Diskriminierungen Kunstsammlungen Dresden benennen Exponate um

Rassistisch und diskriminierend – das sind laut den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden viele Titel von Gemälden und Skulpturen. Deshalb haben sie bisher 143 Werke umbenannt und ernten dafür Zustimmung, aber auch Kritik.

Mohr mit Smaragdstufe
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Die "Zigeunermadonna" heißt jetzt "Madonna mit stehendem Kind". Der "Eskimo mit Bulldogge" trägt nun den Titel "Inuit mit Bulldogge". Und aus "Kopf eines Negerknaben" wurde "Studienkopf eines jungen Mannes". Die Staatlichen Kunstsammlungen haben die Titel von 120 Werken zum Teil komplett verändert und bei 23 weiteren Werken kleinere Veränderungen vorgenommen.

"Übliche Museumsarbeit"

Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Sammlungen verteidigt das Vorgehen bei MDR AKTUELL. In bestimmten Zusammenhängen wirkten die Titel diskriminierend oder müssten erläutert werden. Das sei "übliche Museumsarbeit". 

Sternchen ersetzen "Mohr"

Der "Mohr mit der Smaragdstufe" ist wohl eines der bekanntesten Ausstellungsstücke im Dresdner Grünen Gewölbe. Ein aus Holz geschnitzter nackter schwarzer Mann mit Goldschmuck, der Smaragde trägt. In der Online-Datenbank der Staatlichen Kunstsammlungen wurde das Wort "Mohr" durch vier Sternchen ersetzt.

Kritik vom Museumsbund

Speziell das hält Reinhard Spieler für schwierig. Er ist Vorstandsmitglied des Deutschen Museumsbunds und findet, eine Tabuisierung bestimmter Wörter dürfe es in Museen nicht geben. Und wenn sich Titel über die Jahre verändern, dann sollte das auch sichtbar sein. "Ich finde, wir sind als Museen historische Institutionen und wir wollen eigentlich sichtbar machen, dass man in anderen Kulturen und zu anderen Zeiten andere Werte vertreten hat. Das ist der Sinn von Museen. "

Es sei durchaus denkbar, dass sich die Titel mehrmals ändern. Dann könnte man beispielsweise noch dazusetzen "Von 1920 bis 1950 Zigeunermädchen, von 1950 bis 1980 Was weiß ich Ungarisches Mädchen und seit 2000 Mädchen mit Kopftuch", erläuterte Spieler.

Originaltitel verschwinden nicht komplett

Die Staatlichen Kunstsammlungen gehen von Werk zu Werk verschieden vor: Originaltitel, die vom Künstler stammten, werden lediglich in Anführungszeichen gesetzt und mit dem Hinweis "historischer Titel" versehen. In Titeln, die nicht vom Künstler stammten, die sich aber über die Jahrhunderte fest verankert haben, werden Tabuworte durch Sternchen ersetzt. Wer auf die Sternchen klickt, kann sich das Originalwort trotzdem noch anzeigen lassen. Werke ohne festen Titel werden komplett verändert.

Thüringen zieht nicht mit

Dass die Staatlichen Kunstsammlungen nicht pauschal alles verändern, hält Thomas T. Müller, Direktor der Mühlhäuser Museen in Thüringen für richtig. Wenn der Künstler selbst dem Bild einen Namen gegeben hat, falle "das fast unter das Urheberrecht." Es sei dann schwierig, einen neuen Namen zu vergeben. "Aber auf jeden Fall ist es unsere Pflicht als Museumsmenschen, jetzt Erläuterungen hinzuzufügen", betonte Müller.

Dass auch in Thüringen Werke umbenannt werden oder wurden – Thomas T. Müller ist kein solcher Fall bekannt. Ausschließen will er das aber nicht. Überhaupt haben sich bislang deutsche Museen nur wenig mit rassistischen oder diskriminierenden Objekttiteln auseinandergesetzt.

Bremen war Vorreiter

Die Kunsthalle in Bremen ist eines der wenigen Museen: Direktor Christoph Grunenberg hatte vor vier Jahren eine Ausstellung organisiert, aus der potenziell beleidigende Titel entfernt wurden. "Wir haben uns damals entschieden, Sternchen zu benutzen und wurden damals auch sehr dafür angegriffen. Ich glaube, inzwischen gibt es doch eine größer Sensibilität und ich würde auch hoffen, dass das Gleiche nicht nochmal passiert."

Nur wenige Titel betroffen

Bislang haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 0,01 Prozent aller Titel in der Datenbank verändert. Die Staatlichen Kunstsammlungen legen wert darauf, dass die alten Namen der Werke nicht völlig verschwinden. Sie würden für Forschungszwecke in eine nicht öffentliche Datenbank verschoben.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 15. September 2021 | 07:10 Uhr

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