Sächsische Schweiz Berge in Privatbesitz: Was bedeutet das für Wanderer?

25 Prozent des Waldes in der Sächsischen Schweiz gehört Privatpersonen. Auch Berge sind Teile von den Grundstücken, so wie der Rauenstein, der Zirkelstein und der Bärenstein. Ändert sich damit etwas für Wanderer?

Der Rauenstein lockt seit 1886 mit Ausflugs-Gaststätte

Ein Viertel des Waldes in der Sächsischen Schweiz ist in Privatbesitz. Dazu gehört auch der Rauenstein, eines der ältesten Ausflugsziele in der Sächsischen Schweiz. "Das Grundstück beginnt letztendlich von dort hinten an der Felskante und erstreckt sich quasi über den ganzen Felsen nach hinten", erklärt Konrad Schmidt. Er hat den Touristenmagneten mit zwei Freunden zusammen erworben.

Sandsteinfelsen im Gebiet Rauenstein im Elbsandsteingebirge
Der Rauenstein ist eines der ältesten Ausflugsziele in der Sächsischen Schweiz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lieferwege sind allerdings beschwerlich

Die Eigentümer kommen aus Dresden. Sie waren häufig als Bergsteiger am Rauenstein. Für sie ist der Berg ein Liebhaberstück. Ein nicht ganz billiges: Drei Hektar Wald und Felsen kosteten sie eine halbe Million Euro. Forstwirtschaft lässt sich an den steilen Hängen kaum betreiben. Doch die Ausflugs-Gaststätte, die es seit 1886 dort schon gibt, wird von Wanderern gerne besucht. Ein Pächter betreibt sie im Auftrag der neuen Eigentümer. Gemeinsam kämpfen sie mit den Tücken der exponierten Lage. "Jedes Bierfass, jeder Sack Kartoffeln muss mit dem Aufzug hierher geschafft werden. Es gibt keine Zuwegung per Auto. Das heißt also, auch wenn eine Baumaßnahme ansteht, muss das alles mit hohen Aufwand hier hoch geschafft werden", sagt Konrad Schmidt.

Zirkelstein: Schlagzeilen durch Verkauf bei Ebay

Der Zirkelstein wechselte erst August 2021 den Eigentümer bei Ebay, für knapp 200.000 Euro. Der Käufer stammt aus der Region und will anonym bleiben. Viel ändern für die Wanderer wird sich aber nicht. Warum, verrät Forst-Experte Andreas Bitter von der TU Dresden: "Der Wald in Deutschland ist nach dem allgemeinen Wald-Betretungsrecht für jedermann offen. Sie können im Grunde dort wandern, sich bewegen und gegebenenfalls auch für den ganz persönlichen Verzehr Pilze und Beeren sammeln".

Forst-Experte Andreas Bitter von der TU Dresden
Forst-Experte Andreas Bitter: "Der Wald in Deutschland ist nach dem allgemeinen Wald-Betretungsrecht für jedermann offen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Waldbesitzer dürfen Wege nur aus besonderen Gründen sperren

Wanderer dürfen sogar die Wege im Wald verlassen und jede beliebige Stelle im Wald betreten. Der Eigentümer darf sein Grundstück nur zeitweise absperren. "Aber dafür bedarf es eines spezifischen Anlasses und dann geht es zum Beispiel um die Sicherung von Kulturen oder die Gefahrenabwehr im Zuge der Holz-Ernte", erklärt Bitter.

Menschen gehen zwischen Felsen auf einer Treppe
Touristen beim Wandern rund um den Zirkelstein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bärenstein: offizielle Wanderwege verfallen

Schwierig wird es, wenn es um offizielle Wanderwege geht. Hier am Bärenstein bei Pirna etwa führt der berühmte Malerweg über Privatgrund. Die Eigentümer unterstützen die Erhaltung des Weges nicht. Müssen sie allerdings auch nicht. Mehrere verwahrloste Bänke zieren inzwischen den Malerweg. Die Gemeinde hätte sie auf eigene Rechnung repariert. Doch die Eigentümer haben abgelehnt. "Es ist schade, wenn der Wald-Eigentümer sowas kauft, nicht will, dass es weiter genutzt wird, aber auch nichts wegräumt. Ich will auch keinem zu nahe treten, aber es ist irgendwo peinlich für alle", sagt Kreis-Wegewart Peter Mildner.

Kreis-Wegewart Peter Mildner Malerweg Bärenstein
Kreis-Wegewart Peter Mildner zeigt am Malerweg am Bärenstein auf das, was mal eine Bank war. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wanderer stoßen in dem Gebiet unter anderem auf eine verfallene Wanderhütte, kaputte Geländer und Aussichtspunkte, die von Bäumen zugewuchert werden. Auf dem Weg liegen auch mehrere umgestürzte Bäume herum. Die Eigentümer sind nicht dazu verpflichtet, sie wegzuräumen. Auf Anfrage der Umschau wollten sich die Eigentümer nicht dazu äußern.

"Das ist ein Landschaftsschutzgebiet. Hier sind seit Jahrzehnten die Leute gewohnt, dass sie hier wandern können und da sollte man schon aufeinander zugehen und auch die Möglichkeiten lassen", zeigt sich Kreis-Wegewart Peter Mildner enttäuscht vom Engagement der Eigentümer.

Quelle: MDR Umschau

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 19. Oktober 2021 | 20:15 Uhr

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