Leichte Symptome Corona bestimmt den Alltag in Sachsens Hausarztpraxen

Corona ist nicht vorbei. Das bestätigen Sachsens Hausärzte. Viele Menschen kommen mit Erkältungssymptomen, bei der Hälfte der Getesteten wird Corona nachgewiesen. Die Krankheitsverläufe sind aber in aller Regel mild. Impfungen werden in Sachsen nur Menschen über 70 Jahren und Risikogruppen empfohlen.

Eine Patientin wird in einer Hausarztpraxis gegen Corona geimpft
Viele Erkältungskrankheiten entpuppen sich als Corona-Infektion. Besonders Senioren und Risikogruppen wird deshalb eine vierte Impfung empfohlen. Bildrechte: imago images/Wilhelm Mierendorf

In Sachsens Arztpraxen ist die Infektion mit Covid-19 täglich präsent. Viele kämen derzeit mit Erkältungssymptomen in die Arztpraxis, sagt Hausärztin Uta Katharina Schmidt-Göhrich aus Dresden. Mindestens die Hälfte der Getesteten würde positiv auf das Virus getestet. Betroffen seien Menschen aus allen Altersgruppen.

Tatsächlich erwischt es doch sehr viele, altersmäßig nach meiner Erfahrung bunt gemischt, Erwachsene aus allen Altersgruppen.

Uta Katharina Schmidt-Göhrich Hausärztin und Internistin

Die meisten hätten grippeähnliche Symptome. Schwere Verläufe seien inzwischen sehr selten. In den vergangenen Monaten sei in ihrer Praxis kein Patient, auch kein Hochbetagter, an dem Virus gestorben. Das sei ein Riesenerfolg der Impfung und auch der Schutzmaßnahmen.

Vierte Impfung nur für Ältere und Risikopatienten empfohlen

Schmidt-Göhrich ist Mitglied der Sächsischen Impfkommission. Diese empfiehlt die vierte Impfung grundsätzlich ab einem Alter von 70 Jahren. Unbedingt impfen lassen sollten sich auch Risikogruppen wie Diabetiker, stark übergewichtige Menschen, Transplantations- oder Krebspatienten.

Frau niest in ein Taschentuch
Eine Corona-Infektion hat nach Angaben den selben Effekt wie eine Impfauffrischung. Viele Menschen infizieren sich aktuell, erkranken aber nur leicht. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

"De facto bekommen viele gerade keine vierte Impfung, weil eine Corona-Infektion dazwischenkommt", so Medizinerin Schmidt-Göhrich. "Das ist in etwa gleichbedeutend mit einer Impfung." Impfung und Infektion seien "ein immunologisches Event". Und man sage, Menschen ab 70 oder mit Vorerkrankungen bräuchten so ein viertes immunologisches Event.  

De facto bekommen viele gerade keine vierte Impfung, weil eine Corona-Infektion dazwischenkommt.

Uta Katharina Schmidt-Göhrich Hausärztin in Dresden

DRK-Impfpunkte sind unterschiedlich stark besucht

Im Durchschnitt lassen sich zwei Drittel beim Hausarzt impfen, ein Drittel in einem Anlaufpunkt des Deutschen Roten Kreuzes. Es gibt 13 fest stationierte Impfstandorte in Sachsen. Kai Kranich vom DRK Sachsen sagte MDR SACHSEN, die Auslastung sei sehr unterschiedlich. "Wir haben Impfzentren, da machen wir am Tag gerade mal acht bis zehn Impfungen." In den größeren Städten, in Leipzig und Dresden insbesondere, sei die Nachfrage größer. Täglich würden dort bis zu 90 Impfungen verabreicht, sagte Kranich.

Der Löwenanteil seien Auffrischungsimpfungen. Erst- und Zweitimpfungen würden seltener nachgefragt. Zum Jahresende will das DRK die über das Sozialministerium verantworteten Impfpunkte schließen. Die Verantwortung dafür soll ab 2023 auf die Kommunen übergehen.

Medizinerin: Nationale Teststrategie liefert unzureichend Daten

Bislang konnten sich Bürgerinnen und Bürger mit einem Antigen-Schnelltest kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen. Ab Donnerstag sollen die Corona-Schnelltests für die meisten Menschen in Deutschland nicht mehr kostenlos sein. So sieht es eine neue Testverordnung des Bundes vor. Für die Bürgertests werden demnach nun drei Euro fällig. Das gilt zum Beispiel für Innenveranstaltungen wie einen Theater- oder Konzertbesuch. Nur für sogenannte vulnerable Gruppen sollen die Testungen weiter kostenlos zur Verfügung gestellt werden sowie für pflegende Angehörige und Besucher von Pflegeheimen.

Schmidt-Göhrich als Mitglied der Sächsischen Impfkommission sieht vor allem die Datenauswertung der Testzentren kritisch: "Wir haben ein Grundproblem in Deutschland und das ist die fehlerhafte und lückenhafte Datenerfassung." Man müsse auf Daten aus Nachbarländern oder Israel zurückgreifen.

Deutschland brauche eine gut durchdachte Teststrategie, so die Hausärztin. Dabei sei die Frage, wer die Tests bezahlt, eher zweitrangig. Das bisherige System sei vor allem eines: fehlerbehaftet, betrugsanfällig und teuer.

MDR (lam)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 30. Juni 2022 | 19:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/3683d1a1-f0dc-4e04-a5cc-f7c5e5e81631 was not found on this server.

Mehr aus Sachsen