Finanzsorgen Wohnungsgenossenschaften: Nebenkosten steigen durch explodierende Energiepreise erheblich

Die steigenden Energiepreise werden in der bevorstehenden Nebenkostenabrechnung viele Menschen hart treffen. Der Verband der Wohnungsgenossenschaften in Sachsen rechnet mit Zahlungsausfällen, wenn sich Mieterinnen und Mieter die Kosten nicht mehr leisten können. Das könnte die Mitgliedsunternehmen in finanzielle Schieflage bringen.

Mehrfamilienhaus in der Region Hannover
Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften befürchtet Zahlungsausfälle durch massiv steigende Nebenkosten bei den Mietzahlungen. Die entstehen aufgrund explodierender Energiekosten und durch Verwaltungsmehraufwände aufgrund gesetzlicher Neuregelungen, die umgesetzt werden müssen.  (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Der Verband der Wohnungsgenossenschaften in Sachsen (VSWG) befürchtet wegen der stark gestiegenen Energiepreise finanzielle Schwierigkeiten für einige Mitgliedsunternehmen. Die Situation sei für die Unternehmen, Mitglieder und Mieter "besorgniserregend", teilte der VSWG am Donnerstag mit.

Energiekosten steigen kräftig

Laut Verbandschefin Mirjam Philipp sei der VSWG in einer "Sandwichposition" zwischen Energieversorgern und Mieter. Die Energieunternehmen erhöhten derzeit kräftig die Preise. Für viele Mieter werde das aber erst in der nächsten Betriebskostenabrechnung Mitte 2023 ersichtlich. Die Genossenschaften müssten diese Lücke vorfinanzieren.

Verband der Wohnungsgenossenschaften in Sachsen (VSWG) Im sächsischen Verband der Wohnungsgenossenschaften sind 208 Genossenschaften organisiert. Sie bewirtschaften mit insgesamt 297.724 Wohneinheiten 20,5 Prozent der Mietwohnungen im Freistaat mit rund einer halben Million Mieterinnen und Mieter. Eigene Angaben VSWG

Mietsteigerung für viele nicht bezahlbar

Dazu rechnet der VSWG mit steigenden Kosten für Verwaltung und Investitionen. Es gehe insgesamt für die Mieterinnen und Mieter um rund 3,50 Euro pro Quadratmeter zusätzlich. Das entsprächen rund 210 Euro im Monat mehr für eine durchschnittliche Wohnung mit 60 Quadratmetern. Das werde für die allermeisten "schlicht nicht bezahlbar sein", so Verbandschefin Philipp. Das dritte Entlastungspaket des Bundes sei in dieser Lage "zwar ganz nett", reiche aber überhaupt nicht aus.

Das dritte Entlastungspaket ist zwar ganz nett, aber unsere Wohnungsgenossenschaften und deren Mitglieder brauchen eine klare Orientierung, wann bei der Energiepreisentwicklung Zick ist.

Mirjam Philipp Vorsitzende VSWG

VSWG-Vorstand Mirjam Philipp stellte klar: "Die Wohnungsgenossenschaften erhöhen nicht die Miete! Die Mietsteigerungen werden durch die warmen Betriebskosten und diese wiederum durch die explodierenden Energiepreise verursacht, nicht durch ein Anheben der Miete durch die Wohnungsgenossenschaften selbst." Der VSWG stehe nach wie vor für bezahlbares Wohnen, so Philipp.

VSWG-Vorstand Mirjam Philipp
Bildrechte: Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften

Die Wohnungsgenossenschaften erhöhen nicht die Miete! Die Mietsteigerungen werden durch die warmen Betriebskosten und diese wiederum durch die explodierenden Energiepreise verursacht, nicht durch ein Anheben der Miete durch die Wohnungsgenossenschaften selbst.

Mirjam Philipp Vorstand Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften

Verband fordert Kredite und Bürgschaft

Aus diesem Grund erwartet der VSWG, dass nicht alle Mieterinnen und Mieter die Zusatzkosten werden zahlen können. Es seien Forderungsausfälle bei der nächsten Betriebskostenabrechnung zu erwarten. Der Verband forderte darum zinslose Betriebsmittelkredite oder gegebenenfalls eine Landesbürgschaft für Genossenschaften. Zudem müsse neben dem geplanten Strompreisdeckel auch sehr schnell eine Deckelung für die Gas- und Fernwärmepreise her.

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MDR (ben)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 15. September 2022 | 15:00 Uhr

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