Arbeitssuche "Gute Chance für neues Leben" - Jobmesse für Ukrainer in Dresden

Im World Trade Center in Dresden hat am Montagvormittag die erste Jobmesse für ukrainische Geflüchtete stattgefunden. 42 Unternehmer aus der Region stellten sich und ihre Berufe vor. Die Begeisterung bei den Ukrainern war groß, allerdings gibt es viele Hürden. So müssen nicht nur Qualifikationen nachgewiesen werden, sondern auch Deutschkenntnisse vorhanden sein. Trotzdem sehen viele Geflüchtete den Einstieg in die Berufswelt als große Chance.

Besucher auf einer Jobmesse
Alex und Vera Kamenetskyj hoffen, auf der Jobmesse für ukrainische Geflüchtete eine Anstellung oder Lehre zu finden. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

"In der Ukraine war ich ein Bauspezialist", erzählt Alex Kamenetskyj. Gerade läuft der 30-Jährige mit einem Stapel voller Zettel und Flyer von Messestand zu Messestand, informiert sich und stellt sich vor. "Ich versuche eine Festanstellung im Baubereich zu finden und habe auch schon einige gute Vorschläge erhalten", strahlt Kamenentskyj stolz. Für den Vater einer kleinen Tochter ist die Messe eine "große Chance für ein neues und gutes Leben".

Qualifikationen müssen anerkannt werden

Besucher auf einer Jobmesse
Die Jobbörse für ukrainische Geflüchtete soll nun regelmäßig stattfinden. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

So gut die Chancen derzeit für Alex Kamenetskyj stehen, so schlecht erscheinen sie für seine Frau Vera. Die 39-Jährige war in der Ukraine Lehrerin. In Deutschland konnte sie bislang noch nicht fündig werden. Und auf der Jobmesse ist der Beruf gar nicht vertreten. Der Grund: Wer in Deutschland arbeiten will, muss dafür auch qualifiziert sein, also entsprechende Zertifikate vorweisen. In vielen Branchen, wie im Baubereich oder der IT, werden ukrainische Abschlüsse anerkannt. Beispielsweise in der Medizin oder beim Lehramt geschieht das aber nur teilweise.

Kompromisse sind gefragt

"Sowohl Arbeitgeber als auch Ukrainerinnen und Ukrainer müssen Kompromisse eingehen", erklärt Jan Pratzka. Er ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Dresden. In der Landeshauptstadt hätten sich bislang mehr als 3.000 Ukrainer arbeitssuchend gemeldet. Einige konnten sogar schon vermittelt werden.

Angesichts von über 5.700 offenen Stellen sei die Ausgangslage für die Geflüchteten gut, so Pratzka. Allerdings könnte es sein, dass die Ukrainerinnen und Ukrainer zunächst eine niedriger qualifizierte Position annehmen müssten, bis alle Abschlüsse anerkannt sind. In Einzelfällen könne das bis zu zwei Jahre dauern, ergänzt Pratzka.

Am besten wird es sein, wenn die Geflüchteten sofort in einem Unternehmen anfangen und währenddessen noch Deutsch lernen. So können sie sich einarbeiten und integrieren.

Jan Pratzka Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dresden

Sprache ist zweites großes Problem

Besucher auf einer Jobmesse
Zhanna Mihunova will als Buchhalterin arbeiten. Ihr Freund Wolodymyr Haivoronskyj ist als Hilfskoch in einem Dresdner Hotel angestellt. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Neben qualifikatorischen Hindernissen stellt die Sprache eine zweite große Hürde dar. Zhanna Mihunova spürte das auf der Messe am eigenen Leib. Die 23-Jährige ist zusammen mit ihrem Freund zu Beginn des Krieges aus Mariupol geflüchtet, war zuvor als Buchhalterin tätig. "Ich kann aber nicht als Buchhalterin anfangen, weil ich kein Deutsch spreche", berichtet Mihunova.

Ihr Deutschkurs für Anfänger beginne erst Mitte Juni, erzählt sie. Bis sie das erforderliche Sprachniveau hat, könnten Monate verstreichen. "Mir wurde aber gesagt, dass ich als Verkäuferin oder im Gastrobereich anfangen könnte." Ob die Branche etwas für die 23-Jährige ist, weiß sie aber noch nicht.

"Das wäre mein größter Wunsch"

Besucher auf einer Jobmesse
Mehr als 40 Unternehmen präsentierten sich auf der Jobbörse in Dresden. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Für Mihunovas Freund Wolodymyr Haivoronskyj ist der Traum von einer Anstellung in Deutschland bereits in Erfüllung gegangen. Nach der Flucht aus der Ukraine kam das Paar in einer Notunterkunft in einem Dresdner Hotel unter. "Der Manager hat mir einen Job in der Küche angeboten und den habe ich sofort angenommen", so Haivoronskyj.

Für den 29-Jährigen war es ein Glückstreffer. In Kiew leitete er als Koch ein Luxus-Restaurant, in dem vorwiegend Regierungsangestellte oder Prominente speisten. Einer der Stammgäste war Präsident Wolodymyr Selenskyj, der seinen Besuch regelmäßig per Telefon persönlich ankündigte, erzählt Haivoronskyj. Als Aushilfskoch zu arbeiten sei zwar kein Traumjob, aber der 29-Jährige ist froh, endlich Arbeit zu haben. Zhanna Mihunova ist sichtlich stolz auf ihren Freund und hofft, auch endlich arbeiten zu können. "Das wäre mein größter Wunsch."

Erste Jobbörse für ukrainische Geflüchtete Bei der ersten Jobbörse für ukrainische Geflüchtete präsentierten sich am Montagvormittag im World Trade Center Dresden 42 Unternehmen aus Handel, Handwerk oder Hightech. Die Aktion wurde vom Amt für Wirtschaftsförderung Dresden und der Agentur für Arbeit organisiert.

Agenturchef Pratzka kündigte an, die Jobbörse regelmäßig durchführen zu wollen. Außerdem sollen die Sprachkurse intensiviert werden.

MDR (fg)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Dresden | 30. Mai 2022 | 16:30 Uhr

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