Pandemie Alarmierende Lage: Sachsens Kliniken reagieren mit Besucherstopps

Die Corona-Lage in Sachsen verschärft sich immer weiter. Weil zunehmend Covid-Patienten behandelt werden müssen, fahren zahlreiche sächsische Krankenhäuser den Regelbetrieb herunter. Auch ein Besucherstopp tritt an einigen Kliniken in Kürze in Kraft.

Die Wocheninzidenz in Sachsen steigt unaufhörlich seit vergangenem Sonnabend (6.11.2021) ist Sachsen das Bundesland mit der bundesweit höchsten Inzidenz. Die Lage an den Kliniken im Land bezeichnet die sächsischen Krankenhausgesellschaft (KHG) inzwischen als "besorgniserregend". Viele Kliniken bereiten sich auf einen erneuten Pandemie-Betrieb vor.

Wenn die derzeitige Entwicklung so weitergeht, kriegen wir eine kritische Situation.

Friedrich München Stellvertretende Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen

Die Kliniken müssten immer mehr Betten für Covid-19-Patienten herrichten. "Um diese zu betreiben, muss gleichzeitig der Normalbetrieb runtergefahren werden", sagte München.

Leipzig: Uniklinik reduziert Leistungen um 30 Prozent

Bereits Anfang November hatte der Medizinische Vorstand des Leipziger Universitätsklinikums, Christoph Josten, erklärt, dass sein Haus dabei sei, Leistungen um mindestens 30 Prozent zu reduzieren.

Das heißt: Geimpfte konkurrieren um Behandlungsplätze mit Nichtgeimpften.

Christoph Josten Medizinischer Vorstand des Leipziger Universitätsklinikums

Das sei eine ethische Frage, die aufkomme, wenn man an das Ende der Ressourcen gelange.

Oberlausitz: Nur noch dringende Operationen

In den Oberlausitz-Kliniken in Bautzen und Bischofswerda werden schon seit Ende Oktober planbare Operationen abgesagt oder verschoben. "Damit sind auch längere Wartezeiten verbunden. Dringende OP's werden durchgeführt. Es entscheiden die Ärzte gemeinsam mit den Patienten", sagte ein Sprecher in Bautzen. Zudem wurde ein Besucherstopp an beiden Krankenhäusern der Oberlausitz-Kliniken verhängt.

Riesa, Meißen, Radebeul, Großenhain: Einschränkungen in Elblandklinken

Auch bei den Elblandkliniken in Riesa, Meißen, Radebeul und Großenhain gibt es nach Angaben einer Sprecherin Einschränkungen und Verschiebungen im Normalbetrieb. Die Kapazitäten auf der Normal- und Intensivstation würden ständig der aktuellen Situation angepasst und erhöht. Einen Besucherstopp gebe es derzeit noch nicht, könne für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen werden. Am Dienstag hatten bereits das Klinikum Chemnitz und die Paracelsus Klinik Adorf-Schöneck diesen Schritt vollzogen.

Sebnitz, Radeberg und Hohwald: Besucherstopp ab Freitag

In den sächsischen Asklepios-Kliniken in Sebnitz, Radeberg und Hohwald ist der Besuchsbetrieb seit Freitag eingeschränkt. In allen drei Kliniken sind den Angaben zufolge Besuche dann nicht mehr erlaubt. Auch für Geimpfte gebe es keine Ausnahme, hieß es. "Wir möchten unsere Patientinnen und Patienten und unser Personal bestmöglich schützen", sagte Regionalgeschäftsführerin Jana Uhlig.

Dresden: Uniklinikum inklusive Herzzentrum mit Besuchsverbot ab Montag

Ab Montag (8.11.2021) gibt es neue Besuchsregeln am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Das teilte das Klinikum am Sonntag mit. Betroffen davon ist auch das Herzzentrum. Der Besuchendenverkehr werde deutlich eingeschränkt - Patientinnen und Patienten dürfen nur noch in Ausnahmefällen und nach vorhergehender Absprache im Klinikum besucht werden.

