Corona-Pandemie Biontech-Lieferungen für sächsische Hausärzte offenbar halbiert

Der Bund hat die Menge des für Sachsen vorgesehenen Corona-Impfstoffs von Biontech nochmals gekürzt. Kommende Woche soll jeder niedergelassene Arzt nur 24 Biontech-Impfdosen erhalten. Sozialministerin Köpping ist alarmiert und spricht von einem fatalen Signal für die Impfkampagne, die Kassenärtliche Vereinigung kann ihre selbst gesteckten Ziele nicht mehr erreichen. Doch nicht alle Ärzte sind von der Begrenzung betroffen. Auch die mobilen DRK-Impfteams können kommende Woche wie geplant arbeiten.

Eine Frau zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech auf
Der Impfstoff der Firma Biontech/Pfizer gilt bei vielen Menschen als der Goldstandard bei den Corona-Vakzinen. Nun wird dieser Impfstoff knapp in Sachsen. Doch es gibt Alternativen. Bildrechte: dpa

Hausärzte in Sachsen werden in der nächsten Woche nur die Hälfte der von ihnen bestellten Impfstoffe von Biontech/Pfizer erhalten. Das sagte der Vorstand des Sächsischen Apothekerverbandes, Sebastian Michael MDR SACHSEN. "Am Dienstag durfte jeder Arzt 48 Dosen Biontech bestellen, in der Lieferbestätigung vom Donnerstag sind diese auf die Hälfte gekürzt worden". Ein Grund für die erneute Kürzung sei vom Bundesgesundheitsministerium nicht genannt worden.

Ersatz durch Moderna-Impfstoff zunächst nicht möglich

Der Moderna-Impfstoff ist aber aktuell nicht von der Begrenzung betroffen. Sofern die Hausärzte diesen Impfstoff bestellt hätten, würden sie diesen in vollem Umfang bekommen. Nachträglich könne die Lücke aber nicht ausgeglichen werden, weil die Bestellfrist für diese Woche bereits abgelaufen sei. Michael kritisierte, das Bundesgesundheitsministerium schade mit dieser Aktion der Impfkampagne.

Die Arztpraxen bekommen am Ende den meisten Ärger und die meiste Arbeit. Die müssen, nachdem sie die Patienten einbestellt haben, einen Teil davon wieder abbestellen.

Sebastian Michael Vorstand des Apothekerverbands Sachsen

Unbegründete Skepsis gegen Moderna-Impfstoff

Gegen Moderna gebe es auch Vorbehalte, weshalb manche Arztpraxen den Impfstoff nicht bestellen würden. "Sicher ist die Geschichte vom Verfall bedrohten Impfstoff nicht geeignet gewesen, die Leute zu begeistern, diesen Impfstoff zu nehmen", sagte Michael. Dabei schütze Moderna mindestens so gut wie Biontech. "Es hat sich sogar in kleineren Studien gezeigt, dass der Wechsel des Impfstoffs bei der Boosterung von Biontech zu Moderna einen nachhaltigeren Effekt bei der Aktivierung des Immunsystems hat."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte die Bestellmenge für den Biontech-Impfstoff erst kürzlich begrenzt und dies auch mit dem drohenden Verfall von Moderna-Impfstoff begründet. Nach Kritik an der Begrenzung teilte sein Ministerium mit, dass es trotzdem genug Corona-Impfstoff für alle gebe. Bis Jahresende stünden 50 Millionen mRNA-Dosen zur Verfügung. Konkret könnten rund 24 Millionen Dosen von Biontech und 26 Millionen Dosen von Moderna verimpft werden.

Köpping: Impfstoffmangel katastrophales Signal

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping bezeichnete die erneute Biontech-Begrenzung in den Hausarzt-Praxen als katastrophales Signal. Die SPD-Politikerin sagte MDR SACHSEN, dies behindere die Impfkampagne. "Die Gesundheitsministerkonferenz hat den Bund bereits dringlich aufgefordert, die Kontingentierung schnellstmöglich zu beenden." Es werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet.

KV Sachsen: Impfziele nicht mehr erreichbar

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Klaus Heckemann befürchtet, dass nun noch weniger Ärztinnen und Ärzte bereit sind, bei der Impfkampagne mitzumachen. Bis Donnerstag seien in den Arztpraxen gut 100.000 Menschen in dieser Woche geimpft worden. "Meine realistische Prognose war, dass wir bald 200.000 Impfungen pro Woche schaffen. Das wird jetzt nicht mehr funktionieren", sagte Heckemann MDR SACHSEN. "Hier hat uns die Bundespolitik derart reingegrätscht, dass ich jeden Arzt verstehe, der sagt: 'Ich impfe nicht mehr.'" Heckemann forderte die Bundesregierung auf, "endlich zu handeln" und ausreichende Impfstoffmengen von Biontech heranzuschaffen: "Da der Firmensitz in Deutschland ist, sollte dies möglich sein!" Bundesweit fehlen laut Heckemann rund zwei Millionen Biontech-Impfdosen.

Nicht alle Praxen betroffen - auch DRK-Impfstellen im Plan

Doch nicht alle Arztpraxen in Sachsen sind von der erneuten Rationierung betroffen. Wie der Dresdner Allgemeinmediziner Michael Oeser MDR SACHSEN sagte, seien die knapp 200 Biontech-Dosen für seine Praxis, die er mit drei weiteren Ärztinnen und Ärzten betreibt, für die kommende Woche weiterhin zugesagt. Dies habe eine Nachfrage bei der zuständigen Apotheke ergeben.

Auch die Impfteams des DRK Sachsen können in der kommenden Woche ihre Termine einhalten. Sprecher Kai Kranich sagte MDR SACHSEN, nach jetzigem Zeitplan seien alle etwa 6.000 geplanten Impfungen pro Tag durchführbar. Es sei aber nicht bei den Hausärzten zugunsten der Impfstellen gekürzt worden, wie teilweise von Apotheken behauptet werde. Dass das DRK nicht von der erneuten Impfstoff-Begrenzung betroffen sei, hänge vor allem mit der "breit aufgestellten Logistik" im Landesverband zusammen.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 26. November 2021 | 12:00 Uhr

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