Kriegsfolgen Kohlepreise und Lieferengpässe bringen Sachsens Schmalspurbahnen in die Bredouille

Geht den sächsischen Schmalspurbahnen die Kohle aus? Diese Frage ist durchaus doppeldeutig zu verstehen. Denn infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine könnte bald keine Steinkohle mehr aus Polen geliefert werden. Zudem sind die Kohlepreise beinahe explodiert. Die Einsparpotenziale der Dampfeisenbahnen sind aber begrenzt.

Lößnitzgrundbahn
Die Lößnitzgrundbahn wird mit hochwertiger Kohle aus Polen betrieben. Wie lange Nachschub kommt, ist noch nicht klar. Rund 800 Tonnen werden pro Jahr gebraucht. Bildrechte: Michael U. Kratzsch-Leichsenring/SDG

Bei den sächsischen Schmalspurbahnen könnte die Kohle knapp werden. Der Grund hierfür ist der Krieg in der Ukraine, erklärt Mirko Froß von der Sächsischen Dampfeisenbahn-Gesellschaft (SDG) auf Anfrage von MDR SACHSEN. Die SDG betreibt die Lößnitzgrundbahn (Radebeul-Ost - Moritzburg - Radeburg), die Weißeritztalbahn (Freitals-Hainsberg - Dippoldiswalde - Kurort Kipsdorf) und die Fichtelbergbahn (Cranzahl - Oberwiesenthal) im täglichen ÖPNV-Betrieb. Alle Züge werden planmäßig mit Dampfloks bespannt und diese werden mit polnischer Steinkohle beheizt, so Froß.

Wie lange liefert Polen noch Steinkohle?

Noch wird diese hochwertige Kohle geliefert, wie der Eisenbahnbetriebsleiter sagt. Aber wie lange, ist unklar. Polen hat einen Lieferstopp ins Spiel gebracht. Wenn Polen keine Kohle mehr aus Russland und der Ukraine erhalten sollte, wolle man die Lücke mit einheimischer Kohle auffüllen.

Einfach anderswo Kohle beschaffen, gehe nicht. Man habe traditionell Handelsbeziehungen in den Osten. Tschechien aber liefere seit Jahren schon keine geeignete Kohle mehr für Dampflokomotiven, sondern verarbeite sie für Industriekohle. Braunkohle sei wegen hohen Schwefelgehaltes auch keine Alternative. Kohle für die Loks muss einen bestimmten Heizwert aufweisen. Bis im Notfall geeignete Übersee-Kohle als Ersatz geliefert werden könne, würden Monate vergehen, hieß es - von den Transportkosten einmal ganz abgesehen.

Ein historischer Zug, gezugen von der Dampflok der Baureihe 99, fährt durch ein Tal mit Bäumen und Wiesen.
Auch die Weißeritztalbahn ist auf Kohle aus dem Ausland angewiesen. Bildrechte: xcitepress/Christian Essler

Kohlepreis hat sich binnen Jahresfrist verdoppelt

Eisenbahner Froß sagte, der Kohlepreis habe sich binnen eines Jahres bereits verdoppelt und liege inzwischen jenseits der 500 Euro je Tonne. Für die drei Schmalspurbahnen verbraucht die SDG den Angaben zufolge 2.200 Tonnen im Jahr.

Einsparpotenzial gebe es kaum, so Froß. Es werde sowieso schon energiesparend gefahren. Kürzere und damit leichtere Züge hält der Betriebsleiter für nicht machbar - zumal das Neun-Euro-Ticket in den Schmalspurbahnen gilt und mutmaßlich viele Ausflügler anlocken wird. "Wir fahren derzeit auf Sicht", formuliert es Froß.

Zeitung: Zittauer haben Kohle gebunkert

Die Zittauer Schmalspurbahn steht vor ähnlichen Herausforderungen. In diesem Jahr sei der Fahrbetrieb durch Kohlevorräte gesichert, hat die dortige Geschäftsführung der "Sächsischen Zeitung" gesagt. Eine Umlage der höheren Kohlepreise auf Fahrgäste sei nicht möglich, da auch die Zittauer Schmalspurbahn als ÖPNV-Verkehrsmittel an Verbundtarife gebunden sei. Museumsbahnen, die von Vereinen betrieben werden, könnten flexibler an der Fahrpreisschraube drehen - solange, wie dies die Bahnfans akzeptieren und sich leisten können.

historische Schmalspurbahn
Die Zittauer Schmalspurbahn ist trotz steigender Energiepreise an die Verbundtarife gebunden. Bildrechte: imago/Arnulf Hettrich

Museumsbahn im Pressnitztal hat genug Kohle für die Saison

Bei der Museumsbahn im erzgebirgischen Pressnitztal hat man das aber nicht vor. Eine Mitarbeiterin sagte, eigentlich wolle man sich nicht zu diesem Thema äußern. Wer wisse in diesen Zeiten schon, was Kohle nächste Woche kostet. Schließlich lenkte sie aber ein und sagte: "Die Leute sollen kommen und mitfahren." Die veröffentlichten Fahrpreise würden weiterhin gelten und die Dampfloks auch weiterhin fahren. Der Verein kümmert sich mit viel Engagement um die Museumsbahn zwischen Jöhstadt und Steinbach. Die nächsten Fahrtage finden Donnerstag bis Sonntag statt. Zu Himmelfahrt sind sogar zwei Dampfzüge im Stundentakt unterwegs.

Die Preßnitztalbahn (Museumsbahn zwischen Steinbach und Jöhstadt) im Bahnhof Schössel
Die Museumsbahn im Pressnitztal hat nach Vereinsangaben genug Kohle für diese Saison. Bildrechte: MDR/Armin-Peter Heinze

MDR (lam/Karsten Wolf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus Dresden | 23. Mai 2022 | 13:30 Uhr

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