Außerdem müssen alle Patientinnen und Patienten, die zum Beispiel für Routineuntersuchungen, verabredete Termine und zur Nachsorge an das Klinikum kommen, einen 3G-Nachweis erbringen. "In der derzeitigen Situation bleibt uns keine andere Wahl, um unsere Mitarbeitenden aber auch andere Patientinnen und Patienten wirksam zu schützen", sagte Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden. "Bereits jetzt ist die Situation auf den Stationen und in den Kliniken angespannter als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Deshalb müssen wir handeln."

Chemnitz: Pandemie-Betrieb wird vorbereitet

Das Klinikum Chemnitz verhängte am Wochenende ein Besuchsverbot. In der derzeitigen Lage gelte es, Patienten und Mitarbeiter so gut wie möglich zu schützen, um die medizinische Versorgung für die Region aufrechterhalten zu können, erklärte der Ärztliche Direktor Ralf Steinmeier. Nach Angaben des Krankenhauses sind sowohl bei den Inzidenzen als auch bei den hospitalisierten Erkrankten im Cluster Chemnitz/Südwestsachsen die Kreise Erzgebirgskreis und Mittelsachen besonders betroffen. Erste Krankenhäuser hätten bereits um Unterstützung bei der Patientenversorgung gebeten.

Aufgrund von Personaleinschränkungen würden aktuell am Klinikum Chemnitz die Schließung von Stationsteilen und die Umwidmung von Bereichen zur Behandlung von Covid-19-Patienten vorbereitet und teils schon umgesetzt. Gleiches gelte für die Reduzierung des OP-Programms. Die Anpassungen sollen laut Klinikleitung stufenweise erfolgen, entsprechend der Entwicklung der Pandemie-Lage.

Erzgebirge bekommt Unterstützung der Bundeswehr

Die Krankenhäuser des Erzgebirgsklinikums erhalten Unterstützung von der Bundeswehr. Da die Intensivstationen bereits an der Auslastungsgrenze sind, sollen insgesamt 22 Soldatinnen und Soldaten an vier Standorten helfend unterstützen. Wie das Klinikum mitteilte, sollen sie das Pflegepersonal unterstützen und Hilfstätigkeiten auf den den Covid-19-Stationen übernehmen wie Essenausgabe und Zimmerreinigung. Die Bundeswehr-Helfer kommen aus der Werra-Kaserne Bad Salzungen. Sie sind zunächst bis Ende November an den Krankenhäusern im Einsatz.

Besuchsverbot in Zwickau

In der Paracelsus Klinik Zwickau gilt ein vorsorgliches Besuchsverbot. Die Klinikleitung reagierte damit nach eigenen Angaben auf die steigenden Corona-Fallzahlen im Landkreis. Ausnahmen für Geimpfte solle es nicht geben. Ziel sei es, Patienten und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen.

Seit Montag Besuchsverbot in Pirnaer Klinik

Aufgrund der angespannten Corona-Entwicklung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gilt im Helios Klinikum Pirna seit Montag (08.11.2021) zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern erneut ein generelles Besuchsverbot. Dies sei "zum Schutz unserer Patienten sowie unserer Mitarbeiter aktuell wieder sehr wichtig und notwendig", hieß es. Daher sind den Angaben zufolge ab sofort keine Besuche und Begleitungen mehr möglich. Nur bei triftigen rechtlichen und medizinischen Gründen gebe es abgestimmte Ausnahmen. Der Landkreis hat mit 924 die bundesweit höchste Sieben-Tage-Inzidenz.

Krankenhauskoordinator verteidigt 2G

Angesichts der dramatischen Situation hat Sachsens Krankenhauskoordinator Prof. Michael Albrecht die geplante Verschärfung der Corona-Maßnahmen und die Einführung von 2G im Freistaat verteidigt. Albrecht sagte MDR SACHSEN, ohne ein sofortiges und konsequentes Eingreifen drohe in drei bis vier Wochen ein Lockdown. Für die Gastronomie- und Veranstaltungsbranche wäre dies wesentlich schwerwiegender als die Einführung von 2G.

Albrecht betonte, der steile Anstieg der Infektionszahlen müsse schnell gestoppt werden, sonst seien noch strengere Maßnahmen kaum zu vermeiden. Wegen der relativ niedrigen Impfquote gegen Corona in Sachsen fehlten die Alternativen.

Quelle: MDR/sth/ak/bj/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 03. November 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen

Ein junger Mann schaut lächelnd in die Kamera. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK