Solarcontainer Stollberger bringt Strom nach Afrika

Harald Leitl hat bereits mit Solarcontainern in entlegenen Ortschaften von Malawi, Sambia und Mali für eine gesicherte Stromversorgung gesorgt. Als nächstes will er ein Landwirtschaftsprojekt in Ghana damit unterstützen.

Solarpanels Projekt Afrika Einfach genial
Die Solarpanels werden auf dem Dach montiert und garantieren eine autarke Stromversorgung. Bildrechte: Harald Leitl

Sonne gibt es genug in Afrika. Das hat sich Harald Leitl aus Gablenz im Erzgebirge für den Solarcontainer zu Nutze gemacht, den er entwickelt hat, um Dörfer in Afrika mit Strom zu versorgen. Das ist auch wichtig, um an Trinkwasser zu kommen.

Um Brunnen tief genug bohren und das tiefliegende Wasser hoch pumpen zu können, braucht es elektrische Energie. Mancherorts müssen Menschen dort aufgrund der Knappheit Wasser aus eigens gegrabenen Wasserlöchern trinken, die nicht sauber und viel zu klein sind.

2008 – die Idee zum Solarcontainer

Den Anstoß gab Leitl ein Gespräch mit zwei Missionaren, welche ihm von den dortigen Problemen erzählt hatten. Dem Elektrotechniker war sofort klar, er muss vor Ort helfen. 2008 reiste er in Begleitung das erste Mal nach Malawi. "Wir haben sofort angefangen, mit den Materialien zu arbeiten, die vor Ort verfügbar waren, und mit denen, die wir per Post gesendet haben. Wir haben in einem dort schon vorhandenen alten Container eine Anlage installiert. Das war so schwierig, dass wir auf die Idee gekommen sind: Wir brauchen einen bereits fertig vorbereiteten Container", erinnert er sich.

ein Container
So sieht ein Solarcontainer aufgestellt in der Frontansicht aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

2014 – erster Einsatz in Malawi

Wieder zu Hause entwickelte er einen Solarcontainer, der eine stabile und wartungsfreie Stromversorgung garantiert und das Ganze auch noch zu 100% autark. Im Container lassen sich die Solarpanels während des Transports lagern, sodass sie dann vor Ort nur noch auf das Dach montiert werden müssen – schon ist er einsatzbereit. 2013 wurde der Solarcontainer im MDR-Erfindermagazin "Einfach genial" vorgestellt, welches gerade seinen 25. Geburtstag feiert.

2014 war das große Jahr: Leitl bachte den ersten Container nach Malawi, genauer in das kleine Dorf Chilonga. Der Elektrotechniker baute den Container dort mit der Unterstützung einiger Helfer auf. Seitdem versorgt das System das ganze Dorf störungsfrei mit Strom. Dazu gehören das Schulgebäude, mehrere Brunnenwasserpumpen und weitere Gebäude. In Betrieb verfügt der Solarcontainer über eine 5-KW-Solaranlage und einen Batteriespeicher mit 17 KW. "Als wir den ersten Container geliefert haben und der erste Kühlschrank damit betrieben wurde, haben die Kinder dort das erste Mal in ihrem Leben Eiswürfel gesehen und waren erstaunt, dass sie in ihren Händen geschmolzen sind – bei 40 Grad" sagt Leitl.

Solarcontainer für Ghana in den Startlöchern

Seitdem hat Harald Leitl noch weitere Container gebaut, für Dörfer in Malawi, Sambia und Mali. Sein nächstes Ziel ist ein Landwirtschaftsprojekt in Ghana: "Der Stromcontainer, der dorthin soll, wird als kleiner Wohncontainer mit Internet, Schlafmöglichkeit, einer Kochmöglichkeit und einem Sanitärbereich ausgerüstet."

Ein Mann auf einer Leiter.
Harald Leitl packt beim Aufbau der Solarcontainer selbst mit an. Bildrechte: Harald Leitl

Container als mobile Arztpraxis geplant

Die ärztliche Versorgung in einigen afrikanischen Ländern, insbesondere im ländlichen Raum, ist sehr schlecht. Das liegt unter anderem an weiten Wegen zur nächsten Arztpraxis oder an mangelhaften Hygieneverhältnissen vor Ort. Auch hier will der Tüftler helfen: mit einer autarken Praxis, die sich schnell von A nach B transportieren lässt. Leitl baute deswegen einen doppelachsigen Anhänger aus und verpasste ihm eine umfangreiche Ausstattung und eine leistungsfähige Solaranlage.

Routineuntersuchungen und Intensivmedizin

Neben Standardutensilien wie Spritzen, Kanülen und Verbandsmaterial befindet sich darin auch allerhand Technik – darunter ein Internetsystem, Messgeräte, Infusionsanlagen und eine Anzeige für die Vitalwerte von Patienten. Außerdem ist das mobile Health Center mit einer Behandlungsliege, allerlei wichtigen medizinischen Geräten, einem separaten Sanitärraum, einer Klimaanlage und vielem Weiteren ausgestattet. So können in der Station Routineuntersuchungen durchgeführt und auch Intensivpatienten überwacht werden. Das wahrscheinlich wichtigste Gerät an Bord: der Kühlschrank. Insbesondere für Medikamente ist dieser bei hohen Außentemperaturen dringend nötig.

Strom ebenfalls über Solarpanels auf dem Dach

Genau wie der Stromcontainer funktioniert die mobile Praxis komplett autark und wird über die Solarpanels auf dem Dach mit Energie versorgt. Damit der Strom nicht unangekündigt ausfällt, gibt es im Inneren eine Anzeige, die über den Ladestand der Batterie und die Temperatur Auskunft gibt. Die Solarpanels sind bei der "fahrenden Praxis" an den Seiten befestigt und lassen sich ein- und ausklappen. So müssen sie während der Fahrt nicht abmontiert und im Inneren gelagert werden. Außerdem besitzt der Anhänger ein ausklappbares Solarmodul zur  Warmwasserbereitung.

Harald Leitl will mit dieser Erfindung ärztliche Versorgung auch in entlegenste Gebiete bringen. Die mobile Praxis ist fertig entwickelt, momentan fehlt jedoch die Zulassung als ärztliches Versorgungsgerät und auch der Zoll macht dem Tüftler Probleme: "Der Transport ist schwierig, da der Zoll die doppelte Menge an Geld verlangt, was diese mobile Arztpraxis insgesamt kostet. Deshalb steht sie im Moment noch hier bei mir. Sie ist aber jederzeit einsetzbar und könnte überall hinfahren.“

mobile Praxis Einfach genial
Die mobile Arztpraxis ist startklar, muss aber noch auf die Zulassung warten. Bildrechte: Harald Leitl

Auch den hierzulande durch das Hochwasser in Not geratenen Menschen könnte die mobile Praxis helfen. "Am dringendsten wäre jetzt natürlich mein Wunsch, die Station in die Gebiete der Flutkatastrophe zu schicken. Viele haben ihre Häuser verloren und wenn wir durch Kontakte die Möglichkeit hätten, den Anhänger dort hinzustellen, könnten wir die Menschen vor Ort mit dem Notwendigsten versorgen – mit Dusche, WC, Internet und einem Behandlungsraum", sagt Harald Leitl.

Quelle: Einfach Genial

25 Jahre "Einfach Genial"

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Einfach Genial | 31. August 2021 | 19:50 Uhr

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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