Sonderschau zum Berggeschrey Freiberg oder Dippoldiswalde – wo begann der Silberbergbau?

In Sachsens Bergbaugeschichte sticht eine Jahreszahl besonders hervor: 1168 stießen Kaufleute bei Christiansdorf, dem heutigen Freiberg, auf Silber. Durch diesen Fund wurde das große Berggeschrey ausgelöst, das die Stadt und das Erzgebirge über Jahrhunderte prägte. Allerdings gibt es neue Hinweise, dass der Silberbergbau im Freistaat möglicherweise woanders begann – im 30 Kilometer östlich gelegenen Dippoldiswalde.

Im Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum wird am Sonnabend eine neue Sonderschau eröffnet. Unter dem Titel "Silberrausch und Berggeschrey – Archäologie des mittelalterlichen Bergbaus in Sachsen und Böhmen" werden die Ursprünge des Silberbergbaus beleuchtet. Die Wanderausstellung ist bis 11. Juni zu sehen.

Spektakuläre Grubenfunde

In der Ausstellung sind mehr als 150 Exponate zu sehen. Unter anderem wird dargestellt, wie das Leben in der mittelalterlichen Bergstadt Freiberg aussah. Kern der Schau sind jedoch einzigartige Holzfunde aus mittelalterlichen Silbergruben im Dippoldiswalder Raum. Dazu zählen Haspelteile, Erzmulden, Schaufeln, Kratzen und andere Werkzeuge aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

Die Werkzeuge und Grubenbauteile waren durch Zufall entdeckt worden. Im Jahr 2002 hatte die Flutkatastrophe Silberbergwerke freigespült, die jahrhundertelang unbemerkt unter der Stadt geschlummert hatten. Dabei entdeckten Mitarbeiter des Landesamts für Archäologie in Dresden gut erhaltene und europaweit einzigartige Holzfunde.

Forschung zu Bergbauursprung

Mit den Silbergruben von Dippoldiswalde beschäftigt sich seit 2012 ein deutsch-tschechisches Forschungsprojekt. Erste Ergebnisse werden in der Ausstellung im Stadt- und Bergbaumuseum präsentiert, wie Museumsleiterin Andrea Riedel sagt: "Damit ist nachgewiesen, dass nicht nur in Freiberg ab dem 12. Jahrhundert Bergbau zu finden ist."

Doch muss die Geschichte des Silberbergbaus umgeschrieben werden? Museumschefin Riedel verneint: "Noch gilt: Der allererste Ruf kam aus Freiberg im Jahr 1168. Nach den neuesten Erkenntnissen kommt der Bergbau in Dippoldiswalde sehr nahe heran. Dazu wird demnächst eine Doktorarbeit erscheinen." Allerdings wurde bereits 200 Jahre vor Freiberg am Rammelsberg im Harz Silber abgebaut, wie in der Ausstellung zu erfahren ist.

Quelle: MDR/mv/nk

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN – das Sachsenradio | 23.03.2018 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten

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