Nachwuchsförderung Klingenthal will Wintersport-Campus aufbauen

Zurück in die Zukunft – unter diesem Motto steht ein ehrgeiziges Projekt in Klingenthal im Vogtland. Die Stadt will einen Wintersport-Campus aufbauen und nach eigenen Worten als Nachwuchstrainingszentrum für den nordischen Skisport noch attraktiver werden. Das Konzept sei in Sachsen bisher einmalig und erinnere stark an die zu DDR-Zeiten üblichen Kinder- und Jugend-Sportschulen. Im Sommer könnte es losgehen – vorausgesetzt der Kreistag macht am Donnerstag den Weg dafür frei.

Karl Geiger aus Deutschland in Aktion.
Auf einem Wintersport-Campus sollen Nachwuchssportler in Klingenthal professionellere Bedingungen vorfinden.(Symbolbild) Bildrechte: dpa

Fünf Jahre Planung, Klinken putzen und Konzepte schreiben liegen hinter Klingenthals Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU). Nun hat er das Ziel in Sichtweite: "Wir wollen einen Sportcampus gründen, mit Oberschule und Gymnasium", erzählt er MDR SACHSEN. Man solle trainieren und gleichzeitig eine gute Schulausbildung erhalten können - egal, ob man Oberschüler oder Gymnasiast sei, meint Hennig.

Genehmigungen liegen vor

Der Kreistag muss dafür am Donnerstag der Stadt Klingenthal die Trägerschaft für das bisher kreiseigene Sportgymnasium übertragen. Eine reine Formsache, sagt Hennig. "Wir wollen alles unter einem Dach haben", sagt er. "Das ist etwas ganz Innovatives und auch zukunftsweisend für Sachsen." Genehmigungen vom Kultusministerium für einen sogenannten Schulversuch lägen bereits vor. Nach spätestens zehn Jahren wird dieser dann ausgewertet.

Wir wollen in die Werbung gehen, auch viele Vereine in Sachsen, in ganz Ostdeutschland anschreiben, die zu uns kommen können und damit auch die Eltern wissen, die Schüler sind bei uns sehr gut aufgehoben.

Thomas Hennig Oberbürgermeister von Klingenthal

Schule und Training sollen für die Talente künftig effektiver verzahnt werden. So wie es zum Beispiel Nachwuchszentren für Skisport im bayerischen Oberstdorf oder in Stams in Österreich praktiziert wird, sagt der Ex-Skispringer und heutige Präsident des VSC Klingenthal, Manfred Deckert. Das Projekt erinnere ihn sehr an seine eigene Jugend.

Professionelle Bedingungen für Nachwuchs schaffen

"Wir brauchen professionelle Bedingungen, wie wir sie früher auch schon einmal hatten und die ja auch viele Länder von uns übernommen haben", sagt er. "Dass die jungen Sportler auch immer das Ziel vor Augen haben, nämlich das Sportinternat, das in diesem Campus mit integriert ist."

Manfred Deckert
Ex-Skispringer und heutiger Präsident des VSC Klingenthal, Manfred Deckert, freut sich über die professionellen Bedingungen, die in Klingenthal für die Nachwuchssportler entstehen sollen. Bildrechte: dpa

Deutscher Skiverband will Talente früh binden

Der Deutsche Skiverband (DSV) begrüßt das Konzept aus Klingenthal ebenfalls. Es sei wichtig, die jungen Talente früh mit einem ganzheitlichen Konzept abzuholen, erklärt DSV-Teamchef Horst Hüttel. "Die Erfahrung zeigt, die Kinder, die wir bis zehn nicht haben, die kriegen wir nicht mehr. Dort müssen die Konzepte greifen", sagt er. Mit dem Internat und den Anlagen müsse sich Klingenthal nicht verstecken.

Wintersport-Campus soll im August starten

Mit den im Bau befindlichen fünf neuen Nachwuchsschanzen in Mühlleithen und der Erweiterung der bisherigen Drei-Felder-Turnhalle werden sich auch die Trainingsmöglichkeiten weiter verbessern, sagt Oberbürgermeister Thomas Hennig. Im August soll der neue Wintersport-Campus starten und damit ein neues Kapitel in der langen Wintersport Geschichte von Klingenthal aufgeschlagen werden.

Bundesstützpunkt Klingenthal Seit März 2007 bilden Klingenthal und Oberwiesenthal gemeinsam einen Bundesstützpunkt des Deutschen Skiverbandes (DSV). Der Deutsche Olympische Sportbund hat den Standort Klingenthal mit Gymnasium, Mittelschule, Internat und Bundesstützpunkt zur "Eliteschule des Sports" ernannt.
Bei entsprechenden Leistungen haben Sportler ab einem Alter von 12 Jahren die Möglichkeit, am Bundesstützpunkt aufgenommen zu werden.

MDR (al/bs)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 27. Januar 2022 | 16:30 Uhr

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