04.02.2020 | 19:03 Uhr Ikarus-Gelenkbus aus Chemnitz wird originalgetreu restauriert

Beim VEB Nahverkehr Karl-Marx-Stadt gehörten die Gelenkbusse vom Typ Ikarus 180 viele Jahre zum Fuhrpark. Überlebt hat kein einziger. Einer der letzten drei weltweit existierenden 180er wird für Chemnitz restauriert. Am Dienstag ging er auf Reisen nach Güstrow.

Der Ikarus-Bus vom Typ 180 ist seltener als mancher Oldtimer von Ferrari oder Alfa Romeo. Von den ursprünglich in Ungarn produzierten 7.802 Gelenkbussen dieses Typs existieren genau noch drei Stück: Zwei der Busse sind in Budapest und in Moskau als Oldtimer unterwegs. Das dritte Exemplar steht als Stahlgerippe in Chemnitz und wird jetzt wiederaufgebaut.

Auch wenn er in seinem ersten Leben von 1971 bis 1978 in Berlin unterwegs war, wird der "Zugezogene" nach seiner Restaurierung wieder die typischen Farben des Karl-Marx-Städter Nahverkehrs tragen: beige mit roter Bauchbinde.

Ein Ikarus-Gelenkbus der Baureihe 180 an einer Haltestelle in Chemnitz.
Ein Ikarus-Gelenkbus der Baureihe 180 an der Endstelle der Linie 32 in Karl-Marx-Stadt. Bildrechte: Straßenbahnmuseum Chemnitz

Museumsleiterin Claudia Großkopp und ihre Mitstreiter vom Verein der Straßenbahnfreunde Chemnitz wollen den Bus absolut authentisch wieder auferstehen lassen. "Es gibt ja nur noch drei auf der Welt. Und wir haben den einzigen Zweitürer, die Überlandausführung des Busses. Wir sind zwar ein Straßenbahnmuseum, aber der Bus hat schon Ambitionen, unser Flaggschiff zu werden, weil es ihn so selten gibt." Zwischen 1968 und 1973 sind insgesamt 83 Omnibusse dieses Typs in die Stadt geliefert worden, ergänzt sie. "Karl-Marx-Stadt war damals die Ikarus-180-Hauptstadt schlechthin."

Das "Gerippchen" reist per Tieflader nach Güstrow

Am Dienstag ist der Chemnitzer 180er, oder das, was von ihm im Moment noch übrig ist, per Tieflader auf die Reise nach Güstrow geschickt worden. Claudia Großkopp schaut auf die Reste des Busses. "Eigentlich ist es nur noch ein Gerippchen." In Berlin sei der Bus seinerzeit sandgestrahlt worden, was das Material ziemlich angegriffen habe. Deswegen müsse er jetzt rekonstruiert werden. "Das muss schon eine Firma machen, die ihr Handwerk versteht. In Güstrow wurden schon zu DDR-Zeiten Ikuarus-Busse aufgebaut und da sind noch ein paar alte Hasen, die sich damit auskennnen." Baupläne und Konstruktionszeichnungen dafür kamen nach einem Facebook-Aufruf des Vereins sogar aus Ungarn.

Der Ikarus soll ein Phönix werden

Wenn sich schon der Typenname des Busses an die griechische Mythologie anlehnt, kann man auch bei der geplanten Fertigstellung auf die alten Griechen zurückgreifen. Wie Phönix aus der Asche soll der Bus in zwei Jahren wieder zu neuem Leben erwachen.

Claudia Großkopp hat eine Menge vor mit dem Ikarus. "Er wird auf alle Fälle zu besonderen Anlässen und Fahrtagen wieder durch Chemnitz rollen. Schön wäre es natürlich, wenn wir den Bus im Jahr 2022 zum Jubiläum '100 Jahre Stadtbus' präsentieren können." Da soll er zumindest optisch wieder wie ein echter Bus aussehen. "Ganz toll wäre natürlich, er wäre fertig. Das ist auch unser Ziel, aber dafür fehlen uns wirklich noch ein paar Gelder." Denn der Wiederaufbau dieses verkehrshistorischen Unikats wird weiterhin durch Spenden finanziert.

Quelle: MDR/tfr/mv

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.02.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz
MDR SACHSENSPIEGEL | 04.02.2020 | 19:00 Uhr

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