Internationaler Kindertag Familienverbände in Sachsen: Lobby für Kinder stärken

Seit mehr als einem Jahr gehört die Corona-Pandemie zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Zum Internationalen Kindertag ziehen deren Interessenverbände Bilanz und richten deutliche Worte an die Politik. Fazit: Die Bedürfnisse der Jüngsten muss wieder stärker in den Fokus genommen werden.

Sieben Kinder in bunten T-Shirts
Kinder und Familien während der Pandemie im Blick behalten - das fordern Interessenverbände zum Internationalen Kindertag von der Politik. Bildrechte: Colourbox.de

Corona beherrscht unseren Alltag. Das Virus als Thema hat sich ausgebreitet und bestimmt seit Monaten hartnäckig Gespräche zwischen Freunden, den Beruf, die Berichterstattung und vor allem politische Entscheidungen. Im Laufe des vergangenen Jahres wurde Entscheidungsträgern vermehrt vorgeworfen, vor allem eine Gruppe der Bevölkerung bei ihren Beschlüssen zu übersehen: Kinder und Jugendliche.

Wie viele Kinder und Jugendliche leben in Sachsen?

In Sachsen leben derzeit rund 580.000 Kinder unter 14 Jahren. Sie machen damit einen Anteil von rund 12,5 Prozent der Bevölkerung im Freistaat aus. Der Anteil der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren liegt in Sachsen bei 3,3 Prozent (132.562).

Das bemängelt auch Eileen Salzmann, Landesvorsitzende des Deutschen Familienverbands Sachsen. Für Familien sei besonders schwer zu verstehen, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse seit Beginn der Pandemie immer wieder nur wenig Beachtung fänden. Dabei hätten sie entscheidend zu deren Bewältigung beitragen. "Es wird ständig über Familien in der Krise gesprochen, aber nur selten direkt mit ihnen. Viele werden zum Beispiel bei den Corona-Verordnungen angehört - nicht aber die Familienverbände." Es gebe viel Nachholbedarf, meint Eileen Salzmann. Familien gehörten in den Mittelpunkt des politischen Handelns.

Kinderschutzbund: "Keiner hat die Kinder gefragt"

Fehlende Kommunikation mit den Betroffenen kritisiert auch Olaf Boye, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Sachsen: "Kinder werden schon wahrgenommen. Aber die Frage von Lobby aller Entscheidung, die jetzt in der Corona-Zeit getroffen wurden, haben wir Erwachsenen getroffen. Und es hat keiner, wirklich keiner die Kinder befragt: Was ist eigentlich mit euch? Wie seht ihr das? Habt ihr Ideen dazu? Was braucht ihr?"

Nach einem Jahr Krisenmodus in der Politik zieht Olaf Boye eine durchwachsene Bilanz: "Wir müssen differenzieren. Im ersten und auch noch einen zweiten Lockdown war der Schutz von Kindern durchaus im Blick. Offen geblieben sind aber die eigentlichen Bedürfnisse von Kindern: die Interaktion mit Freunden, das Treffen, Sport und Spiel und so weiter. Das wurde aus unserer Sicht nicht genügend beachtet." Erwachsene hätten aus ihrer Sicht entschieden. Somit habe die Wirtschaft eine höhere Priorität gehabt.

Schulen und Kitas von Notbremse ausgebremst?

Eileen Salzmann meint, dass immerhin im Freistaat im Frühjahr 2021 endlich ein gewisses Verständnis für die besondere Belastung von Eltern eingetreten sei. So seien zumindest kurzzeitig Schul- und Kitaöffnungen möglich gewesen: "Sachsen ist den Weg gegangen, inzidenzunabhängig Konzepte zu entwickeln, durch die man auch wieder zurückkommen kann in die Betreuung. Das war eigentlich sehr positiv, wurde dann aber im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst - durch die Bundes-Notbremse." Inzwischen hat sich die Lage auch in Sachsen deutlich entspannt: In sechs Kreisen beziehungsweise kreisfreien Städten können Kinder und Jugendliche wieder ganz regulär Kita und Schule besuchen, in den übrigen sieben gilt zumindest der eingeschränkte Regelbetrieb.

Kindergeld und Familiengipfel - Forderungen des Interessenverbandes

Für viele Kinder, Jugendliche und ihre Eltern bedeutet das aufatmen. Doch hat die Politik aus ihren anfänglichen Fehlern gelernt? Und wie könnte man die Bedürfnisse - vor allem von Kindern und Jugendlichen - in Zukunft besser im Blick behalten? Eileen Salzman hat gleich mehrere Vorschläge: Zum einen sollte das Kindergeld wieder ausgeweitet werden. "Es sind einige, die vielleicht ein Jahr länger in der Schule brauchen. In der Ausbildung gilt das genauso. Oder wenn irgendwelche Pflichtpraktika nicht absolvieren konnten und man länger studieren muss. Man hat an einigen Stellen die Stellschrauben gedreht, aber noch nicht an der richtigen Stelle, nämlich Kindergeld. Es wäre noch mal ein starkes Signal, wenn man die Bezugsdauer bis 27 Jahre verlängern würde - mindestens für die Corona-Jahrgänge, wenn nicht sogar grundsätzlich", meint die Landesvorsitzende des DFV Sachsen.

Außerdem wünscht sie sich mehr Dialog und Austausch, beispielsweise bei einem Familiengipfel. "Wir würden uns das in Sachsen sehr wünschen. Denn Familienpolitik und das, was Familien bewegt, ist ein Querschnittsthema. Das sind Themen aus der Wirtschaftspolitik, natürlich aus dem eigenen Arbeitsleben, aber auch Themen wie Wohnen, Soziales und Bildung. Es wäre eigentlich überfällig", meint Eileen Salzmann. Es habe so viele Runde Tische und sonstige Gipfel gegeben, dass es ein Signal wäre, einen solchen Familiengipfel zu veranstalten. Dort sollten Interessenvertretungen zu Wort kommen, aber auch direkt Familien. Diese seien je nach Familiensituation unterschiedlich betroffen und könnten ihre Erfahrungen einbringen, auch für die Zeit nach Corona."

Boye: "Wissenslücken schließen und Impfangebot für Kinder sichern"

Olaf Boye sieht vor allem Nachholbedarf direkt bei den Kindern: Es gelte nun, zeitnah Wissenslücken in Schulen aufzuarbeiten und Schülerinnen und Schülern im Bedarfsfall auch mit den Noten entgegenzukommen: "Wir müssen gucken, wie die Benotung zum Beispiel Stück herabgesetzt wird." Gleichzeitig sollten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, freiwillig im Sommer oder am Nachmittag ihre Wissensdefizite aufarbeiten zu können. Zusätzlich müsse nun schnellstmöglich ein Impfangebot für Kinder bereitstellt werden, meint der Vorsitzende des Sächsischen Kinderschutzbundes.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 01. Juni 2021 | 07:00 Uhr

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