Protest Kinderklinik am DRK-Krankenhaus Lichtenstein vor dem Aus?

In der Corona-Krise wurde deutlich, was schon lange schwelte. Die Krankenhäuser in Sachsen leiden unter Personalmangel. Klinikschließungen können eine Folge sein. So nämlich in Lichtenstein. Gegen den Plan, die dortige Kinderklinik zu schließen, gibt es Widerstand von Eltern und Ärzten. Das Sozialministerium verweist auf sinkende Patientenzahlen.

Schild Frauenklinik / Kinderklinik vor Gebäude.
Nach dem Willen des DRK als Träger des Krankenhauses in Lichtenstein soll die Kinderklinik im kommenden Jahr geschlossen und durch eine Tagesklinik ersetzt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Krankenhaus Lichtenstein, das vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betrieben wird, will seine vollstationäre Kinderklinik im kommenden Frühjahr in eine Tagesklinik umwandeln. Aus der derzeit möglichen Rundumversorgung für Kinder würde dann eine Versorgung mit weniger als zehn Stunden am Tag. Als Grund gibt die Klinikleitung eine zu dünne Personaldecke an. In einer schriftlichen Antwort auf eine MDR-Anfrage teilt das DRK mit:

Zur Verbesserung der Personalsituation im ärztlichen Dienst laufen seit dem Jahr 2018 Dauerausschreibungen für Assistenz-, Fach- und Oberarztstellen über diverse Kanäle und Medien. Seit dem 01.01.2017 konnten wir von den insgesamt lediglich vier Bewerberinnen und Bewerbern drei für unser Haus gewinnen, eine Kandidatin entschied sich aus persönlichen Gründen gegen den Antritt der angebotenen Stelle.

Presseerklärung des Deutschen Roten Kreuzes vom 12. Oktober 2021

In der gleichen Mitteilung verweist das DRK darauf, dass die Krankenhäuser der Region mit Kinderkliniken oder -stationen von Lichtenstein aus schnell zu erreichen wären: DRK Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein (Entfernung 24 km, Fahrzeit 25 Minuten), Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau (15 km, 20 Minuten), Rudolf Virchow Klinikum Glauchau (13 km, 20 Minuten), Helios-Klinikum Aue-Bad Schlema (24 km, 30 Minuten), Pleißental-Klinik Werdau (25 km, 35 Minuten) und Klinikum Chemnitz (26 km, 35 Minuten).

Eltern loben kurze Wege und gute Betreuung

Betroffene Eltern, die mit ihren Kindern oftmals häufig in die Lichtensteiner Kinderklinik kommen müssen, sehen die Planungen mit Sorge. Die Eltern des achtjährigen Ewen benötigen nur Zehn Minuten von ihrem Wohnort im erzgebirgischen Oelsnitz bis in die Kinderklinik nach Lichtenstein. Regelmäßig muss der schwerstbehinderte Junge dort behandelt werden. Bei plötzlicher Atemnot oder Fieberkrämpfen muss es dann ganz schnell gehen, sagt seine Mutter Stefanie Wittig. "Wir hatten Situationen, da mussten wir den Rettungswagen rufen. Der Rettungswagen kam, doch der Notarzt kam einfach viel später." Nach solchen Erfahrungen seien sie lieber gleich los gefahren ins Krankenhaus. "Dort sind wir sofort aufgenommen worden."

Eine Frau mit einem Kind im Arm sitzt auf einem Sofa (Stefanie Wittig mit Sohn Ewen).
Stefanie Wittig hat ihren Sohn Ewen schon oft ins nahegelegene Krankenhaus nach Lichtenstein bringen müssen. Für sie sind kurze Wege entscheidend. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Chefarzt der Kinderklinik würde weiterarbeiten

Auf Anfrage von MDR SACHSEN versicherte der Chefarzt der Kinderklinik, Harry Sirb, der eigentlich Anfang 2022 in den Ruhestand gehen könnte, dass er auch nach dem Eintritt ins Rentenalter für seine Patienten da sei. Er würde so lange weiterarbeiten, bis eine endgültige Lösung gefunden sei.

