Überlastung Hilferufe aus Kliniken - Sachsen schaltet Onlineportal für Pflegepool frei

Die Kliniken in Sachsen sind fast überall am Limit. Wegen der dramatisch hohen Infektionszahlen in der Corona-Pandemie reicht das Pflegepersonal oft nicht mehr aus. Die Kliniken werben deshalb zunehmend um Freiwillige. Die Landesregierung unterstützt die Suche mit einem Online-Portal.

Ein Patient wird nach der Operation aus dem Operationssaal gefahren.
Viele planbare Operationen müssen in Sachsen verschoben werden. Bildrechte: dpa

Nicht nur die Betten werden in Sachsen Kliniken knapp, sondern auch das Pflegepersonal. Sachsen schaltet deshalb ein Onlineportal für einen Pflegepool. Dort können sich Freiwillige melden, die Kliniken in der Pandemie unterstützen möchten, sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping auf einer Online-Konferenz in Dresden. Gleichzeitig könnten sich Bürger auch direkt an ihre Krankenhäuser vor Ort wenden.

Petra Köpping, Sozialministerin Sachsen, verkündet die neue Corona Schutzverordnung.
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Wir haben bereits sehr erfolgreich zur Unterstützung bei der Corona-Impfung aufgerufen. Hunderte Menschen, zum Beispiel Ärzte oder medizinisches Personal im Ruhestand, haben sich gemeldet.

Petra Köpping Gesundheitsministerin in Sachsen

Das Portal richtet sich vor allem an Pflegepersonal sowie Ärzte - beide Gruppen auch im Ruhestand - und an Medizinstudierende. Gesucht werden auch Helferinnen und Helfer, die etwa Transporte übernehmen oder Kranken Mahlzeiten reichen.

Krankenhäuser am Limit

Das Krankenhauspersonal sei schon seit langer Zeit am Limit, sagte Köpping. Derzeit seien in den 80 sächsischen Krankenhäusern 2.074 Betten mit Covid-19-Patienten und Patientinnen belegt, 609 Menschen liegen mit einer Corona-Erkrankung auf Intensivstationen.

Schon Helferpools in einzelnen Regionen und Kliniken

In einigen Regionen Sachsen wurden bereits regionale Helferpools gegründet, um Freiwillige für die Unterstützung in der Pflegearbeit anzuwerben, etwa in Mittel- und Nordsachsen. Wie der sächsische Klinikkoordinator der Uniklinik Dresden Michael Albrecht sagte, konnten etwa am Klinikum Görlitz nach einem Hilfeaufruf innerhalb kurzer Zeit 30 Pflegerinnen und Pfleger gefunden werden.

Auch das Uniklinkum Dresden macht davon Gebrauch, wie Pflegedirektorin Jana Luntz sagte: "Wir suchen ausgebildete Pflegekräfte und Krankenpflegehelfer, die vielleicht derzeit in einem anderen Beruf arbeiten und uns in der Krise auf Intensiv- und Normalstationen unterstützen wollen. Außerdem suchen wir Helfer, die uns bei administrativen Aufgaben unterstützen." Wichtig sei dabei, dass die Helfer geimpft oder genesen sind.

Bislang haben im Klinikum zehn Personen, die bisher in der Dienstleistungsbranche tätig waren, eine Bewerbung abgegeben oder dies zugesagt, wie Sprecher Holger Ostermeyer MDR SACHSEN sagte. Zudem hätten sich je eine Fachkraft aus der Pflege und dem Rettungsdienstes gemeldet, denen nun ein Arbeitsvertrag angeboten werden solle.

Patient auf ITS 9 min
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Klinikum in Leipzig: Mehr als 20 Angebote nach einem Tag

Auch das Klinikum St. Georg in Leipzig hat ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aufgerufen, das Krankenhaus bei der täglichen Arbeit zu unterstützen. Der Ausfall beim medizinischen Personal nehme zu, die Belastung durch die Corona-Pandemie sei seit fast zwei jahren ungebrochen hoch, begründete das Klinikum den Hilferuf. Benötigt werden unter anderem Ärzte, Pflegekräfte, aber auch Wachleute und Reinigungskräfte. Einen Tag nach dem Aufruf haben sich bereits mehr als 20 Freiwillige gemeldet, sagte Kliniksprecherin Manuela Powollik MDR SACHSEN - von Schülern und Medizinstudierenden bis hin zu einem Arzt, der bereits in Rente ist.

Unternehmen erhalten Prämie für ausländische Pflegekräfte

Um den Mangel an Pflegekräften besser zu bekämpfen, will Sachsen auch die Anwerbung von Pflegekräften aus Drittstaaten künftig finanziell unterstützen. Das teilte das Gesundheitsministerium in Dresden mit. Ein entsprechendes Modellprojekt des Gesundheitsministeriums sehe vor, dass Arbeitgeber 6.000 Euro pro angeworbener Fachkraft erhalten. Voraussetzung sei demnach eine Zusammenarbeit mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Diese soll faire Anwerbebedingungen gewährleisten. Pflegekräfte in der Europäischen Union zu finden, sei immer schwieriger, deshalb habe sich der Fokus auf Drittstaaten verschoben.

Quelle: MDR(kb)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 02. Dezember 2021 | 15:00 Uhr

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