Tag des Geotops Chemnitz blickt zurück in 291 Millionen Jahre Erdgeschichte

Ein Vulkanausbruch hat große Teile von Chemnitz mit einer meterhohen Ascheschicht begraben. Zum Glück passierte das schon vor etwa 291 Millionen Jahren. Zurück blieb ein versteinerter Wald. Bei den Ausgrabungen konnten die Besucherinnen und Besucher den Archäologen am Sonntag mitten im Wohngebiet Sonnenberg über die Schulter schauen.

Besucherinnen und Besucher schauen über ein Gleänder in einem Ausgrabungszelt auf die Ausgrabungsfläche.
Nur wenige Meter trennen in Chemnitz an manchen Stellen die Neuzeit vom Perm, als ein Vulkan hier ausbrach. Versteinerte Reste lassen einen Blick in die Vergangenheit zu. Bildrechte: haertelpress/Harry Härtel

Am bundesweiten "Tag des Geotops" konnten die Besucherinnen und Besucher mitten im Stadtteil Sonnenberg einen Blick ins Zeitalter des Perm, also in die Zeit vor fast 300 Millionen Jahren, werfen. Die Ausgrabungsstelle, die "Fenster in die Erdgeschichte" heißt, liegt mitten in einem Wohngebiet und war für Besucher geöffnet. "Wir können zufrieden sein mit dem Besucherandrang", sagt Germann Sebastian, der als wissenschaftlicher Volontär an der Ausgrabungsstelle tätig ist. "Bis 16 Uhr haben wir trotz des schlechten Wetters 180 Besucher gezählt."

Der versteinerte Wald von Chemnitz Vor 291 Millionen Jahren war das heutige Chemnitzer Stadtgebiet von einem dichten Urwald bedeckt. Ein Vulkanausbruch zerstörte den Wald. Die Druckwelle der Eruption knickte Schachtelhalmbäume um und tötete Riesen-Tausendfüßler und Ur-Saurier. Herabfallenden Vulkanasche begrub sie meterhoch und schloss die Überreste der Lebewesen luftdicht ein. Kieselsäure sorgte in der Folge dafür, dass sich die einst tropischen Bäume zu Stein verwandelten. Bei Ausgrabungen werden immer wieder spektakuläre Funde gemacht. So wurde 2008 ein zehn Meter langer verzweigter Schachtelhalm ausgegraben, der aufgrund seiner wissenschaftlichen Bedeutung 2010 den Titel "Fossil des Jahres 2010" erhielt. Quelle: Technische Universität Chemnitz

Ein versteinerter Baumstamm auf einer Ausgrabungsfläche ist mit Nummern markiert.
So sehen sie aus, die versteinerten Bäume von Chemnitz. Zur wissenschaftlichen Aufarbeitung werden die einzelnen Segmente nummeriert. Bildrechte: haertelpress/Harry Härtel

Den Paläontologen über die Schulter schauen

Die Besucherinnen und Besucher konnten den Paläontologinnen und Paläntologen bei der Freilegung und Bergung eines versteinerten Baumstammes über die Schulter schauen und den "Grabungsgeschichten" lauschen. Außerdem bestand die Möglichkeit, selbst Fossilien zu entdecken. Dazu gab es eine nachgestellte Grabungssituation, auf der man sich selbst auf die Suche nach kleinen Fossilien begeben konnte.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erläuterten den Besuchern die geologischen Besonderheiten, die zur Entstehung des "steinernen Waldes" unter Chemnitz geführt haben und warum sich sogar Edelsteininspektoren der sächsischen Kurfürsten im 18. Jahrhundert für Chemnitz interessierten.

Die Chemnitzer Archäologinnen und Archäologen hatten erst vor kurzer Zeit mit der Entdeckung eines Fossils einer bislang unbekannten Tierart für Furore gesorgt. Das Fossil wurde bereits vor zehn Jahren ausgegraben. Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde es als Vertreter einer bisher unbekannten Gattung eingestuft und erhielt den Namen "Chemnitzion richteri".

An einer überdachten Ausgrabungsfläche stehen Besucherinnen und Besucher. Am Boden arbeiten eine Archäologin und ein Archäologe.
Das "Fenster in die Erdgeschichte" kann nur im Rahmen von öffentlichen Führungen besucht werden. Bildrechte: haertelpress/Harry Härtel

MDR (tfr)

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