Pandemische Lage Kretschmer: "2G ist jetzt ein zwingendes Muss"

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) hat sich für weitreichende 2G-Regeln ausgesprochen. Die pandemische Lage von nationaler Tragweite sieht er weiter als gegeben und widerspricht Gesundheitsminister Spahn (CDU). Unterdessen müssen immer mehr Menschen auf Sachsens Intensivstationen behandelt werden - die meisten sind ungeimpft.

2020.12.11 Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer besucht das Helios Klinikum Aue
Kretschmer bezeichnet rückblickend die schnellen Lockerungen im Frühjahr gegen den Rat von Fachleuten als Fehler. Bildrechte: imago images/Georg Ulrich Dostmann

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht die sogenannte pandemische Lage von nationaler Tragweite noch nicht zu Ende. "Im Gegenteil, sie gewinnt gerade wieder an Kraft und Gefährlichkeit", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch. Kretschmer widersprach damit seinem Parteikollegen, dem noch amtierenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, dass es nach dem 25. November nicht zur erneuten Verlängerung der bundesweiten Corona-Notlage kommt.

Kretschmer: Entscheidung im Frühjahr war "großer Fehler"

Kretschmer kontert: "Schon im Frühjahr ist ein großer Fehler passiert. Die Politik hatte gegen den Rat der Wissenschaft die Aufhebung von Schutzmaßnahmen bei steigenden Infektionen entschieden. Die Folge war die Bundesnotbremse und der Lockdown im Frühjahr. Wer Normalität erzwingen will, verhindert sie möglicherweise." In diesen Tagen könne man noch entscheiden, ob Einschränkungen auf die Risikogruppe der Ungeimpften konzentriert werden könnten. In einigen Wochen werde es auch diese Option nicht mehr geben.

2G ist jetzt ein zwingendes Muss. Die Infektionen bei den ungeimpften Menschen bestimmen diese vierte Welle.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Die Bevölkerung müsse über die aktuelle Corona-Entwicklung informiert werden, so Kretschmer. Dazu brauche man eine öffentliche Debatte und die Entscheidung, welche Schutzmaßnahmen gesellschaftlich mitgetragen werden.

2G - Regel, geimpft, getestet und genesen, Schild mit der Aufschrift Zutritt nur nach 2G Regel
Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

2G/3G - was gilt aktuell in Sachsen? Veranstalter in Sachsen haben die Möglichkeit, das 2G-Optionsmodell zu nutzen. 2G heißt: Betreiber oder Organisatoren können frei wählen, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene reinlassen. Ein Test reicht dann nicht mehr aus. Damit ist es möglich, Beschränkungen wie Abstandsregeln und Maskenpflicht zu lockern. Von dieser Möglichkeit machen aktuell aber nur wenige Veranstalter Gebrauch.

Nicht angewendet wird das 2G-Modell im öffentlichen Nahverkehr und Einzelhandel sowie in Kantinen und Mensen, im Rehasport, bei körpernahen Dienstleistungen und bei Friseuren. Für Kinder unter 16 Jahren gilt das 2G-Modell nicht. Sie können ohne Nachweis die Einrichtungen nutzen, da sie regelmäßig in den Schulen getestet werden. Menschen, die sich etwa aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, können die Angebote im 2G-Optionsmodell nicht nutzen.

Sobald die Überlastungsstufe erreicht ist, entfällt das Optionsmodell. Dann gibt es eine 2G-Pflicht, bei der Maskenpflicht und auch Kapazitätsbeschränkungen wieder zu beachten sind.

Überwiegend ungeimpfte Patienten auf Intensivstationen

Reportage im Johanniter Krankenhaus am Kreuzacker 1-7 in Rheinhausen. 2 Pflegerinnen betreuen eine Intensivpatientin auf der Coronastation Intensivstation , die beiden bringen die Patientin in die Bauchlage.
In Sachsen müssen überwiegend ungeimpfte Personen mit einer Covid-19-Infektion auf Intensivstationen behandelt werden. Bildrechte: imago images/Reichwein

Die Lage auf den Intensivstationen in Sachsens Kliniken spitzt sich unterdessen wieder zu. Dort werden derzeit 149 Covid-19-Patienten behandelt, vor sieben Tagen waren es noch 118. Im Raum Leipzig, also Stadt und beide Landkreise ist derzeit die Belegung der Intensivstationen mit Covid-Patienten am geringsten. Deutlich höher fallen die Zahlen dagegen im Cluster Dresden und Chemnitz aus. Auf den Normalstationen in Sachsen liegen derzeit 528 Covid-Patienten, am Dienstag waren es noch 461. Springt dieser Wert über 650, greift nach zwei Tagen die Vorwarnstufe, die erste Verschärfungen mit sich bringt. Das gleiche gilt bei den Intensivbetten. Hier greift die Vorwarnstufe ab einer Belegung von 180 Betten.

Vorwarn- und Überlastungsstufe Zusätzlich zu den Inzidenzwerten sieht die neue Schutzverordnung eine Vorwarnstufe und eine Überlastungsstufe aufgrund der Bettenbelegung in den sächsischen Kliniken vor. Die Vorwarnstufe gilt nun, wenn 650 Betten auf der Normalstation oder 180 Betten auf der Intensivstation mit Covid-19-Patienten belegt sind.

Die Überlastungsstufe ist erreicht, wenn 1.300 Betten auf der Normalstation oder wenn 420 Betten auf der Intensivstation mit Covid-19-Patienten belegt sind. Wie bei den Inzidenzwerten gilt auch bei der Bettenbelegung die 5+2-Regel.

In der aktuellen Corona-Schutzverordnung wird auch die "7-Tage-Inzidenz Hospitalisierungen" als Kenngröße genannt. Sie ist aber nicht ausschlaggebend für das Eintreten der Vorwarn- und Überlastungsstufe. Die "7-Tage-Inzidenz Hospitalisierungen" beschreibt die Anzahl der ans Robert-Koch-Institut übermittelten Neuaufnahmen von Covid-19-Patienten in Krankenhäuser pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Im Städtischen Klinikum Dresden werden zur Zeit 17 Patienten intensivmedizinisch betreut, sie sind in der Regel 50 bis 70 Jahre alt und damit jünger als vor einem Jahr. Die meisten von ihnen seien nicht geimpft, hieß es. Auch am Klinikum Chemnitz sind die Covid-Intensivpatienten überwiegend ungeimpft. Am Helios Klinikum Aue im Erzgebirgskreis gab es seit Start der Impfungen keinen geimpften Patienten mehr auf der Intensivstation, berichtet der Chefarzt der Kardiologie auf der Homepage des Klinikums.

FDP: Kretschmer will Uhr zurückdrehen

Der Dresdner FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst warf Kretschmer vor, "die Uhr offenbar zurückdrehen" zu wollen: "Mit seiner Forderung fördert er eine Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Genesene auf der einen Seite und Ungeimpfte auf der anderen Seite. Wer gehofft hatte, dass auch in Sachsen Corona-Alarmismus und -Aktionismus ein Ende finden würden, hat sich getäuscht." Auch ungeimpfte Bürger hätten Rechte und könnten nicht einfach zu Bürgern zweiter Klasse herabgewürdigt werden.

Quelle: MDR/lam/sys/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 27. Oktober 2021 | 14:00 Uhr

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