Freiberg, Döbeln, Mittweida Neuer Landrat in Mittelsachsen: Dirk Neubauer will die Regionen stärken

Der parteilose Dirk Neubauer ist der neue Landrat des Landkreises Mittelsachsen. Er sagt, er wolle die Menschen stärker in die Gestaltung von Politik einbeziehen. Wie er sich das vorstellt, erklärte er im Interview.

ehemalige Porzellanfabrik, heute Landratsamt in Freiberg
Ehemalige Porzellanfabrik: Das Landratsamt des Kreises Mittelsachsen in Freiberg Bildrechte: IMAGO / Hanke

Der neue Landrat von Mittelsachsen, Dirk Neubauer, will die Regionen in seinem Landkreis stärken. Der parteilose Politiker sagte MDR AKTUELL, der Landkreis Mittelsachsen sei ein Zwangsgebilde. Es gebe Unterschiede zwischen Freiberg, Döbeln oder Mittweida – etwa wie man denke und welche Ziele man verfolge. Die "historisch gewachsenen Strukturen" müsse man wieder mit Leben füllen. Wenn die Regionen sich selbständig entwickeln könnten, stärke das den Kreis. Man müsse ein Landkreis der Regionen werden, anstatt eine "künstliche Identität darüber zu legen".

Menschen fühlten sich im Landkreis "verloren"

Neubauer betonte, er habe im Wahlkampf häufig die Klage gehört, dass die Menschen sich in dem Gebilde Landkreis "verloren fühlen". Sie könnten diesen großen Raum nicht fassen und wüssten nicht, "wo sie sich hinwenden können". "Das übersteigt den Begriff von Heimat", sagte Neubauer.

Der neugewählte Landrat kündigte Regionalkonferenzen in den ehemaligen Kreisen Freiberg, Döbeln und Mittweida an. Kommunen und Bürger sollten mit am Tisch sitzen. Er wolle mit ihnen darüber reden, was in der Region gerade das Wichtigste sei und was als Erstes getan werden müsse. Zudem will Neubauer mit dem Kreistag "wandern" – die Sitzungen also an unterschiedlichen Orten durchführen. Das sei ein Angebot an die Menschen, dass man in ihre Nähe komme.

Neubauer will ermöglichen

Neubauer zeigte sich überzeugt, dass die Bereitschaft, sich zu engagieren, in der Bevölkerung groß ist: "Es gibt im Kreis ganz viele Leute, die was machen wollen." Doch fehlten oft die Möglichkeiten. Die Politik müsse davon wegkommen, sich um alles kümmern zu wollen. Vielmehr müsse man "Dinge möglich machen". Man müsse den Leuten ein Feld geben, "das sie dann selbst beackern".

Neubauer hatte sich bei der Landratswahl am Sonntag gegen Bewerber von CDU und AfD durchgesetzt. Er ist der erste Landrat in Sachsen seit 2015, der nicht der CDU angehört.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juli 2022 | 06:00 Uhr

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