Umstrittener Vergleich Geteiltes Echo auf gescheiterte Abwahl von Baubürgermeister in Freiberg

In einem Zeitungs-Interview hatte Freibergs Baubürgermeister von einem "Kesseltreiben gegen Ungeimpfte" gesprochen und deren Situation mit dem Völkermord der Türken an den Armeniern verglichen. Das sorgte bundesweit für Empörung. Im Freiberger Stadtrat gab es am Donnertagabend trotzdem keine Zwei-Drittel-Mehrheit für seine Abwahl. Nicht jeder Bürger kann das verstehen.

Holger Reuter (CDU), Baubürgermeister und Vize-Oberbürgermeister von Freiberg, kommt vor Beginn der Stadtratssitzung mit der Abstimmung über seine Abwahl in die Nikolaikriche.
Freibergs Baubürgermeister Holger Reuter (CDU). Bildrechte: dpa

Nachdem die Abwahl des Freiberger Baubürgermeisters Holger Reuter (CDU) gescheitert ist, gibt es bei den Menschen auf der Straße ein geteiltes Echo auf die Entscheidung. Ein Passant sagte MDR SACHSEN: "Die Stadträte haben es so entschieden und das ist meiner Meinung nach dann ok. Und der Reuter als Baubürgermeister hat wirklich eine gute Arbeit gemacht. Die Entgleisungen sind eine unschöne Sache, aber man muss auch mal verzeihen können."

Erste Abmeldungen von der Universität

Deutliche Worte findet hingegen eine Frau: "Das ist nicht in Ordnung, was er macht. Ich bin dafür, dass er abgesetzt wird. Den Mann finde ich nicht in Ordnung." Ähnlich äußerte sich ein weiterer Passant. Er beobachte bereits Auswirkungen der öffentlichen Debatte auf die TU Bergakademie. "Also, wir haben an der Uni schon mitgekriegt, dass Studenten, die bereits eine Studienzusage hatten, sich teilweise wieder abgemeldet haben. Und da trägt auf jeden Fall das Verhalten dieses stellvertretenden Bürgermeisters dazu bei."

Der Marktplatz mit dem Rathaus und dem Brunnen Otto der Reiche in Freiberg im Erzgebirge
Holger Reuter kann auch weiterhin als Baubürgermeister im Freiberger Rathaus arbeiten. In der nahegelegenen Nikolaikirche scheiterte am Donnerstag seine Abwahl. Bildrechte: imago/Uwe Meinhold

Stadträtin: Reuter soll sich auf Facharbeit konzentrieren

Im Stadtrat selbst scheint das Thema mit der Abstimmung abgehakt zu sein. So sagte Stadträtin Ruth Kretzer-Braun, die den Abwahlantrag mit Räten der Fraktionen Die Linke/Haus-Grund, Freie Wähler, SPD, Bündnis 90/Grüne sowie einzelnen Stadträten von CDU/FDP sowie OB Sven Krüger eingebracht hatte, in der Freien Presse: "Als Demokraten müssen wir das Abstimmungsergebnis akzeptieren." Man fordere nun von Reuter, dass er sich auf seine Facharbeit konzentriere und sich künftig ähnlicher politischer Äußerungen enthalte. Konsequenzen aus der gescheiterten Abwahl hat den Angaben zufolge der Freiberger Dompfarrer Urs Ebenauer gezogen. Er trat vom inoffiziellen Amt des Silberstadt-Botschafers zurück. Er sehe sich nicht mehr in der Lage, für Freiberg zu werben, hieß es.

Zeitungsinterview löst massive Kritik aus

Der Freiberger Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) hatte in einem umstrittenen Zeitungsinterview in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" im Dezember von einem "Kesseltreiben gegen die Ungeimpften" gesprochen und eine Parallele zum Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs gezogen. Diese Äußerungen stießen auch überregional auf massive Kritik. Reuter trat daraufhin als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes zurück, blieb jedoch Baubürgermeister.

Quelle: MDR(sth/mwe)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Radioreport | 14. Januar 2022 | 18:00 Uhr

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