Zwickau Auto-Branche verlangt mehr Tempo bei Ausbau von Ladenetz und 5G

Der Internationale Automobilkongress in Zwickau steht im Zeichen der Krise. Durch Corona und dem Halbleitermangel ist der Absatz deutlich geschrumpft. Die Autobranche verlangt mehr Einsatz von der neuen Bundesregierung beim Ausbau der Infrastruktur, um Klimaneutralität zu erreichen. Die Branche selbst will sich bei den Rohstoffen weniger abhängig machen vom Ausland.

Ein Elektroauto vom Typ Renault Zoe wird an einer Ladesäule in Cottbus (Brandenburg) aufgeladen.
Ladesäulen sind derzeit noch nicht überall verfügbar. Bildrechte: dpa

Die deutsche Automobilbranche hat von der künftigen Bundesregierung deutlich mehr Tempo beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos und eine Digitalisierungsoffensive verlangt. Dazu brauche es ein flächendeckendes 5G-Netz, sagte Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer Politik und Gesellschaft beim Verband der Automobilindustrie (VDA), auf dem Internationalen Automobilkongress in Zwickau.

"Klimaneutraler Verkehr ist auch unsere Vision als Automobilindustrie", sagte Scheel. Dazu gehöre Klimaneutralität in der gesamten Wertschöpfungskette. Der Verbrennungsmotor werde allerdings noch lange Zeit eine Rolle spielen, sagte der VDA-Geschäftsführer und sprach sich gegen ein Verbot aus.

Halbleitermangel bis nächstes Jahr

Das Fehlen von Computerchips bremse die Erholung der Branche nach der Corona-Krise im vergangenen Jahr aus, meinte Scheel. 2020 war die Autoproduktion in Deutschland um ein Viertel auf 3,5 Millionen Fahrzeuge gesunken - das geringste Produktionsniveau seit der Ölkrise Mitte der 1970er Jahre. Dieses Jahr wird ein Rückgang von weiteren 18 Prozent erwartet. Mit einer Normalisierung bei den Halbleiterlieferungen sei erst 2022 zu rechnen, sagte Scheel. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, Dieter Pfortner, sprach von einem sich noch immer zuspitzenden Problem.

Klimaschutz werde nicht ausschließlich durch Elektromobilität erreicht, sagte er und verwies auf die Bedeutung synthetischer Kraftstoffe. Um den Wandel in der Automobilwirtschaft zu meistern, brauche es tiefgreifende Partnerschaften: "Produktion in Partnerschaft ist das Gebot der Stunde."

Interesse an Rohstofflagerstätten in der Lausitz

Die Autoindustrie sei bei Rohstoffen für Autobatterien wie Kobalt, Kupfer, Nickel und seltenen Erden abhängig vom Ausland, warnte der Vorstandschef des schwedischen Unternehmens Eurobattery Minerals, Roberto García Martínez. Zudem würden die Rohstoffe dort oft unter fragwürdigen ethischen und ökologischen Bedingungen gefördert. Sein Unternehmen habe deshalb die Kupfergewinnung in der Lausitz ins Auge gefasst. Der Boom der Rohstoffpreise mache diese Vorkommen interessant. Hinzu komme, dass bei den Herstellern das Interesse an Batterie-Mineralien wachse, die nachhaltig gefördert wurden.

Eurobattery Minerals ist nicht das einzige Unternehmen, das hiesige Rohstoffe im Blick hat. Erst jüngst hatte die Deutsche Lithium angekündigt, im Osterzgebirge 2025 den Abbau von Lithium aufnehmen zu wollen. Das Vorkommen in der Region Zinnwald wird auf rund 125.000 Tonnen geschätzt.

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Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 13. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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