Hörer machen Programm Wird die 3G-Ausnahmeregel für Kinder missachtet?

Sächsische Schülerinnen und Schüler unter 16 Jahren müssen laut Corona-Schutzverordnung keinen aktuellen Test vorlegen, um im Rahmen der 3G-Regel in ein Restaurant oder Konzert zu kommen. Denn die Kinder müssen sich ja in der Schule ohnehin regelmäßig testen. Unsere Hörerin Mandy Jurich hat jedoch in der Praxis andere Erfahrungen gemacht. In fast allen Fällen hätten Veranstalter von ihren Kindern einen Test sehen wollen, schreibt sie uns. Warum wird das so gehandhabt? Und ist das rechtens?

3G's nachweisen steht auf einer Tafel an einer Bar in der Dresdner Neustadt
Schülerinnen und Schüler, die einer Testpflicht in der Schule unterliegen, brauchen in Sachsen im Rahmen der 3G-Regel keinen Extra-Test. Dennoch wird dieser offenbar vereinzelt nachgefragt. Bildrechte: dpa

Dass eine Servicekraft einen Test von unter 16-Jährigen verlangt, obwohl das keine Zugangsvoraussetzung ist, kann schon mal passieren, sagt Axel Klein, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen: "Wenn der Gastwirt das eben kontrolliert, dann ist es sicherlich eine Vorsichtsmaßnahme, die er trifft, die man sicherlich auch im Gespräch mit ihm klären kann."

Klein führt das Nicht-Beachten der Sonderregel auch auf die Fülle der Informationen zurück, mit denen Unternehmen teils kurzfristig konfrontiert sind.

Verordnung ist keine Garantie

Familien mit Schulkindern könnten sich jederzeit auf §4, Absatz 4 der Coronaschutzverordnung berufen, schreibt das Sozialministerium Sachsen dazu auf Nachfrage. Dort ist geregelt, dass Kinder bis 16 zum Beispiel für den Restaurantbesuch grundsätzlich keinen Extra-Test brauchen. Weiter heißt es allerdings: "Jedoch kann der Geschäftsinhaber im Rahmen seines Hausrechts auch strengere Regelungen für den Zutritt vorsehen und einen Test von Schulkindern verlangen. Diese Möglichkeit wird durch die Verordnung nicht eingeschränkt."

Die Vorsitzende des Landeselternrats Sachsen, Nicolle Möller, kann das nachvollziehen. Die Person am Eingang könne zum Beispiel nicht wissen, ob vielleicht die ganze Klasse des Kindes derzeit unter Quarantäne stehe. Möller: "Und da ist es für mich sehr verständlich, dass vielleicht ein Restaurantbesitzer sagt, ich möchte aber lieber auf Nummer sicher gehen, und das Kind soll einen negativen Test nachweisen."

Wenig bekannte Fälle

Weder im Sozialministerium noch beim Landeselternrat oder beim Hotel- und Gaststättenverband hat man bislang von vielen solcher Fälle gehört. Verbandschef Axel Klein sieht hier deshalb wenig Konfliktpotential – schwieriger sei es mit erwachsenen Gästen, die sich beim Einlass am liebsten gar nicht kontrollieren lassen würden. Der Fall von Hörerin Mandy Jurich sei daher "sicherlich nicht repräsentativ für viele, viele, viele Gäste, die wir haben."

Die Elternratsvorsitzende Nicolle Möller rät Familien, die an der Tür abgewiesen werden, erst mal das Gespräch zu suchen. Und wenn das nichts bringt: "Da würde ich einfach ins nächste Restaurant gehen, die dann offener sind und die Familie bewirten wollen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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