Wissenschaft Forscher werben mit Floß für Recycling und die TU Dresden

Mit dem Floß von Dresden bis Magdeburg die Elbe hinab zu fahren, ist für viele ein Abenteuer. Aber das Gefährt für die Tour, das sich Wissenschaftler der TU Dresden gebaut haben, ist noch abenteuerlicher. Es besteht aus wiederverwendeten Dingen aus Küche und Garten, aus einer Autowerkstatt und Resten von Kletterausrüstungen.

Das vollständig aus Recyclingmaterialien gebaute Floß „HMS Recyclo“ nach der Abfahrt in Pirna.
Die "HMS Recyclo" wird einen Monat lang die Elbe von Dresden nach Magdeburg hinabschippern - im Dienste der Wissenschaft und als Werbung fürs Recycling. Bildrechte: Michael Kretschmar

Ein sechs Meter langes und drei Meter breites Floß ist am Dienstag in Dresden auf der Elbe gestartet. Das Gefährt der TU Dresden besteht komplett aus Recyclingmaterial. Damit wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fünf Tage lang bis nach Magdeburg fahren und für den Studiengang Abfall- und Kreislaufwirtschaft werben. Aber das ist nur ein Zweck der Forschungsreise.

Wir wollen hauptsächlich etwas gegen das schlechte Image von recycelten Kunststoffen in Deutschland machen. Das Grundproblem ist, dass recycelte Kunststoffe als Müll angesehen werden, die aber ein langes Leben haben könnten.

Felix Dobritz wissenschaftlicher Mittarbeiter Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft TU Dresden

Aus dem Gelben Sack zurück ins Leben

"Das Floß besteht aus Materialien, die direkt aus dem Gelben Sack kommen", sagt Organisator und Initiator Felix Dobritz, der knapp drei Jahre lang am Gemeinschaftsprojekt mitgearbeitet hat. Und so bestehen die Spitzen des Floßes aus alten Salatschüsseln, Blumentöpfen und wasserdichter Verpackung, alte Kletterseile sind nun die Reeling, der Floßsteg ist die Bohle eines Baugerüstes. "Wir wollen hauptsächlich etwas gegen das schlechte Image von recycelten Kunststoffen in Deutschland machen", sagt Dobritz.

Auf drei großen Plastikröhren liegen Bretter auf und bilden eine Art übergroßes Floß. Es wurde an der TU Dresden drei Jahre lang aus recycleten Materialien gebaut.
So sah das Forschungsfloß auf dem Trockenen aus. Die metallglänzenden Spitzen der Röhren sind Salatschüsseln, die Projektmitarbeiter Felix Dobritz via Online-Kleinanzeigen gebraucht gekauft hatte. Bildrechte: TU/Dresden/Felix Dobrich

Für den Bau des Floßes wurden auch Verpackungen genutzt, "die man sonst schwer weiterverarbeiten kann, weil es eher minderwertige Stoffe sind", erklärt Dr. Roman Maletz vom Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft MDR SACHSEN. Der Müll wurde zusammengepresst und dann habe man Material, das sich gut weiterverarbeite lasse.

Wasserproben: Wieviel Mikroplastik und Gift sind in der Elbe?

Auf der "HMS Recyclo" fahren zwei Wissenschaftler die Elbe hinab, die nicht nur fürs Recycling und den Studienstandort Dresden werben wollen, sondern auch den Wasserzustand kontrollieren. Laut TU nehmen sie Wasserproben von der Elbe, vor allem auch von deren Zuflüssen.

Konkret gehe es um Arzneimittel, Kosmetik, Mikroplastik, Pestizide, die wirksame Chemikalien beinhalten und über den Umweg der Kläranlage oder direkt in die Gewässer gelangen könnten. "Dort angekommen, können diese Stoffe je nach Struktur eine hohe Resistenz gegenüber mikrobiologischen Abbau aufweisen und sogar durch ökotoxikologische Aktivität eine Gefahr darstellen", informierte die TU Dresden zum Beginn der Forschungsfahrt. Nach der Probenauswertung solle die Frage beantwortet werden, wie die Zuflüsse die Wasserqualität der Elbe beeinflussen?

Wissenschaftler der TU Dresden fahren auf einem Recyclingfloß auf der Elbe entlang.
So sieht es dann aus, wenn die Forschenden ihre Proben aus dem Elbewasser entnehmen. Das werden sie bis zum Sonnabend, 11. Juni, an vielen Stellen machen und in Magdeburg die Tour beenden. Weitere Etappen im nächsten Jahr könnten folgen. Bildrechte: dpa

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MDR (kk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | GUTEN MORGEN SACHSEN | 07. Juni 2022 | 06:10 Uhr

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