Oldtimer-Treffen Historische Lkw sorgen für "Mega-Stau" in Werdau

Die Sperrung der Weststraße in Werdau hat nichts mit einer Baustelle zu tun. Einmal im Jahr blockieren historische Lkw die Straße beim IFA-Oldtimertreffen. Tausende Besucher lassen sich diesen Stau nicht entgehen.

Ein Trabant fährt zwischen geparkten Oldtimer-LKW´s und Fußgängern auf einer abgesperrten Straße.
So schön kann ein Stau sein... Oldtimer trifft Oldtimer und begeisterte Besucher. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Nichts geht mehr am Wochenende auf der Weststraße in Werdau. Der 500 Meter lange Stau sorgt jedoch ein ganzes Wochenende für ausgelassene Stimmung von tausenden Frauen, Männern und Kindern auf der sonst viel befahrenen Straße. Schließlich ist keine Baustelle der Grund für den Mega-Stau, sondern das 23. IFA Oldtimertreffen. IFA, das war der Industrieverband Fahrzeugbau, ein Zusammenschluss von Unternehmen des Fahrzeugbaus in der DDR. 

Nach zwei Jahren Zwangsunterbrechung durch Corona rechnet Markus Döscher, Museumsdirektor des Stadt- und Dampfmaschinenmuseums Werdau, mit 10.000 Oldtimer-Interessierten. "Nach zwei Jahren Unterbrechung sind die Besucher einfach ausgehungert. Sie wollen wieder etwas erleben."

Markus Döscher, Museumsdirektor des Stadt- und Dampfmaschinenmuseums Werdau.
Markus Döscher, Museumsdirektor des Stadt- und Dampfmaschinenmuseums Werdau, ist mit der Organisation seines ersten Oldtimertreffens zufrieden. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Für Döscher ist es das erste Oldtimertreffen in Werdau, das er organisiert. "Ich bin zwar seit 2020 Chef des Museums, aber Corona hat ja solche Veranstaltungen verhindert", sagt er. "Ich konnte zwei Jahre Trockenübungen machen", fügt er lachend hinzu. Auch die Oldtimersammler hätten es kaum erwarten können. "In diesem Jahr sind wieder 418 angemeldete Fahrzeuge nach Werdau gekommen."

Schauen, Staunen, Fachsimpeln zwischen W50 und H6B

Ein Oldtimer-LKW W50 mit der Aufschrift VEB Kraftverkehr Eisenach.
Auch die etwas jüngeren Oldtimer - wie dieser W50 - waren zu bestaunen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Im dichten Gedränge zwischen den aufgereihten Oldtimern müssen sich die Werdauer Besucherinnen und Besucher, aber auch Gäste von weither, einen Weg bahnen, um die Schmuckstücke aus der Nähe betrachten zu können. Zwischdurch ist immer wieder Zeit für ein Schwätzchen. Der Satz "Auf dem bin ich auch gefahren", ist immer wieder zu hören. Oder: "Bei der Lenkung sparst du dir jedes Fittnessstudio!"

Kraftfahrer-Latein, denn viele der Besucher waren früher selbst mit einem H6, einem S4000 oder als Busfahrer auf einem H6B auf Tour. Wer das spezielle Gefühl noch einmal nachempfinden will, kann das bei einer Rundfahrt tun.

Die Halleschen Straßenbahnfreunde sind mit einem H6B samt Personenanhänger nach Werdau gekommen und nehmen begeisterte Fahrgäste mit. Auch der Bus kommt nur im Schritttempo voran. "Besser schlecht gefahren, als gut gelaufen", ruft ein Fahrgast beim Einsteigen. "So hat man einen schönen Überblick." An der Endhaltestelle sind Stände mit Rostbratwurst, Getränken und Eis aufgebaut - inklusive Extra-Stau und langer Warteschlange. Aber das kennen die "gelernten DDR-Bürger" ja auch noch.

Ein historischer Autobus H6B steht mit Fahrgästen auf einer Straße, daneben Fußgänger.
"Einsteigen bitte!" Mit einem H6B samt Anhänger konnten sich die Besucherinnen und Besucher über das Festgelände fahren lassen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Nicht zu einhundert Prozent original, aber umso authentischer

Gleich fünf historische Lkw hat Uwe Ludwig, Transportunternehmer aus Sandersdorf-Brehna bei Bitterfeld, am Straßenrand in Werdau "geparkt". Sie glänzen in der Sonne und zeigen nur an ganz wenigen Stellen historische Patina. "Aber einen Preis für Originalität unserer Fahrzeuge erhalten wir nie", lacht Ludwig. "Sie sind schließlich in unserem Familienbetrieb bis zur Wende gelaufen".

Wie wichtig meinem Vater die Fahrzeuge waren, sieht man daran, dass er zu meiner Hochzeit 1998 nur bis zum Kaffeetrinken geblieben ist. Dann musste er los - zum Oldtimertreffen nach Werdau.

Uwe Ludwig Transportunternehmer mit Oldtimer-Sammlung

Sein Vater, der sich 1952 mit dem Fuhrunternehmen selbstständig gemacht habe, habe alles reparieren, anpassen und verbessern können, was möglich war. "Er hat auch Karosserie und Bleche versiegelt, weil die Fahrzeuge ja ein Leben lang halten mussten." Nun gehören die zehn historischen Lkw, die Ludwig besitzt, zur Familie. "Wie wichtig meinem Vater die Fahrzeuge waren, sieht man daran, dass er zu meiner Hochzeit 1998 nur bis zum Kaffeetrinken geblieben ist. Dann musste er los - zum Oldtimertreffen nach Werdau", lacht Ludwig.

Das sei kein Grund für Ärger gewesen, ganz im Gegenteil. "Ich halte sein Andenken in Ehren." Keines der Fahrzeuge werde verkauft, sie blieben alle fahrtüchtig. Das Oldtimertreffen in Werdau stehe immer in seinem Terminkalender. Seine Kinder habe er davon auch schon überzeugt. Ludwig kommt ins Schwärmen: "Unsere Firma hatte auch die stärkste Zugmaschine der DDR." Sein Vater habe einem seiner Lkw einen Schiffsdiesel eingepflanzt. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Uwe Ludwig, Fuhrunternehmer und Oldtimersammler, vor einem seiner Oldtimer LKW H6
Fuhrunternehmer Uwe Ludwig hat auf diesem Fahrzeug seine Fahrschulstunden absolviert. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Fahrzeugkorso am Sonntag

Anders als bei normalen Sperrungen steht in Werdau ein Ende des Staus bereits fest. Am Sonntag rollen die historischen Fahrzeuge 13 Uhr bei einem Fahrzeugkorso durch die Stadt. Dann wird sich der Stau auch auf der Weststraße langsam auflösen. Im nächsten Frühjahr sollen wieder hunderte historische Lkw nach Werdau rollen.

Ein Oldtimer-LKW W50 steht neben seinem Vorgänger, einem LKW  S 4.000.
Noch bis zum Sonntag sind in Werdau die automobilen Zeugen der DDR-Fahrzeuggeschichte zu bewundern. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 06. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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