Kriminalität Polizei Sachsen registriert 3.120 Cybercrime-Fälle 2020

Als Paradebeispiel für Cyberkriminalität gilt ein Hackerangriff auf den T-Shirt-Hersteller Spreadshirt in Leipzig im Sommer 2021. Unbekannte griffen auf den Server zu und auch Kundendaten ab. Die Polizei ermittelt in dem Fall noch. Für die Jahre davor hat sie jetzt Fallzahlen vorgelegt und erklärt, weshalb sich Opfer solcher Attacken mitunter schwer tun, Schäden anzuzeigen.

Hände tippen an einem Laptop (Symbolbild)
Unbekannte greifen immer wieder Firmen, Verwaltungen, Dienstleister und Hochschulen an, um Lösegeld zu erpressen oder Daten zu stehlen. Bildrechte: imago images / STPP

Die sächsische Polizei hat im Jahr 2020 insgesamt 3.120 Fälle von Cyberkriminalität im engeren Sinne erfasst. Das waren 465 Fälle mehr als im Jahr davor. "Es gibt nach wie vor ein sehr kleines Hellfeld und ein riesiges Dunkelfeld", sagte Innenminister Roland Wöller (CDU) zu den Zahlen. Schwankungen von Jahr zu Jahr begründete der CDU-Politiker mit dem Anzeigeverhalten der Cybercrime-Opfer. So würden sich Firmen meist zurückhalten, einen Hacker-Angriff anzuzeigen, um keine Kunden zu verlieren.

Überblick über Fallzahlen pro Jahr

  • 2020: 3.120 erfasste Fälle Cyberkriminalität
  • 2019: 2.655 Fälle
  • 2018: 3.196 Fälle
  • 2017: 3.675 Fälle

Mit dem elektronischen Abwickeln von Geschäften, dem E-Business, würden die Einfallstore für Kriminelle immer größer: "Das beschäftigt die Polizei immer mehr", sagte Wöller. Der Bereich der Kriminalität sei "sehr dynamisch".

Experten-Unterscheidungen bei Cybercrime

  • Cybercrime im engeren Sinne betrifft beispielsweise Computerbetrug und das Ausspähen von Daten.
  • Computerbetrug durch vorheriges Hacken von Passwörtern und anschließende Betrugshandlungen standen 2020 an der Spitze in dieser Deliktgruppe: Es wurden 2.842 Fällen erfasst. 2019 waren es 2.427 Fälle (415 Fälle weniger).
  • Der von der Polizei festgestellte Schaden betrug 2020 rund 2,7 Millionen Euro. 2019 waren es etwa 3,4 Millionen Euro.


  • Cybercrime im weiteren Sinne: Das sind Straftaten, bei denen Informations- und Kommunikationstechnik zur Planung, Vorbereitung oder Ausführung zum Einsatz kommt.
  • In diesem Bereich gibt es vielfältige Delikte, die von Beleidigung bis zum illegalen Verkauf von Waffen oder Drogen im Internet reichen.

Ermittler gegen Cyberkriminelle in Sachsen - 2014 hatte das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) das "Cybercrime Competence Center Sachsen" gegründet.
- Dort arbeiten 91 Spezialisten, die die Ermittler in IT-Forensik, Telekommunikations-Überwachung oder bei der Auswertung großer Datenmengen unterstützen.
- Vor Weihnachten 2021 hatte Sachsens Justizministerium angekündigt, die Zentralstelle für Cybercrime Sachsen (ZCS) der Generalstaatsanwaltschaft personell aufzustocken.

Quelle: MDR (kk)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 23. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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