Corona-Patienten Triage auf Intensivstationen in Sachsen unwahrscheinlich

Der Präsident der sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, hat vor der Triage auf sächsischen Intensivstationen gewarnt. Der Patient, der bessere Aussicht auf Erfolg der Behandlung hat, wird dann beatmet. Andere Mediziner sind überzeugt, dass es dazu nicht kommen wird.

Ärzte und Intensivpfleger kümmern sich um die schwerkranken Covid-Patienten auf der Covid-Intensivstation der Dresdner Uniklinik.
Die Betten auf Sachsens Intensivstationen werden immer knapper. Bildrechte: imago images/Max Stein

Michael Albrecht glaubt nicht, dass in seinem Haus bald triagiert – also ausgewählt – werden muss, wer das letzte freie Intensivbett bekommt. Er leitet als medizinischer Vorstand das Uniklinikum Dresden: "Klar ist die Situation angespannt und wir sind jeden Tag am Umorganisieren, um neue Betten zu schaffen, aber wir sind weit weg davon, die Angebote an Intensivmedizin zu limitieren oder zu triagieren."

Der ärztliche Direktor am Klinikum Chemnitz, Ralf Steinmeier, schreibt MDR AKTUELL dagegen, dass man inzwischen nicht mehr ausschließen könne, dass die vollumfängliche Versorgung in näherer Zukunft eingeschränkt werden müsse.

Verlegungen von Corona-Patienten in andere Bundesländer

Gernot Marx ist der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Er weiß, dass es gerade in Sachsen mit freien Intensivbetten langsam eng wird – noch circa zehn Prozent stehen derzeit zur Verfügung.

Laut Marx müssen nun ungewöhnliche Maßnahmen getroffen werden: "Aber keine Triage, das ist ein Unterschied. Wir müssen priorisieren. Das heißt, es müssen jetzt Verlegungen stattfinden in den Bundesländern. Es ist eben so, dass die Kliniken in den Notfallmodus schalten müssen. Das heißt, sofern medizinisch vertretbar, dass alle Aufnahmen, planbaren Eingriffe und Operationen in Sachsen erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben und ausgesetzt werden müssen."

Das sächsische Sozialministerium bestätigt MDR AKTUELL, dass man die Verlegung von Patientinnen und Patienten in andere Bundesländer vorbereite und schreibt: "Allerdings muss man gegenwärtig damit rechnen, dass Verlegungen in andere Bundesländer mangels entsprechender Kapazitäten schwierig sein werden. Das gilt jedenfalls für die anliegenden Bundesländer."

Gleichbehandlung der Patienten auf den Intensivstationen

DIVI-Präsident Marx geht trotzdem davon aus: In Deutschland wird es nicht zu Triage-Situationen kommen. Er vertraut auf die Wirkung der Erst- und Auffrischungsimpfungen und der politischen Maßnahmen. Am Donnerstag wollen in Sachsen Ärztinnen und Ärzte sowie Ethikerinnen und Ethiker zusammenkommen, um Handlungshilfen für Kliniken zu erstellen, wenn Überlastung droht.

Mit dabei ist auch der Leiter des Uniklinikums Dresden. Dass in den Empfehlungen am Ende auch stehen könnte, dass Geimpfte bei Triage Ungeimpften per se vorgezogen werden, schließt er aus: "Wir haben auch jetzt bei den Patienten auf der Intensivstation kein Schild am Bett kleben, ob der geimpft ist oder ungeimpft. Wir behandeln die Patienten optimiert, so wie er es für seinen Zustand braucht. Eine Abschätzung, ob das zum Erfolg führt, ist primär nicht beeinflusst davon, ob er geimpft ist oder ungeimpft", erklärt Albrecht.

Auch die DIVI schließt Unterscheidungen zwischen Geimpften und Ungeimpften kategorisch aus: Jeder Patient und jede Patientin wird gleichbehandelt.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. November 2021 | 06:00 Uhr

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