Bibliothekskongress Wie haben Bibliotheken auf dem Land eine Zukunft?

Vom Kinderbuch über das Gesellschaftsspiel bis hin zum E-Book: Die Rochlitzer Bibliothek "Alte Nikolaischule" bietet 26.000 Medien für seine Leserinnen und Leser. Nicht ohne Grund wurde die Bücherei 2021 mit dem Sächsischen Bibliothekspreis ausgezeichnet. Corona hat die Bibliothek nicht ausgebremst.

In Leipzig wird beim 8. Deutschen Bibliothekskongress unter anderem über die digitale Zukunft der öffentlichen Bibliotheken diskutiert. Die Corona-Pandemie habe einen großen Einfluss auf die Arbeit von Bibliotheken gehabt, so der Veranstalter. Zum einen würden digitale Angebote viel stärker nachgefragt, zum anderen bleibe aber auch der Bedarf der Bibliotheksnutzer nach realen Begegnungsorten. Diese Einschätzung teilt auch die Leiterin der Bibliothek "Alte Lateinschule" in Rochlitz (Mittelsachsen), Mandy Uhlemann. Die Bücherei ist voriges Jahr zur Sächsischen Bibliothek des Jahres gewählt worden.

Gesucht: Guter Mittelweg zwischen Analog und Digital

Die Digitalisierung sei sehr wichtig, sagt Uhlemann MDR SACHSEN. Vor allem in einer kleinen Stadtbibliothek müsse man die Waage halten und einen guten Mittelweg finden, meint sie. Weil die meisten ihrer Nutzerinnen und Nutzer älter als 60 Jahre alt seien, sollte ein digitales Angebot angepasst werden. "Was ist sinnvoll, was weniger? Wir denken trotzdem, dass das gute alte Buch mit Seiten zum Blättern gut mithalten kann."

Viele der Nutzerinnen und Nutzer würden auch weiterhin die persönliche Beratung wünschen und den gemeinsamen Gang durch die Bücherregale. Wichtig sei es, so Uhlemann, dass man offen für neue Dinge bleibe. Allerdings: Jeden Trend müsse man aber auch nicht mitmachen.

Wichtig ist, dass man sich nicht gegen neue Dinge verschließt. Jeden Trend muss man aber auch nicht mitmachen.

Mandy Uhlemann Leiterin der Stadtbibliothek Rochlitz

Pandemie forciert Digitalisierung

Natürlich habe die Corona-Pandemie auch in der Rochlitzer Bibliothek die Digitalisierung forciert, erzählt die Bücherei-Chefin. Die Internetseite der Bücherei wurde optimiert, der Online-Katalog in Zeiten der Lockdowns rege genutzt, per Email oder Internet wurden Medien bestellt und diese durch Click & Collect am sogenannten Drive-In-Schalter abgeholt. Auch das freie WLAN in der Bücherei locke vor allem Jugendliche ins Haus. Die Nutzergruppe, die nicht unbedingt zu den fleißigsten Leseratten zählt, beschreibt Uhlemann die Situation der vergangenen zwei Jahre.

Ohne Netzwerk kein Überleben

Mandy Uhlemann ist sich sicher, kleine Gemeindebüchereien auf dem Land sind ohne Netzwerk, ohne Kooperation mit größeren Büchereien nicht überlebensfähig. Selbst ihre Bücherei sei dem Fernleihe-Verbund angeschlossen und habe eine Kreisergänzungsfunktion. Heißt: Kleineren Gemeindebibliotheken im Umland werden Medien zur Verfügung gestellt. Damit könnten auch die kleinen Büchereien Angebot und Attraktivität deutlich erhöhen. Büchereien auf dem Land seien nicht nur Orte der Bildung und des Lernens, sondern auch Orte der Begegnung, findet die Bibliothekarin und fügt hinzu: Auf dem Land seien sie meist viel familiärer als in der Stadt.

MDR (bb)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 31. Mai 2022 | 06:30 Uhr

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