Branchenverband Tourismus und Gastgewerbe in der Krise - Dehoga fordert Perspektive

Seit Beginn der Pandemie treffen Lockdowns und Kontaktbeschränkungen den Tourismus- und Gastronomiebetrieb besonders hart. Skipisten geschlossen, Gaststätten ab 20 Uhr zu, Hotels nur für Dienstreisende. Der sächsische Sonderweg bei den Corona-Regeln macht der Branche im Freistaat extrem zu schaffen. Der Dachverband Dehoga dringt auf bundeseinheitliche Regelungen, um den Hotels, Gaststätten und Veranstaltern einen Weg aus der Krise zu ermöglichen.

Kurz vor der Sperrstunde stehen zwei leere Gläser Bier auf dem Tresen
Bis 20 Uhr dürfen Gäste in Sachsen bewirtet werden. Das ist laut Dehoga nicht ausreichend. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen sehen sich knapp zwei Drittel der Hotels und Gaststätten in ihrer Existenz bedroht. Die Unternehmen im Freistaat haben demnach im Jahr 2021 durch angeordnete Schließung und eingeschränkte Öffnungszeiten im Schnitt 44 Prozent ihres Umsatzes im Vergleich zu der Zeit vor Corona eingebüßt, wie eine Umfrage des Branchenverbandes ergeben hat. Im Dezember seien es sogar zwei Drittel im Vergleich zu 2019 gewesen, so Axel Klein, Geschäftsführer des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Damit liege Sachsen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Klein sagte MDR SACHSEN, 68 Prozent der Gaststätten und Hotels im Freistaat hätten zum Jahreswechsel Kurzarbeitergeld für ihre Beschäftigten beantragt. Im Bundesdurchschnitt seien es 38 Prozent gewesen.

"Sächsischer Sonderweg" besonders belastend

Gaststätten, Hotels und Veranstalter leiden laut Dehoga besonders unter den aktuellen Corona-Regeln. Vor allem der sächsische Sonderweg macht der Branche im Freistaat zu schaffen, so Klein. Sachsen Gaststätten dürften Gäste unter 2G-Regel nur bis 20 Uhr bewirten. In anderen Bundesländern sei bis 22 Uhr geöffnet. Außerdem dürften Hotels gemäß der geltenden Verordnung keine Touristen aufnehmen.

Vergleich mit Nachbarbundesländern

Überall seien die Hotels offen, obwohl die Inzidenzen und die Situation in den Krankenhäusern in den umliegenden Bundesländern ähnlich seien, sagte Klein. "Die Unternehmer gucken von Oberwiesenthal aus zu, wie nebenan Ski gefahren wird oder wie die Leute in die anderen Bundesländer fahren, um Urlaub machen zu können."

Wintersport in der Krise

Die Wintersportsaison im Erzgebirge ist vor allem für die Hotelbetriebe bisher ein Reinfall, sagte Andreas Sämann, Manager des Hotels Lugsteinhof in Altenberg MDR SACHSEN. Von 101 Zimmern seien derzeit sieben belegt - alle von Bobsportlern. "Ein Hotel kann so nicht funktionieren. Wir verlieren mit der Bewirtung dieser Gäste mehr Geld, als wir einnehmen." Vor allem brauche es klare Angaben, wann und unter welchen Bedingungen man wieder öffnen dürfe.

Wir haben zwischenzeitlich am Sonntag überlegt, wo wir am Montag Lebensmittel für die Gäste herbekommen, wenn wir öffnen dürfen.

Andreas Sämann Manager Hotel Lugsteinhof

Das Ortseingangsschild Altenberg
Schnee liegt im Erzgebirge - die Touristen blieben trotzdem aus. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

"Schlimmste Phase der Pandemie"

Zurzeit durchlebe man die schlimmste Phase der Pandemie, so Sämann. Das liege daran, dass Sachsen einen Einzelweg gehe und es keine bundeeinheitlichen Regeln gebe. Die Unsicherheit, auch in Bezug auf Hilfsleistungen, seien eine riesige Belastung. "Es ist ein Nervenspiel, wann und wie die Hilfen gewährt werden. Bisher kamen sie immer, aber die Unsicherheit, wann Geld kommt, macht ein Arbeiten kaum möglich", so Sämann. "Für mich war ein schlimmes Zeichen, dass jetzt die Landesdirektion Mitarbeiter sucht zur Bearbeitung der Corona-Hilfen. Nach zwei Jahren in der Krise."

Verband fordert Öffnungsperspektive

Der Verband hatte bereits eine Klage gegen die geltende Corona-Notverordnung unterstützt und dringt weiter auf Öffnungsperspektiven in der neuen Verordnung. Die Betriebe müssten dringend öffnen, um überhaupt eine wirtschaftliche Perspektive zu haben, sagte Axel Klein. "Wir brauchen beispielsweise für Gaststätten eine Öffnung bis mindestens 22 Uhr", so Klein.

2G-Regel in der Kritik

Auch die 2G-Regel sieht der Verband noch kritisch. Die Sprecherin des sächsischen Landesverbandes der Dehoga, Franziska Luthardt, sagte MDR SACHSEN, zwar sei die in der neuen Corona-Verordnung vorgesehene Regel als eine Möglichkeit für die Gastronomen zu begrüßen. Allerdings dürfe 2G nicht zur Pflicht gemacht werden. Problematisch sei, dass Restaurantbetreiber zwar den Impfstatus von Gästen abfragen dürften, nicht jedoch von ihren Mitarbeitern. Auf dieses Problem habe man bereits auf Bundesebene aufmerksam gemacht. Es müsse noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden, ob Mitarbeiter nicht doch eine Auskunft dazu geben müssten.

Omikron-Welle schafft Unsicherheit

Den Vorstoß der Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU), die sich für eine Öffnungsperspektive von Kultur und Tourismus einsetzt, bewertete die Dehoga positiv. Ob es tatsächlich zu Öffnungen kommt, steht allerdings noch nicht fest. Am Dienstag hatte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) angekündigt, dass die aktuelle Corona-Verordnung unverändert bis zum 14. Januar verlängert wird. "Wir wollen Perspektiven aufzeigen", sagte Köpping. Aber im Hinblick auf die drohende Omikron-Welle sei man abhängig von den Entwicklungen im Land. Daher müsse auch im Zusammenspiel mit Experten diskutiert werden, was möglich sei.

Quelle: MDR (bj/mina)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 06. Januar 2022 | 14:00 Uhr

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