Petitionen fordern Erhalt der Kinderklinik

Kinderärztin aus Wildenfels richtet Petition an Ministerpräsidenten

Die niedergelassene Kinderärztin Sigrid Perschke aus Wildenfels praktiziert mit 74 Jahren immer noch. Die Schließungspläne bewegen auch sie. Daher hat sie eine Petition an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer adressiert. Darin verweist sie auf die ständig rückläufige Zahl von Kinderärzten im Landkreis Zwickau. "Die Eltern der kleinen Patienten sind in großer Sorge um die zukünftige ärztliche Versorgung im stationären Bereich." Bisher sei es Tag und Nacht möglich gewesen, in schwierigen Fällen Kinder in die Kinderklinik Lichtenstein einzuweisen. Auch die Notaufnahme der Kinderklinik habe eine qualifizierte Hilfe außerhalb der Sprechstundenzeiten der ambulant tätigen Kinderärzte zu geleistet. Ihre Petition hat innerhalb weniger Tage bereits mehr als 24.000 Unterstützer bekommen.

Auch eine betroffene Mutter startet Petition

Die sächsische Sozialministerin Petra Köpping ist die Adressatin einer weiteren Petition, die eine betroffene Mutter ins Leben gerufen hat. Loreen Pöcker, Mutter eines chronisch kranken Kindes, lobt die fachliche Kompetenz und menschliche Wärme des geamten Teams der Kinderklinik. Sie fordert vom Sozialministerium eine Klärung der finanziellen Situation des DRK-Krankenhauses in Lichtenstein, um der drohenden Schließung entgegenzuwirken. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass in Lichtenstein in den vergangenen Jahren zahlreiche Kinderärzte erfolgreich ausgebildet worden seien, die jetzt in Kinderarztpraxen in der Umgebung die Versorgung der Kinder übernommen hätten. Auch als professionelles Lehrkrankenhaus würde die Einrichtung demnach fehlen. Auch Loreen Pöcker hat bereits mehr als 1.400 Unterstützer.

Bürgermeister von Lichtenstein hofft auf Erhalt

Als Krankenhausgesellschafterin versucht die Stadt Lichtenstein, die Klinikschließung zu verhindern. Der Bürgermeister von Lichtenstein, Thomas Nordheim (Freie Wähler), sagt, eine Kinderklinik sei wichtig, um junge Menschen in den ländlichen Raum zu locken. "Es gibt sehr viele, die sich da mittlerweile engagieren: Lokalpolitiker und Bundespolitiker." Es wäre wünschenswert, wenn da nicht nur Petitionen mit 20.000 Unterschriften zustande kämen, sondern wenn drei Ärzte gewonnen werden könnten.

Ein Mann sitzt vor einem Aktenschrank an einem Tisch (Thomas Nordheim, Bürgermeister von Lichtenstein).
Der Bürgermeister von Lichtenstein, Thomas Nordheim, hofft, dass die Kinderklinik erhalten werden kann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sozialministerium verweist auf sinkende Patientenzahlen

Im Sächsischen Sozialministerium (SMS) sieht man die Schließungspläne weniger dramatisch. Auf MDR-Anfrage teilte das Ministerium mit, dass es sich nicht um eine Schließung, sondern um eine Umwandlung in eine Tagesklinik handele. Weiter heißt es: "Es finden zwischen dem Sozialministerium und der Geschäftsführung Abstimmungen dazu statt. Vor einer Entscheidung des SMS muss außerdem der Krankenhausplanungsausschuss einbezogen werden. Die Gründe für die beabsichtigte strukturelle Änderung erscheinen jedoch plausibel." Demnach gebe es rückläufige Fallzahlen in der Kinder- und Jugendmedizin, wobei sich dieser Trend aufgrund der demografischen Entwicklung fortsetzen werde. "Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der eine Versorgung rund um die Uhr erschwert. Wir verweisen abschließend darauf, dass es sich um einen laufenden Prozess handelt, der noch nicht abgeschlossen ist."

Luftaufnahme von einem Krankenhaus mit mehreren verbundenen Gebäudeteilen am Rande der Kleinstadt Lichtenstein.
Noch ist keine endgültige Entscheidung darüber gefallen, ob die Kinderklinik am Lichtensteiner Krankenhaus geschlossen wird. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/tfr/mur

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 15. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/1f09ed40-9408-4c71-83aa-7959b5eee0da was not found on this server.

Mehr aus Zwickau, Altenburg und Greiz

Mehr aus Sachsen