Holzspielzeugmacher Karl-Gustav und seine Leidenschaft für Holzfiguren aus dem Erzgebirge

Karl-Gustav Hobler steht an der Drechselbank in der hellen Werkstatt in einem aufwendig restaurierten Fachwerkaus in Grünhainichen im Erzgebirge. Vor dem Haus zieht eine mächtige Rotbuche die Besucher in ihren Bann. In der Werkstatt probiert sich der 18 Jahre alte Karl-Gustav an weicherem Holz aus. Er macht eine Ausbildung zum Holzspielzeugmacher und will die Tradition seiner Heimat am Leben halten.

Karl-Gustav zeigt, wie er ein quadratisches Stück Kantholz rund bekommt. Wenn er das Drechseleisen ansetzt, scheint der junge Mann beinahe eins zu werden mit seinem Werkstück. Deutlich wird, drechseln klappt nur mit viel Gefühl, ruhiger Hand und jeder Menge Geduld. "Zum Üben eignet sich das weiche Fichtenholz besonders", sagt Karl-Gustav. Er spannt sein bearbeitetes Werkstück aus und begutachtet es zusammen mit seinem Vater Dirk Hobler. Dieser hat an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle an der Saale studiert und viele Jahre für große erzgebirgische Kunsthandwerksfirmen gearbeitet.

Viele Figuren sind als Pärchen konzipiert

Im Jahr 2007 gründete Dirk Hobler sein eigenes Unternehmen. Schon Jahre vorher begann er gemeinsam mit seiner Frau Romy eine eigene und vor allem unverwechselbare Figurenserie zu entwickeln. Angefangen habe alles mit einem Engel-Männlein, schnell wurde daraus ein Engel-Pärchen. Überhaupt lassen sich fast alle Figuren zu Pärchen zusammenstellen – getreu dem Motto "Gemeinsam ist das Leben doppelt schön.". Inzwischen beschäftigt Dirk Hobler zwei Mitarbeiterinnen und ist seit diesem Jahr noch der Ausbilder seines jüngsten Sohns Karl-Gustav. Er habe sich freiwillig zur Ausbildung zum Holzspielzeugmacher entschieden, das zu betonen, ist dem Vater wichtig.

Karl-Gustav berichtet, dass er schon als Kind und Jugendlicher gerne in der väterlichen Werkstatt zugeschaut und mitgemacht habe. Er möge das Arbeiten mit Holz, auch die Kreativität beim Entwickeln neuer Figuren. So habe er als Kind beispielsweise immer gerne gezeichnet. Mit seinen zwei Geschwistern hat Karl-Gustav regelmäßig die sogenannte Ausschusskiste geplündert. Die Kinder durften aus den Teilen, die für das Hobler-Sortiment nicht perfekt genug waren, eigene Figuren basteln und dabei ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Kinder durften eigene Ideen einbringen

"Wir haben auch eigene Ideen fürs Sortiment eingebracht", sagt Karl-Gustav. Er holt nebenan im kleinen Verkaufsraum ein Kaninchen mit buntem Kinder-Windrad aus dem Regal. "Das war zum Beispiel meine Idee." Das Grundsortiment der Hoblers besteht aus dem Engels-Pärchen Hans und Lotte, den Kaninchen Max und Emma, den Schneemännern Fritz und Otto und dem Teufelchen Gustav. Eigentlich seien die Figuren nicht nur für Weihnachten oder – im Falle der Kaninchen – für Ostern gedacht, sagt ihr Erfinder Dirk Hobler. Sie wirken im Vergleich zu vielen traditionellen Erzgebirgsfiguren modern, vor allem frisch, fröhlich, liebenswürdig und mitunter ein wenig frech und können nach Ansicht ihrer Macher ganzjährig für gute Laune sorgen.

So golfen Max und Emma schon mal, während Fritz und Otto sich beim Holzhacken oder –sägen verausgaben. Das Teufelchen Gustav darf die E-Gitarre quälen, skatboarden oder am Laptop daddeln. Und natürlich gibt es auch Hans und Lotte in vielerlei Variationen – besonders viele für Romantiker. Zwischen 80 und mehr als 100 Arbeitsgängen seien je nach Ausstattung nötig, bevor eine Figur fertig ist, erklärt Dirk Hobler. Ein Großteil der Kundschaft seien Sammler, die sich immer wieder an den Engelchen, Teufelchen, Schneemänner oder Kaninchen erfreuen.

Familie wird im Erzgebirge heimisch

Firmengründer Dirk Hobler schätzt deshalb besonders kleine Handwerker-Weihnachtsmärkte, um dort direkt mit den Kundinnen und Kunden ins Gespräch zu kommen und dabei auch neue Ideen zu sammeln. Nach Grünhainichen – überregional insbesondere wegen der Hersteller Blank sowie Wendt & Kühn als "Dorf der Engel" bekannt – kämen hingegen weit weniger Besucher als beispielsweise ins Spielzeugmacherdorf Seiffen, bedauert er.

Karl-Gustav sagt, es mache ihm Spaß, dass jahrhundertealte Handwerk zu erlernen und "in die Zukunft zu tragen". Dabei entstammen die Hoblers gar keiner alteingesessenen erzgebirgischen Spielzeugmacherfamilie. Dirk Hobler kommt aus Herzberg an der Elster, seine Frau Romy wuchs in Chemnitz auf. Allerdings gibt es dennoch eine Familientradition: So hat Dirk Hoblers Urgroßvater Willi Tennstedt ab 1928 in Freyburg an der Unstrut Puppenstuben, Kaufmannsläden und Spielzeugkarusselle für Kinder entworfen und hergestellt, dessen Sohn setzte die Tradition nach dem Krieg fort. Dirk Hobler kam 1997 ins Erzgebirge und wurde hier mit seiner Familie heimisch.

Verbundausbildung Jedes Jahr erhalten Lehrlinge in der Verbundausbildung Holzspielzeugmacher des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller in der Holzspielzeugmacher- und
Drechslerschule Seiffen wesentliche Teile ihrer praktischen Ausbildung. Die Ausbildung erfolgt im dualen System der Berufsausbildung, d.h. die Lehrlinge werden in Betrieben der Branche eingestellt und von diesen zur Verbundausbildung geschickt. Der Schwerpunkt der Verbundausbildung liegt im ersten und zweiten Lehrjahr, während im dritten Ausbildungsjahr die Lehrlinge überwiegend im Betrieb an ihren zukünftigen Arbeitsplatz sind.

Die Verbundausbildung gibt es seit 1995. Seither wurden 371 junge Leute ausgebildet. Aktuell erlernen 27 Azubis in der Verbundausbildung den Beruf des Holzspielzeugmachers, fünf außerhalb der Verbundausbildung. Weiter zehn Azubis erlernen den Beruf des Drechslers. Aktuell beteiligen sich 14 Firmen aus der Region an der Verbundausbildung. Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst: Seiffen – Generationswechsel im Weihnachtsdorf | 07. Dezember 2021 | 21:00 Uhr

Mehr aus Zschopau

Mehr aus Sachsen