Konzepte vorgestellt Traditionell und mit Abstand: Das planen die Erzgebirgsstädte für ihre Weihnachtsmärkte

Die Corona-Infektionszahlen steigen in Sachsen immer weiter. Ministerpräsident Kretschmer appellierte daher an die Kommunen, ihre Weihnachtsmärkte abzusagen. Für die Erzgebirgsstädte Freiberg, Marienberg, Annaberg-Buchholz, Schwarzenberg, Olbernhau und Schneeberg ist das aber keine Option.

Blick auf den Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Dieser Markt ist weit über die Grenzen von Sachsen bekannt.
In diesem Jahr sollen im Erzgebirge wieder Weihnachtsmärkte stattfinden. Auch Annaberg-Buchholz (Archivfoto) hat ein passendes Konzept erstellt. Bildrechte: dpa

Die Erzgebirgsstädte Freiberg, Marienberg, Annaberg-Buchholz, Schneeberg, Schwarzenberg und Olbernhau wollen an ihren Plänen für die Weihnachtsmärkte festhalten. Am Montag präsentierten sie in Freiberg gemeinsam die Konzepte, wie die Märkte traditionell und zugleich sicher durchgeführt werden sollen. "Wir wollen es auf jedem Markt schaffen, dass jeder Besucher sicher und mit einem guten Gefühl kommen kann", sagt Sven Krüger, Oberbürgermeister von Freiberg.

So wollen fünf der sechs Städte auf die sogenannten Verweilbereiche verzichten und ihre Weihnachtsmärkte als Flaniermeilen anlegen. Nur Freiberg wird auch Verweilbereiche anbieten, die dann, wenn sich mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher gleichzeitig dort aufhalten, unter die 2G-Regel der Corona-Schutzverordnung fallen würden.

Sven Krüger
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Wenn Weihnachtsmärkte ausfallen, reden wir bei einigen Firmen über existenzbedrohende Situationen.

Sven Krüger Oberbürgermeister von Freiberg

Die Buden sollen mit größeren Abständen aufgebaut und die Straßen verbreitert werden. Zusätzlich soll neben den Sitzplätzen auch auf Stehtische verzichtet werden. Auch das Bühnenprogramm soll deutlich eingeschränkt stattfinden.

Flashmobs und Einbahnstraßen in Schneeberg

"Wir werden die Händler über den ganzen Markt verteilen und eine Einbahnstraßen-Regelung machen", sagt Ingo Seifert, Bürgermeister von Schneeberg. "Außerdem werden wir fast gänzlich auf Kultur verzichten, bis auf ein paar kleine Flashmobs." Durch diese Maßnahmen erhofft er sich, dass die Besucher auf dem Weihnachtsmarkt immer in Bewegung bleiben.

Es gebe sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung und geradezu die Aufforderung, Weihnachtsmärkte durchzuführen, so Seifert. Auch Menschen, die im Pflegebereich arbeiten, hätten ihm geschrieben. "Für sie ist der Weihnachtsmarkt ein Moment, wo man mal abschalten kann und andere Bilder sieht", sagt er.

Eisbahn und viel Platz in Marienberg

André Heinrich, Oberbürgermeister von Marienberg, ist es wichtig, "Bürgern und Touristen wenigstens ein Stückchen Weihnachtsmarkt anbieten zu können". In seiner Stadt habe man den Weihnachtsmarkt gut entzerren können, da insgesamt ein Hektar Fläche zur Verfügung stehe. "Außerdem haben wir eine große Eisbahn", so Heinrich. Diese habe einen separaten Zugang, sodass sich Eisbahn- und Weihnachtsmarktbesucher nicht unnötig vermischen würden.

Ich hoffe nicht, dass es zum Fiasko kommt, dass die Weihnachtsmärkte alle in Abstimmung aufgebaut sind und dann nicht mehr stattfinden dürfen.

