Zug-Wiederaufbau "Plan D" für Traumzug mit den "Görlitz"-Triebwagen

Der Bund will für den legendären Schnellverkehrstriebwagen (SVT) im Projekt "Ein Zug für Mitteldeutschland" vier Millionen Euro Fördermittel ausgeben - aber die Eisenbahnfans haben das Geld noch nicht. "Jetzt müssen sich Bund oder Land dafür verantwortlich fühlen und Fördermittelanträge vorbereiten", sagt Mario Lieb, der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH zum Wiederaufbau des SVT. Den Eisenbahnfreunden sei auch klar, dass die Ministerien wegen der Corona-Pandemie gerade andere Prioritäten hätten. An ihren Aufbauplänen für den Zug wollen sie dennoch "unverdrossen festhalten".

Für 2021 haben Lieb und seine Mitstreiter einen "Plan D" bereit liegen. "D" steht für Wagen D, der komplett aufgearbeitet werden soll. Der Sitzwagen mit Abteilen der 1. und 2. Klasse soll zuerst drankommen. Dann sollen vier weitere Wagen folgen. Pro Wagen sei mit Kosten von 450.000 bis 900.000 Euro zu rechnen.

Ausblick: Traumziel für Traumzug

"Offiziell soll die Aufarbeitung im 3. Quartal dieses Jahres in Görlitz beginnen. Dann wäre es schön, wenn wir dort den Fördermittelbescheid bekämen und 2022 mit weiteren Wagenaufbauten loslegen können", blickt Lieb voraus. Das große Ziel stehe für 2023 fest: "Dann wollen wir auf große Eröffnungsfahrt auf der Strecke Berlin - Dresden - Prag fahren". Genau vor 20 Jahren war der Zug auf dieser Strecke das letzte Mal als historischer Sonderzug unterwegs gewesen. Zur Abschiedsfahrt des Reichsbahn-Zuges 2003 spielten sich entlang der Strecke in Sachsen emotionale Szenen ab, als Anwohner Abschied vom legendären Zug nahmen.

Bis 2023 haben die Eisenbahn-Enthusiasten um Mario Lieb vier Dinge vor: Kontakte knüpfen, planen, Geld sammeln und möglichst viele Eigenleistungen schaffen. Rund 4,5 Millionen Euro hatten sie für die Wiederherstellung des Zuges veranschlagt. In mühevollen Spendenaktionen sammelten zuletzt rund 80 Ehrenamtliche aus dem Bundesgebiet, Dänemark und Tschechien Geld für die gemeinnnützige GmbH SVT Görlitz. Denn unabhängig von den zugesagten vier Millionen Euro Fördermitteln des Bundes wollen sie rund 800.000 Euro eigene Mittel zusammenbekommen. Dafür wurde auch der 175er-Club gegründet, bei dem maximal 175 Mitglieder mitmachen sollen. Sie finanzieren mit ihren Monatsbeiträgen die laufenden Kosten für die Hallenmiete in Dresden und kleinere Ausgaben. Auch 2021 ist ein Spendenlauf geplant.

Paten gesucht für Wagen, Sitze, Bremsklötze

Für den Wiederaufbau der Waggons sucht Mario Lieb nach Fahrzeugpaten, die zehn Prozent der Kosten übernehmen wollen. Das wären pro Waggon 49.000 bis 85.000 Euro. "Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Alstom mit ins Boot holen könnten", sagt Lieb. Der französische Bahntechnik-Konzern hatte unlängst die Bahnsparte von Bombardier gekauft, wozu auch die Standorte Bautzen und Görlitz gehören, wo der SVT einst gebaut wurde. Zudem wollen die Eisenbahn-Enthusiasten Spendern symbolisch Sitze, Tische, Türen und technische Ausstattung wie Bremsklötze verkaufen, um die Spendenkasse zu füllen.

Es hängt eben vieles am Geld. Es gibt jede Menge zu tun für uns.

Mario Lieb Eisenbahn-Fan und Geschäftsführer

Rückblick: Auf diesen Strecken fuhren die SVT-Wagen

Zugname Strecke  
"Vindobona" Berlin - Dresden - Prag - Wien  
"Karlex" Berlin - Leipzig - Plauen - Karlovy Vary  
"Karola" Leipzig - Plauen - Karlovy Vary  
"Neptun" Berlin - Kopenhagen (mit Fähre Warnemünde - Gedser)  
"Berlinaren" Berlin - Malmö (mit Fähre Sassnitz - Trelleborg)  
als Schnellzug Berlin - Hoyerswerda - Bautzen  
als Messesonderzug Berlin (West) - Leipzig  

Quelle: MDR-Recherche/lam

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 04.02.2021 | 19:00 Uhr

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