Klima Freiberger Wissenschaftler forschen im Amazonas-Gebiet

Bereits zum zweiten Mal reisen Forscher der TU Bergakakademie Freiberg an den Amazonas. Dort werden Gewässer untersucht, deren Daten auch als Modell für Extremwetterverhältnisse in Europa dienen könnten.

ein Mann in einem Boot auf einem Fluß
Eric Röder, Doktorand an der TU Bergakademie Freiberg, bei der Vorbereitung einer Messung nahe Rio Preto da Eva im Amazonasgebiet. Bildrechte: MDR/ TU Bergakademie Freiberg / J. Matschullat

Forscher der Technischen Universität Bergakademie Freiberg reisen Anfang März ins Amazonas-Gebiet von Manaus. Dort wollen sie in 13 Seen und Teichen den Gasaustausch messen.

Dabei kommt laut Bergakademie ein 1,20 Meter langer Messroboter zum Einsatz. Es ist nach Oktober 2021 bereits die zweite Amazonas-Reise des Forscherteams.

ein Boot auf einem Fluß
Der rund 1,20 Meter lange Messroboter sammelt Daten auf dem Fischteich von Luizinho im Amazonasgebiet. Bildrechte: MDR/ TU Bergakademie Freiberg / J. Matschullat

Modell für Extremwetterverhältnisse in Europa

Nach den Trockenzeit-Messungen vor vier Monaten untersuchen die Forschenden dieselben Gewässer jetzt nochmals in der Regenzeit. "Besonders interessiert uns, welche Auswirkungen die Wasserstandsschwankungen auf den Gasaustausch haben, denn dies kann als Modell für Extremwetterverhältnisse in Europa dienen", erklärt Projektleiter Jörg Matschullat.

Studien unter extremeren Klimabedingungen sind äußerst hilfreich, um zukünftiges Verhalten des Umweltsystems besser einschätzen und darauf reagieren zu können.

Jörg Matschullat

Liegen die Ergebnisse aus dem Vergleich der Boden-Atmung in der Trocken- und der Regenzeit vor, kann das Team wichtige Schlüsse für bestehende Klimamodelle im Amazonas-Raum ziehen.

Erkenntnisse über zukünftige Klimarealitäten

"Speicher-, Senken- beziehungsweise Quellfunktionen von tropischen Gewässern zu verstehen und korrekt bestimmen zu können, ist eine wesentliche Voraussetzung für ein gezieltes Gewässermanagement – auch im Sinne einer Anpassung an den Klimawandel", erläutert der Freiberger Geoökologe. "Wir erwarten dank der neuen Erkenntnisse aber auch Antworten auf die Frage, wie künftige Klimarealitäten aussehen könnten."

Praxistest für Messroboter

Gleichzeitig ist das Forschungsprojekt ein Test, wie der eingesetzte Messroboter Daten unter feucht-tropischen Bedingungen erheben kann. "In Vorbereitung eines autonomen Betriebes waren dies die ersten technischen Tests der Lokalisierung des Roboters per Satellitennavigation im Bäumelabyrinth des Amazonas sowie der Qualität der Tiefenmessung", sagt Sebastian Zug von der Professur für Softwaretechnologie und Robotik.

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Zudem stelle das feuchtwarme Klima eigene Anforderungen an die Installation und die Elektronik des Systems. Künftig soll der Messroboter auch unter herausfordernden Bedingungen selbstständig unterwegs sein und Daten entweder in der Fläche oder an bestimmten Punkten erfassen.

MDR (al)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 15. Februar 2022 | 11:30 Uhr

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