Jahrestag Dresden erinnert an homophobes Attentat

Dresden hat am Montag an das Attentat auf ein homosexuelles Paar aus Nordrhein-Westfalen vor einem Jahr erinnert. Dabei war ein 55 Jahre alter Mann aus Krefeld ums Leben gekommen, sein Partner überlebte nur knapp. Am Abend soll es eine Mahnwache am damaligen Tatort geben.

Eine junge Frau stellt bei einer Gedenkveranstaltung für das Todesopfer des Messerangriffs von Dresden eine Kerze auf
Bei einer früheren Gedenkveranstaltung für den getöteten Mann stellten Teilnehmende Kerzen auf und legten Blumen nieder Bildrechte: dpa

Zum ersten Jahrestag des tödlichen Angriffs auf ein schwules Paar aus Nordrhein-Westfalen hat Dresden an die Tat erinnert. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch sagte, diese Attacke sei ein Angriff auf das Grundverständnis unseres Zusammenlebens gewesen.

Annekatrin Klepsch
Bildrechte: imago/Sven Ellger

Wir dürfen niemals akzeptieren, dass das Modell einer offenen, freiheitlichen und vielfältigen Gesellschaft angegriffen, beeinträchtigt oder ausgehöhlt wird.

Annekatrin Klepsch (Linke) Kulturbürgermeisterin in Dresden

Ein junger Syrer hatte das Paar am 4. Oktober 2020 in der Dresdner Innenstadt niedergestochen. Einer der Männer starb, sein Lebenspartner überlebte schwer verletzt. Im Mai hatte das Oberlandesgericht Dresden den Syrer wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte das homosexuelle Paar demnach aus einer radikal-islamistischen Gesinnung heraus und aus Hass auf Schwule angegriffen. Das Gericht stellte dabei auch die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausschließt.

Mahnwache am Tatort

Für den Abend des ersten Jahrestages hat der Verein Christopher Street Day zu einer Mahnwache in der Dresdner Innenstadt aufgerufen. Vereinssprecher Ronald Zenker sagte MDR SACHSEN, man wolle verhindern, dass der Tatort von der AfD und rechten Gruppen für Hass und Propaganda genutzt werde. Er betonte, Homophobie und Transphobie seien auch in der deutschen Gesellschaft noch immer weit verbreitet. Es sei aber ebenso notwendig, Menschen die neu nach Deutschland kommen, aufzuklären und ihnen unsere Grundwerte zu vermitteln. Ein Anschlag wie in Dresden könne sich überall in Deutschland wiederholen. Es sei noch ein weiter Weg, sagte Zenker.

Dresden plant Gedenkort

Anlässlich des Gedenktages wurde am Kulturpalast die Regenbogenflagge gehisst. Der Dresdner Stadtrat hatte im September beschlossen, am Ort des Attentats einen Erinnerungsort für Opfer homophob und transphob motivierter Gewalt zu errichten. Ein Gestaltungskonzept soll bis zum 30. März 2022 erarbeitet werden.

Quelle: MDR/kb/epd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 04. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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