Sächsische Impfkommission Experten empfehlen Corona-Impfung für Kinder ab fünf Jahren

Wer sollte sich gegen das Coronavirus impfen lassen und mit welchem Impfstoff? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Ständigen Impfkommissionen immer wieder. Regelmäßig werden die Empfehlungen durch die Experten überarbeitet und aktualisiert. Nun steht für die Sächsische Impfkommission fest: Auch jüngere Kinder sollten eine Corona-Impfung erhalten.

Eine Schülerin wird vom mobilen Impfteam in der Schule geimpft
Bisher hatte die Impfkommission in Sachsen die Impfung gegen Corona nur für Kinder ab zwölf Jahren empfohlen. Inzwischen haben die Mediziner ihre Empfehlung ausgeweitet. Bildrechte: imago images/epd

Kinder ab fünf Jahren sollten gegen das Coronavirus und die Erkrankung Covid-19 geimpft werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Sächsische Impfkommission (SIKO) in ihrer aktuellen Empfehlung. Der Vorsitzende der SIKO, Dr. Thomas Grünewald, sagte auf Anfrage von MDR SACHSEN: "Wir haben diese Empfehlung deshalb ausgesprochen, weil wir inzwischen über eine große Menge von Sicherheitsdaten aus den USA verfügen. 8,6 Millionen Impfungen wurden in der Altersgruppe durchgeführt. Und die Daten über die Sicherheit sind exzellent." Es gebe ein sehr günstiges Nutzen-Risiko-Profil für die Impflinge in dieser Altersgruppe.

Nur extrem selten schwere Nebenwirkungen nach Kinderimpfungen

Nach Einschätzung der SIKO ist nur extrem selten mit schweren Nebenwirkungen bei Corona-Impfungen von Kindern zu rechnen. Grünewald zufolge waren in den USA nur in 200 Fällen schwere Nebenwirkungen gemeldet worden. Darunter fielen unter anderem Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Herzmuskelfaserentzündungen traten den Angaben nach lediglich bei einem von 500.000 geimpften Kindern auf.

Die Pandemie lässt keine Altersgruppe aus und auch Kinder können schwer erkranken.

Dr. Thomas Grünewald Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission

Bisherige Empfehlung für Corona-Impfung nur für ältere Kinder

Bisher galt die Empfehlung zur Corona-Impfung für alle Menschen ab zwölf Jahren. Für jüngere Kinder zwischen fünf und elf Jahren gab es somit keine generelle Impfempfehlung der SIKO. Ausnahmen bildeten Kinder, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Die Ständige Impfkommission (STIKO), die Empfehlungen auf Bundesebene ausspricht, hält in ihrer aktuellen Empfehlung weiter an der Ausnahmeregelung für jüngere Kinder mit Vorerkrankungen oder Kontakt zu gefährdeten Gruppen fest. Grünewald schätzt nach eigenen Angaben, dass die STIKO mit ihrer Empfehlung aber bald nachziehen wird.

Corona-Impfung von Kindern in Sachsen nur mit Termin

Das Sozialministerium in Sachsen hat darauf hingewiesen, dass Impfungen für Kinder gegen das Coronavirus zwischen fünf und elf Jahren nur mit Termin möglich sind.

Kinder werden grundsätzlich nur mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech geimpft. Es ist bisher das einzige Vakzin, das für Kinderimpfungen in der EU eine Zulassung erhalten hat.

Nach Angaben des Sozialministeriums sind derzeit rund sechs Prozent der fünf bis elf Jahre alten Kinder in Sachsen mindestens ein Mal geimpft. Rund drei Prozent haben bereits einen vollständigen Impfschutz. In der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen von zwölf bis 17 Jahren sind knapp 42 Prozent mindestens ein Mal geimpft. Fast 39 Prozent in dieser Altersgruppe sind grundimmunisiert, rund zehn Prozent geboostert.

Neue Empfehlungen für Johnson & Johnson-Impfstoff

Die SIKO hat außerdem ihre Empfehlung im Bezug auf den Impfstoff von Johnson & Johnson aktualisiert. Demnach gibt es verschiedene Szenarien, um einen vollständigen Impfschutz mit dem Vakzin zu erhalten:

  • Ungeimpfte Genesene können sich frühestens 28 Tage nach Ende ihrer Corona-Infektion impfen lassen. Es ist dann eine Impfung für die Grundimmunisierung ausreichend.
  • Wer sich bereits mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson hat impfen lassen, benötigt eine zweite Impfung für eine Grundimmunisierung. Für Menschen ab 18 Jahren werden die mRNA-Impfstoffe (Biontech bzw. Moderna) empfohlen. Wer über 60 Jahre alt ist, kann sich nun auch ein zweites Mal mit dem Johnson & Johnson-Vakzin impfen lassen.

Kreuzimpfung oder zweite Johnson-Impfung

Grünewald von der SIKO erklärte dazu: "Wir haben bereits in unseren vorhergehenden Empfehlungen immer wieder darauf hingewiesen, dass eine einmalige Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson nicht ausreichend für einen Schutz ist und empfehlen auch weiterhin die Kreuzimpfung. Die Mix-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ist die bessere Variante." Für Menschen, die aber keinen mRNA-Impfstoff haben wollen, gebe es nun die Möglichkeit, sich ein zweites Mal Johnson & Johnson spritzen zu lassen. Das hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) beschlossen.

Sonderfall doppelt genesen

Inzwischen ist klar, dass sich Menschen auch mehrfach mit dem Coronavirus infizieren können. Doch wie ausgeprägt dann ihr Schutz ist, ist nach Angaben der SIKO weiter unklar. Grünewald stellte klar: "Wir gehen davon aus, dass die Hybrid-Immunität den effektivsten Schutz bietet. Was aber, wenn ich zwei Mal genesen bin und zwischenzeitlich keine Impfung erhalten habe? Hier müssen wir klar sagen: Wir wissen es nicht, denn wir haben bisher zu wenige Daten. In diesem Fall empfehlen wir eine einfache Impfung. Damit erhält man den Status der Grundimmunisierung." Bisher seien doppelt oder gar dreifach Genesene die Ausnahme. Man behalte diese Personengruppen aber im Auge und werde die Empfehlung anpassen, falls nötig.

Grünewald: Wissensstand über Corona und Impfungen entwickelt sich rasant

Aktuell veröffentlicht die SIKO monatliche Updates zu Impfempfehlungen. "Das ist deutlich mehr als vor der Corona-Pandemie", erklärte Grünewald. "Früher gab es einmal jährlich eine aktualisierte Impfempfehlung, in besonderen Fällen halbjährlich. Die monatlichen Updates sind inzwischen aber nötig, weil der Wissensstand sich so rasant entwickelt."

MDR (kp)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 02. Februar 2022 | 14:00 Uhr

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