Sommerpause beendet Juwelendiebstahl-Prozess in Dresden: Antrag auf Freispruch abgelehnt

Nach einem Monat Pause geht der Prozess um den Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden weiter. Ein Antrag der Verteidigung auf Abtrennung des Verfahrens wurde abgelehnt. Mit Spannung werden Aussagen von Polizisten erwartet, die die Beschuldigten kurz vor dem Einbruch kontrolliert hatten.

Die Angeklagten sitzen beim Prozess um den Juwelenraub im Grüne Gewölbe im Oberlandesgericht Dresden neben ihren Anwälten.
Der seit Ende Januar laufende Prozess um den Juwelendiebstahl hatte einen Monat lang pausiert. Seit Dienstag wird weiter gegen sechs Beschuldigte verhandelt. Bildrechte: dpa

Der Prozess um den spektakulären Juwelendiebstahl aus der Dresdner Schatzkammer Grünes Gewölbe ist nach der Sommerpause am Dienstag mit der Beweisaufnahme fortgesetzt worden. Am Vormittag hat es eine erste Entscheidung über einen Verteidiger-Antrag gegeben.

Antrag auf Abtrennung des Verfahrens und Freispruch abgelehnt

Vor der Sommerpause im Juli hatte die Verteidigung für einen der Angeklagten die Abtrennung des Verfahrens und Freispruch beantragt. Das hat der Vorsitzende Richter am Dienstag abgelehnt. Das Verfahren gegen den 24-Jährigen wird nicht vom Hauptprozess abgetrennt. Laut Richter Andreas Ziegel wird den insgesamt sechs angeklagten Männern gemeinschaftlicher Bandendiebstahl vorgeworfen, den man nur in gemeinsamer Hauptverhandlung klären könne, auch die Rolle des einzelnen im Beziehungsgeflecht. Es sei nicht ausgeschlossen, dass noch belastende Indizien gegen den 24-Jährigen hinzu kämen. Zudem sei aus prozessökonomischen Gründen keine Abtrennung geboten, weil sonst zwei Verfahren parallel geführt werden müssten.

Am Dienstag sind weitere Zeugen vernommen worden: Ermittler aus Dresden und Berlin sollten zu einer Polizeikontrolle der Angeklagten wenige Stunden vor dem Einbruch in Dresden und die Spurenlage in einem der Fluchtwagen befragt werden.

Pistole aus Fluchtauto wurde in der Nähe von Berlin gestohlen

Auf der Suche nach Hinweisen habe die Polizei 113 Handys aus einer Razzia in Berlin ausgewertet, berichtete zudem ein als Zeuge geladener Ermittler der Sonderkommission "Epaulette". Auch die Herkunft des Revolvers, der nach dem Einbruch im ausgebrannten Audi in einer Dresdner Tiefgarage gefunden wurde, hat er beschrieben: Der 357 Magnum-Revolver sei im Juni 2018 im märkischen Nennhausen nahe Berlin gestohlen worden. Am gleichen Abend habe ein serbischer Staatsbürger die Waffe in einer Berliner Bar verkauft. Zusammen mit Geldkarten, die an einem Geldautomaten nahe der Berliner Wohnung eines der Angeklagten eingesetzt wurden. Doch wie dessen Verteidigung am Dienstag dem Gericht sagte, habe ihr Mandant damals im Gefängnis gesessen. Damit konnte er nicht selbst am Geldautomat gewesen sein.

Als Zeuge geladener Mithäftling ist verschwunden

Schon vor der Sommerpause sollte ein Mithäftling als Zeuge vor dem Landgericht befragt werden, der mit einem der angeklagten Zwillingsbrüder in der Zelle saß. Laut Polizeivernehmung habe ein Angeklagter im Gefängnis über die Juwelenbeute gesprochen, die teilweise in Rumänien verkauft worden sein soll. Weil der Zeuge schon am 22. Juli nicht vor Gericht erschien, sollte er am Dienstagfrüh festgenommen und zur Zeugenaussage vorgeführt werden. Allerdings traf ihn die Polizei nicht bei dessen aktueller Wohnadresse an. Unklar ist, wo der Mann steckt. Die Polizei habe aber Kontakt zur Anwältin des Mannes, hieß es am Dienstag im Landgericht.

Eine Hand hält sich einen grünen Hefter vors Gesicht. 10 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
10 min

Exakt Mi 29.06.2022 20:15Uhr 09:54 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Drei Brüder und deren Cousins vor Gericht

Die Tatverdächtigen im Alter zwischen 23 und 28 Jahren sind wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Sie waren bis zum Sommer 2021 nach und nach gefasst worden. Es handelt sich dabei um drei Brüder und deren Cousins. Zwei von ihnen verbüßen wegen des Berliner Goldmünze-Diebstahls Jugendstrafen. Der Einbruch in der Dresdner Schatzkammer im November 2019 fand während einer Prozesspause statt, als sie noch auf freiem Fuß waren.

Justizbeamte bringen einen Angeklagten in den Gerichtssaal im Landgericht Dresden, während der Prozess um einen Juwelenraub im Grünen Gewölbe des Dresdner Residenzschlosses fortgesetzt wird.
Justizmitarbeiter bringen einen von sechs Angeklagten in den Sitzungssaal (Archivfoto). Bildrechte: dpa

Am frühen Morgen des 25. November 2019 sollen die Angeklagten aus dem Grünen Gewölbe 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von mehr als 113 Millionen Euro gestohlen und Sachschäden in Höhe von mehr als einer Million Euro hinterlassen haben. Von der Beute des spektakulären Einbruchs fehlt bislang jede Spur.

MDR (kk, Ina Klempnow)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 23. August 2022 | 10:30 Uhr

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen