Streit Nach Waldbrand rechnen Nordsachsens Waldbesitzer mit Hilfen vom Staat

Nach den verheerenden Waldbränden in der Sächsischen Schweiz sowie in Nordsachsen ist die Diskussion über Konsequenzen aus der Katastrophe voll im Gange. Wie muss der Wald umgebaut werden, dass solche Brände nicht weiter zunehmen? Dies auch auch mit Blick auf die Klimakrise? Und ist das Totholz verantwortlich für die Brände? Waldbesitzer und Forstexperten haben dabei recht unterschiedliche Vorstellungen. In Nordsachsen werden erste Schäden gesichtet.

Während die Flammen in den unzugänglichen Schluchten der Sächsischen Schweiz noch immer lodern, ist in Sachsen ein neuer Streit entbrannt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die abgestorbenen Bäume die Ursache für die Feuer in der Sächsischen Schweiz sind. Nach den Worten von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) muss geklärt werden, ob Totholz in größeren Mengen aus dem Wald geholt werden müsse.

Waldbesitzerverband: Totholz zwar Brandbeschleuniger, aber keine Ursache

Der Geschäftsführer des Sächsischen Waldbesitzerverbands, Hans Kraske, sieht das Totholz zwar auch als Brandbeschleuniger, die Ursache sieht er aber im Klimawandel und in vorhandenen Monokulturen "Wenn ich einen bewirtschafteten Wald habe, in dem verschiedene Baumarten, Laub- und Nadelbäume, junge und alte Bäume, wachsen, und dazwischen auch Totholz liegen habe, ist dies nicht das große Problem, wie wir es heute haben," erklärte Kraske MDR SACHSEN. Er vertritt in Sachsen die Interessen von mehr als 85.000 privaten und kommunalen Waldbesitzern.

Dennoch hält Kraske großflächige Flächenstilllegungen von älteren Laubbaumbeständen, wie sie etwa von Bund und Ländern mit Förderprogrammen angestrebt würden, für kontraproduktiv. "Wenn ich den Wald sich selbst überlasse, dann kommt in kürzeren oder längeren Phasen zum großen Absterben von Bäumen und macht die ganze Geschichte nur labiler und anfälliger für Ereignisse." Bei Flächenstillegungen werde sich der Wald weitgehend selbst überlassen.

Wenn ich einen bewirtschafteten Wald habe, indem verschiedene Baumarten, Laub- und Nadelbäume, junge und alte Bäume, wachsen, und dazwischen auch Totholz liegen habe, ist dies nicht das große Problem, wie wir es heute haben

Hans Kraske Geschäftsführer beim Sächsischen Waldbesitzerverband

Monokulturen nicht mehr zeitgemäß

Wie aber können Waldbesitzer dazu beitragen, dass sich Waldbrände nicht so schnell und groß ausbreiten können? Kraske empfiehlt den Waldbesitzern vor allem einen stabilen Mischwald, weg von Monokulturen: "Der Boden bleibt etwas frischer und wird länger beschattet. Wenn ich diese Mischung habe, dann kann ich davon ausgehen, dass diese etwas resistenter gegen diese Feuer ist." Sogenannte Reinbestände von Kiefern oder Fichte, wie sie vor 150 Jahren aufgebaut wurden, seien nicht mehr zeitgemäß.

Aus Sicht der Forstexperten des Staatsbetriebs Sachsenforst reicht das aber nicht aus. Waldbesitzer sollten auch selbst Geräte zur Brandbekämpfung anschaffen, Löschteiche pflegen und "Waldbrandriegel" mit weniger leicht brennbaren Baumarten anlegen. Etwas weniger als die Hälfte (45 Prozent) des Waldes in Sachsen gehört Privatbesitzern. Dazu zählen das Land, Kommunen, auch Kirchen und Privatleute.

Exakt - die Story: Feuer im Elbsandsteingebirge - Der Kampf um den Nationalpark 30 min
Exakt - die Story: Feuer im Elbsandsteingebirge - Der Kampf um den Nationalpark Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Waldeigentümer in Nordsachsen rechnet mit Hilfe vom Freistaat

In der Gemeinde Arzberg in Nordsachsen ist Waldeigentümer Reinhard Müller-Schönau von dem Waldbrand betroffen. Vergangene Woche stand sein Kiefernwald in Flammen. Er schätzt, dass etwa 16 biws 18 Hektar durch den Brand geschädigt sind. Im Wald liege im Boden auch noch Munition, deshalb könnten noch nicht alle Schäden begutachtet werden. "Das werden wir dann entscheiden, ob diese Bäume gefällt werden. Aber das wäre ein Riesen-Kahlschlag", sagte Müller-Schönau MDR SACHSEN.

Allein beim Holz rechnet er mit einem Schaden von etwa 80.000 Euro. Hinzu kämen die Kosten für die Wiederaufforstung, was insgesamt 200 bis 300 Tausend Euro ergebe. Über Hilfen sei er bereits im Gespräch mit dem Freistaat, sagte Müller-Schönau. "Wir haben eine gute Waldumbau-Förderrichtlinie, die natürlich nicht auf solche großflächigen Schadereignisse eingestellt ist." Da müsse man jetzt mit der Verwaltung sprechen, wie der Freistaat den Waldbesitzern helfen könne. Insgesamt sind in der Region an der Grenze zu Brandenburg rund 47 Hektar Wald abgebrannt.

Waldbesitzer Reinhard Müller-Schönau zwischen teilweise verbrannten Bäumen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das werden wir dann entscheiden, ob diese Bäume gefällt werden. Aber das wäre ein Riesen-Kahlschlag.

Reinhard Müller-Schönau Vorsitzender des Sächsischen Waldbesitzerverbandes

Forstexperte ist für Waldbrandriegel und -Schutzstreifen

Forstwissenschaftler Michael Müller von der Technischen Universität Dresden plädiert für sogenannte Wundstreifen und Waldbrandriegel, um künftig großflächige Waldbrände zu verhindern. "Damit versetzt man sich in die Lage, Feuer über die Baumkronen hinweg in Bodenfeuer zu wandeln. Und Bodenfeuer ist in den meisten Fällen vergleichsweise einfach zu stoppen und unter Kontrolle zu bringen," sagte Müller im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Was sind Wundstreifen? - Das sind von brennbarem Material und humosen Oberboden freizuhaltende Flächen von mehr als einem Meter Breite.
- Sie laufen ein- oder beidseitig entlang von Hauptwegen, Straßen oder Bahnlinien.
- Wundstreifen können das Durchlaufen eines Bodenfeuers verhindern. Wiederholtes Eggen oder Pflügen in der Waldbrandsaison kann die Funktion des Wundstreifens aufrechterhalten.

Quelle: agrarheute.com

Beim Thema Totholz ist der Forstwissenschaftler für einen Kompromiss in den Schutzgebieten: "Das Ausdünnen des Brennmaterials empfiehlt sich an den Linien, an den man das Bodenfeuer stoppen will, also an Wegen. Mitten in den Gebieten ist das nicht notwendig bzw. widerspricht unseren Ansätzen, das Totholz für bestimmte Lebensräume zu haben."

Das sind Waldbrandriegel - Dabei handelt es um eine etwa 100 bis 300 Meter breite Fläche, die mit brandhemmenden (Laub-) Bäumen, Sträuchern sowie brandhemmender Bodenvegetation bewachsen ist.
- Ein Waldbrandriegel soll im Brandfall auflaufende Vollfeuer in leichter zu bekämpfende Bodenfeuer umwandeln bzw. die Ausbreitung von Bodenfeuern verhindern und der Feuerwalze ihre Energie entziehen.

Quelle: agrarheute.com

MDR (kbe)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 03. August 2022 | 19:00 Uhr

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