Corona Sächsische Ärztekammer verurteilt Angriffe auf Impfärzte

Kritiker der Corona-Schutzimpfung in Sachsen schlagen immer schärfere Töne an. In einem Telegram-Kanal einer rechtsextremen Kleinstpartei wurde jetzt ein Mitglied der Impfkommission persönlich bedroht und sein Bild veröffentlich. Die Ländesärztekammer ist bestürzt.

Ein Mann mit Brille sitzt in einem Bürostuhl.
Erik Bodendieck ist der Präsident der Sächsischen Ärztekammer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Landesärztekammer Sachsen hat verbale und tätliche Angriffe auf Impfärzte und Mitglieder der Sächsischen Impfkommission (Siko) scharf verurteilt. Kammerpräsident Erik Bodendieck erklärte am Freitag:

Es ist unfassbar, dass ausgerechnet die Menschen in der Bevölkerung, die sich durch den Staat gegängelt und unterdrückt fühlen, die behaupten, ihre Meinung nicht frei äußern zu können, zu solchen aggressiven Mitteln greifen.

Erik Bodendiek Präsident der Sächsischen Ärztekammer

Ärztekammer will Betroffene unterstützen

Weder Staat noch Impfanhänger, weder Wissenschaftler noch Ärzte, weder Pflegepersonal noch Polizei hätten jemals zur Androhung von körperlicher Gewalt gegriffen, um für die Impfung zu werben. Gewalt oder der Aufruf zur Gewalt dürfe in der Gesellschaft keinen Platz finden, betonte Bodendieck und sicherte betroffenen Medizinern die volle Unterstützung der Ärztekammer zu.

Telegram-Meldung über "Arzt des Todes"

Anlass für das Statement war eine inzwischen gelöschte Nachricht auf einem Telegram-Kanal der Partei "Freie Sachsen". Die Partei wird vom sächsischen Verfassungsschutz als rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Bestrebung eingestuft. In der Telegram-Meldung wird ein Mitglied der Siko als "Arzt des Todes" bezeichnet, der für das "widerliche" Impfen von Kindern gegen das Coronavirus seine gerechte Strafe bekommen werde. Dazu wurde ein Foto des Arztes aus Görlitz veröffentlicht. Darauf ist der Görlitzer Mediziner Hans-Christian Gottschalk zu sehen, der lange Zeit die Görlitzer Kinderklinik geleitet hat.

Weitere Mitglieder der Impfkommission verunglimpft

Wie die Landesärztekammer auf Anfrage von MDR SACHSEN erklärte, sind auch andere Siko-Mitglieder verunglimpft worden und haben in den vergangenen Monaten dutzende Drohschreiben erhalten - vor allem Kommissionschef Thomas Grünewald. Grünewald habe ebenso wie der Arzt aus Görlitz Anzeige erstattet. Der Staatsschutz ermittle. Die Landesärztekammer verwies auch auf zahlreiche tätliche Angriffe auf das Personal in den seit gestern geschlossenen sächsischen Impfzentren. Besonders Löbau sei betroffen gewesen.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 01. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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