Herausforderung Energiepreise bereiten Industrieunternehmen in Chemnitz Kopfschmerzen

Bundesfinanzminister Christian Lindner hat vor einer "sehr ernst zu nehmenden Wirtschaftskrise" gewarnt.
Was das für die einzelnen Unternehmen bedeutet, ist nicht vorherzusagen. Die Unternehmer in Chemnitz sind verunsichert.

Ein Mitarbeiter der Härterei Haferbier in Eislingen neben einem Härtereiofen zur Wärmebehandlung von Bauteilen.
Beim Härten von Metall wird jede Menge Energie verbraucht. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

HTM Chemnitz: Sorge wegen steigender Energiepreise trotz guter Auftragslage

Die Härtetechnik & Metallbearbeitungsgesellschaft – kurz HTM - in Chemnitz verbraucht jede Menge Energie. Denn hier werden Metallteile verschiedener Größen durch Wärmebehandlung veredelt. Und die kostet immer Geld.

Die steigenden Energiepreise treiben Geschäftsführer Dirk Tannert treiben die stetig wachsenden Energiepreise die Zorn- und Sorgenfalten auf die Stirn. Er versuche, die Prozesse weiter zu optimieren. "Aber irgendwann ist man gezwungen, die anteiligen Kosten auf die Behandlungspreise umzulegen und an die Kunden weiterzureichen."

Noch seien die Auftragsbücher gut gefüllt, sagt Tannert. Doch wenn die HTM-Kunden in der Krise ins Schlingern gerieten, werde man das früher oder später auch bei HTM in Chemnitz spüren. "Das hängt von der Entwicklung bei den globalen Lieferketten und der globalen Nachfrage ab."

Nach der Ausrufung der zweiten Krisenstufe im sogenannten Notfallplan Gas durch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gebe es keine unmittelbaren Auswirkungen auf sein Unternehmen, sagt HTM-Geschäftsführer Dirk Tannert. "Wir werden vom Energieversorger uneingeschränkt versorgt. Was es bedeutet, wenn die Preise durch den Energieversorger ohne Deckelung angehoben werden können, das kann man erst beurteilen, wenn es spruchreif ist."

IHK Chemnitz: Zukunftserwartungen der Unternehmen sind sehr gedämpft

So wie der HTM gehe es vielen Firmen in der Region, sagt der stellvertretende Geschäftsführer für Standortpolitik bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz, Martin Witschaß. "Die aktuellen Geschäfte laufen trotz Lieferschwierigkeiten und explodierender Kosten noch relativ stabil. Aber die Erwartungen sind sehr gedämpft." Neben des Energiekosten schwebe als Damokles-Schwert auch der drohende Gasmangel über der Wirtschaft.

Martin Witschaß, stellvertretender Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Chemnitz.
Martin Witschaß von der IHK Chemnitz sieht eine Reihe von Problemen, mit denen sich die Unternehmen der Region gelichzeitig auseinandersetzen müssen. Bildrechte: IHK Chemnitz

Witschaß sieht noch weitere Probleme für die heimische Wirtschaft: "Die Erzeugerpreise sind um rund 30 Prozent gestiegen. Zusätzlich getrieben wird diese Entwicklung durch die Erhöhung des Mindestlohnes, der ab Oktober auf zwölf Euro steigt." Parallel dazu gebe es branchenübergreifend einen Arbeitskräftemangel.

Industrievereins-Chef Lässig: Hohes Maß an Verunsicherung

Maschinenbau-Unternehmer Jörg Lässig, der im Vorstand des Industrievereins Sachsen sitzt, warnt vor dem ständigen Benutzen des Begriffs "Krise". "Wir haben tägliche Herausforderungen. Es gibt regionale, nationale und auch Internationale Probleme und Veränderungen. Wir neigen als Deutsche aber auch dazu, die Krise herbeizureden, indem wir intensiv darüber sprechen, dass sie kommen muss."

Gleichzeitig sieht er eine Vielzahl von Problemen, mit denen die Unternehmen derzeit konfrontiert werden. "Es zeigt sich ein sehr indifferentes Bild. Das eine Unternehmen ist jetzt mehr von den Energiepreisen, das andere mehr von Zulieferproblemen betroffen." Man wisse nicht, ob man die letzte Krise bereits verlassen habe, da werde bereits von den nächsten Krisen gesprochen. "Daher herrscht in den Unternehmen ein hohes Maß an Verunsicherung."

Wir neigen als Deutsche aber auch dazu, die Krise herbeizureden, indem wir intensiv darüber sprechen, dass sie kommen muss.

Jörg Lässig Vizepräsident Industrieverein Sachsen 1828 e.V.

Jörg Lässig, Vizepräsident Industrieverein Sachsen 1828 e.V.
Jörg Lässig beobachtet eine große Verunsicherung bei den Unternehmen. Bildrechte: Ines Escherich/Industrieverein Sachsen 1828 e.V.

Lässig macht auch energiepolitische Fehler der Vergangenheit für die derzeitige Situation verantwortlich. "Man hätte beim Thema Energiewende deutlich entschlossener vorgehen müssen." Künftig müssten die Weichen deutlich konsequenter gestellt werden. "Der Spruch ist nicht von mir, trifft die Situation aber ganz gut: 'Nichts und niemand ändert seine Richtung im freien Fall.'" Wenn in einer Notsituation gehandelt werden müsse, blieben Kollateralschäden nicht aus.

Nichts und niemand ändert seine Richtung im freien Fall.

Jörg Lässig Vizepräsident Industrieverein Sachsen 1828 e.V.

MDR (tfr/rk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Tag | 23. Juni 2022 | 14:40 Uhr

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