André Heinrich Oberbürgermeister von Marienberg

Wichtelwerkstatt mit Bastelangeboten in Annaberg-Buchholz

Annaberg-Buchholz will zusätzlich zur Weihnachtsmarkt-Flaniermeile auch eine Wichtelwerkstatt mit Bastelangeboten für Kinder realisieren. Diese habe ein gesondertes Hygienekonzept. "Es gibt weniger Bastelangebote als sonst und daher auch weniger Kinder, die sich gleichzeitig in der Wichtelwerkstatt aufhalten", sagt Franziska Herzig, Fachbereichsleiterin Kultur, Tourismus und Marketing der Stadt Annaberg-Buchholz. Die Kinder, die regelmäßig in den Schulen getestet werden, können die Bastelangebote wahrnehmen, die Eltern müssen draußen warten. "Aber das Konzept war schon immer so gedacht, dass die Eltern Weihnachtsgeschenke auf dem Weihnachtsmarkt besorgen, während die Kinder basteln", so Herzig.

Eine Absage der Weihnachtsmärkte würde nach ihrer Meinung viel Frust beim Planungsteam, den Händlern und den Gästen erzeugen. Das sehen die anderen Städte ähnlich. Man habe sich oft mit der Landesregierung beraten und die Zusicherung bekommen, dass die Märkte auch bei der Überlastungsstufe durchgeführt werden können.

Petra Köpping
Bildrechte: dpa

Ich vertraue auf unsere Kommunen, dass dort Weihnachtsmärkte stattfinden, die so sicher wie möglich gemacht werden.

Petra Köpping Sachsens Gesundheitsministerin

Unterkünfte für Adventszeit gut gebucht

Für Sven Krüger sind die Weihnachtsmärkte auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie bringen Hotelbuchungen und Umsatz für Einzelhandel und Innenstadtgastronomie in Freiberg, sagt der Oberbürgermeister. "Die Nachfrage nach Urlaub im Erzgebirge in der Adventszeit ist sehr hoch. Sowohl Hotels und Pensionen als auch Ferienwohnungen und -häuser sind sehr gut gebucht", teilt der Tourismusverband Erzgebirge auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Weihnachten sei für die Region eine wichtige Reisezeit. "Sollte es auch in diesem Jahr zu einer Absage aller Weihnachtsmärkte kommen, so wäre es ein wiederholt großer Einschnitt für alle beteiligten Akteure", so der Tourismusverband. "Aufgrund der Kurzfristigkeit werden die damit verbundenen Herausforderungen nochmals größer sein als im vergangenen Jahr." Die Verunsicherung sei sehr groß.

Bergparaden sollen stattfinden

Auf die traditionellen Bergparaden wollen die sechs Erzgebirgsstädte trotz aller Verunsicherung nicht verzichten. "Die Straßen für die Bergparaden, gerade in Freiberg, sind nicht eng", so Sven Krüger. Außerdem sei die Route fast doppelt so lang wie in den vergangenen Jahren, sodass die Zuschauer die Parade mit Abstand erleben können. "Die Berparade gehört einfach zur Tradition eines Weihnachtsmarktes", sagt Krüger.

Weihnachtsmarktabsage in Meerane

Meerane hat den Weihnachtsmarkt im Gegensatz zu anderen Städten in Sachsen bereits abgesagt. Für Bürgermeister Lothar Ungerer sind die entsprechenden Vorschriften der Corona-Schutzverordnung nicht umsetzbar. "Es gab ein internes Papier der Gesundheitsämter, das gemeinsam mit dem sächsischen Sozialministerium erarbeitet worden war, erklärt Ungerer. Diese sogenannte "Checkliste zur Durchführung von Weihnachtsmärkten" hat das Meeraner Stadtoberhaupt veröffentlicht, um die Entscheidung zur Absage des Marktes transparent zu machen.

Quelle: MDR/al/nk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 15. November 2021 | 19:00 Uhr

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