
Das Renn-Motorrad mit Holzrahmen hat Frieder Bach nach einer wiedergefundenen Konstruktionsskizze gebaut. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Einer der vier Ringe: DKW Jørgen Skafte Rasmussen gründete 1906 in Zschopau eine Firma zur Herstellung von Teilen für Textilmaschinen. Durch die kriegsbedingte Verknappung von Treibstoff baute er ab 1917 einen "Dampfkraftwagen" - den ersten DKW. 1919 wurde daraus "Das kleine Wunder" für einen Zweitakt-Hilfsmotor für Fahrräder.

Als "Motorenwerke Rasmussen" stellte die Firma ab 1921 Motorräder aus eigener Produktion her. Bis 1928 stieg das Unternehmen mit einer Produktion von mehr als 100.000 Maschinen zum weltweit größten Motorradhersteller auf. Im gleichen Jahr lief mit dem Typ P das erste DKW-Automobil vom Band.

Die Weltwirtschaftskrise brachte das Werk in Schieflage, sodass es 1932 Teil der Auto Union AG wurde. Die vier Ringe des Logos standen für die vier Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer. Nach dem 2. Weltkrieg wurden in Zschopau bis 2008 weiter Motorräder gebaut, zuerst als DKW, später unter dem Namen MZ. In Ingolstadt endete die DKW-Motorradproduktion bereits 1958. Quelle: DKW Motorrad Post

Endlich wieder mal raus

Auch das DKW-Treffen am Sonntag haben wir bewusst offen gehalten, damit sich die Sammler und Schrauber mal wieder treffen können", sagt Vereinsvorsitzender Karsch. Man habe es bewußt "DKW begenet IFA" genannt, um niemanden auszuschließen. "Die Leute wollen sich nach der langen Corona-Pause einfach mal wieder austauschen."

Einer von Ihnen ist Marko Seifert, der mit einer seltenen DKW Luxus 500, Baujahr 1929 zum Fahrzeugmuseum gekommen ist. "Ich habe schon als Jugendlicher eine NSU Quick geschenkt bekommen. Seitdem lässt mich das Oldtimerfieber nicht mehr los."

DKW-Schrauber Markus Seifert sitzt auf seiner DKW Luxus 500, Baujahr 1929
Markus Seifert hat jahrelang nach seiner DKW Luxus 500 gesucht. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Nach der DKW habe er jahrelang gesucht. "Das geht nur mit Kontakten in der Szene, weil die Motorräder äußerst selten sind." Die meisten Arbeiten an der Maschine habe er selbst erledigt. "Da kommen sehr viele Stunden in der Garage zusammen." Wie viele genau, könne er gar nicht sagen. Auf diesen zwei Rädern ruht sich Seifert aber nicht aus. "Ich restauriere gerade einen Horch P2M. Das ist ein Geländewagen, der Anfang der 1950er-Jahre in Zwickau vom Band lief."

Die DKW-Sonderausstellung im Fahrzeugmuseum Chemnitz ist noch bis zum 3. Oktober zu sehen. Zur Chemnitzer Museumsnacht am 14. Mai steht die historische Hochgarage, in der das Fahrzeugmuseum untergebracht ist, im Mittelpunkt. Aber das ist schon wieder eine andere Fahrzeug-Geschichte.

Ein historischer DKW-Pritschenwagen mit der Aufschrift "DKW - das kleine Wunder" fährt über einen Hof.
Viele der Geschichten über DKW - "Das kleine Wunder" werden im Chemnitzer Fahrzeugmuseum bewahrt und erzählt. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

MDR (tfr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 24. April 2022 | 19:00 Uhr

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