Touristenmagnet Pferdebahn in Döbeln wird mit DDR-Vermögen verlängert

Döbeln gilt vielleicht nicht gerade als touristische Hochburg in Sachsen. Mit seiner Pferdebahn hat die Kleinstadt an der Freiberger Mulde aber eine durchaus besuchenswerte Sehenswürdigkeit. Mit Geld aus dem Vermögen ehemaliger Parteien und Massenorganisationen der DDR wird die Strecke nun verlängert. Damit geht ein lang gehegter Wunsch des Pferdebahn-Vereins in Erfüllung.

Döbelner Pferdebahn
Bildrechte: MDR/L. Müller

Die Strecke der Döbelner Pferdebahn wird verlängert. Was sich der Traditionsverein schon lange gewünscht hat, soll nun mit Geld aus dem Vermögen ehemaliger Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel) möglich werden. Der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann hat sich für das Vorhaben stark gemacht. Nun sollen 120.000 Euro PMO-Gelder an den Verein fließen, der auch das Deutsche Pferdebahnmuseum in Döbeln ehrenamtlich betreibt.

Verlängerung bis zum Lutherplatz

Bisher existiert eine etwa 750 Meter lange eingleisige Strecke vom Pferdebahnmuseum über die Theaterstraße, die Bahnhofstraße, den Niedermarkt und die Bäckerstraße bis zum Obermarkt. Die Strecke soll nun mit dem Fördergeld bis zum Lutherplatz um 100 Meter verlängert werden und damit die Fahrt attraktiver machen. Eigenmittel sind für das Vorhaben nicht erforderlich, sodass der Verein von einer problemlosen Umsetzung der Streckenverlängerung ausgeht. Vereinschef Jörg Lippert ist sich sicher, dass ein neuer Endpunkt an der Nicolai-Kirche mit ihrem Schnitzaltar aus der Zeit um 1520 mehr Gäste in die Pferdebahn locke. Ziel sei, dass die Schienen in spätestens zwei Jahren liegen.

Geschichte der Pferdebahn in Döbeln

  • Am 10. Juli 1892 wurde die Pferdebahn-Strecke vom Hauptbahnhof bis zum Obermarkt auf Initiative von Geschäftsleuten eröffnet. Döbeln war damals wichtiger Eisenbahnknoten der Strecken Chemnitz - Riesa - Berlin und Leipzig - Meißen - Dresden sowie regionaler Schmalspurstrecken.
  • Mit neun bis zwölf Pferden und zehn Mitarbeitenden - überwiegend Kutschern - fuhr die Bahn bis Ende 1926 als eine der letzten Pferdebahnen in Deutschland. Fortan kamen Kraftomnibusse zum Einsatz.
  • 2002 gründete sich der Traditionsverein Döbelner Pferdebahn mit dem Ziel, das historische Verkehrsmittel für touristische Zwecke wiederzubeleben. Nach eigenen Angaben sind die Initiatoren seinerzeit von vielen als "Spinner" bezeichnet worden. Sie hatten keine Schienen, keinen Wagen, kein Pferd und noch nicht einmal Geld, berichten sie.
  • Sie ließen sich aber nicht beirren - gebrauchte Schienen wurden aus Leipzig, Cottbus und Chemnitz besorgt.
  • Der Wagenkasten der heutigen Pferdebahn stammt vom früheren Triebwagen 1 der Straßenbahn Meißen, der im Dorf Keilbusch bis 2002 als Hühnerstall diente.
  • Nach der Bergung des Wagens 2003 konnte er beim Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden restauriert werden. Das Fahrgestell ist ein Neubau.
  • Die Eröffnung der Pferdebahn fand am 9. Juni 2007 statt, das Zugpferd "Elko" gehört einem Vereinsmitglied.

Fahrbetrieb einmal monatlich von Mai bis Oktober

Planmäßig ist die Döbelner Pferdebahn jeweils von Mai bis Oktober am ersten Sonnabend des Monats im Einsatz. Touristen und auch Einheimische können dann Döbeln aus diesem eher ungewöhnlichen Verkehrsmittel bei gemütlicher Fahrt von 20 bis 30 Minuten Länge erkunden. 16 Fahrgäste können mitfahren - immer zwischen 10 und 11:30 Uhr sowie 14 und 16:30 Uhr.  

Mit der "Wilden Zicke" vom Bahnhof zum Dom

In Deutschland waren die Pferdestraßenbahnen die Vorgänger vieler elektrischer Straßenbahnen. Auf der Nordsee-Insel Spiekeroog ist gelegentlich noch ein solches Gefährt unterwegs. Auch das Nahverkehrsmuseum Dortmund spannt zu besonderen Anlässen ein Pferd vor einen Tram-Aussichtswagen. Freunde historischer Straßenbahnen kommen aber in Sachsen oder Sachsen-Anhalt das ganze Jahr über in den Genuss elektrisch betriebener Straßenbahnen aus längst vergangener Zeit - so von Bad Schandau ins Kirnitzschtal oder von Bahnhof Naumburg in den Innenstadt. Dort wird die rumpelnde Straßenbahn auch "Wilde Zicke" genannt.

MDR (lam/nk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Tag | 09. Februar 2022 | 17:50 Uhr

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