Wasserversorgung Dresden: Sachsenenergie saniert Trinkwasserhochbehälter für 220.000 Menschen

Die Sachsenenergie saniert in Dresden einen Hochbehälter für Trinkwasser. Dieser kann 60.000 Kubikmeter fassen und 220.000 Menschen versorgen. Im Herbst sind die Arbeiten abgeschlossen. Unterdessen will der Versorger das Betriebswasser für die Industrie künftig mehr vom Trinkwasser abkoppeln.

Person in Schutzanzug arbeitet auf Gerüst
Im Hochbehälter Räcknitzhöhe wird die letzte Trinkwasserkammer saniert und erhält eine neue Decke aus Spezialbeton. Bildrechte: MDR/L. Müller

Das Unternehmen Sachsenenergie saniert auf der Räcknitzhöhe im Süden der Stadt einen riesigen Hochbehälter für Trinkwasser. Wie das Unternehmen mitteilte, laufen die Arbeiten an den einzelnen Kammern bereits seit 2019. In diesem Herbst sollen die letzten beiden der acht Kammern wieder als Trinkwasserspeicher zur Verfügung stehen. Wobei Speicher eigentlich keine passende Bezeichnung ist, denn lange lagert das Trinkwasser dort nicht. Projektverantwortlicher Martin Kayser erklärt, dass die Dresdner Wasserspeicher täglich 180.000 Kubikmeter aufbereitetes Trinkwasser fassen können. Der Durchschnittsverbrauch in der Landeshauptstadt liegt aktuell bei 125.000 Kubikmetern - an Hitzetagen auch einmal zwischen 140.000 und 160.000 Kubikmetern.

Die mittlere Aufbereitungskapazität der drei Wasserwerke in Dresden beträgt 155.750 Kubikmeter pro Tag. Für Perioden mit überdurchschnittlichem Verbrauch im Versorgungsgebiet könne die Aufbereitungskapazität – für einen begrenzten Zeitraum – auf einen maximalen Tageswert in Höhe von 230.000 Kubikmeter gesteigert werden, hieß es. Laut Sachsenenergie steigt der Jahresverbrauch kontinuierlich an - sowohl bei Privathaushalten als auch bei der Industrie.

Einflussfaktoren für die im Durchschnitt gestiegenen Verbräuche seien unter anderem Wetterphänomene, wie eben Hitzeperioden in den Sommermonaten. Der Versorger geht auch in den kommenden fünf Jahren von einer Steigerung des Wasserbedarfs im Versorgungsgebiet von rund zwölf Prozent aus, hieß es. In diesem Jahr war der 20. Juli in Dresden der Tag mit dem höchsten Wasserverbrauch: 162.687 Kubikmeter. Ob die Verbraucher mit Blick auf steigende Energie- und Lebenshaltungskosten generell bereits jetzt ihren Wasserverbrauch drosselten, vermag Sachsenenergie nach eigenen Angaben noch nicht einzuschätzen.

Künftig mehr Brauchwasser für Industrieerfordernisse?

Da die Wasserwerke rund um die Uhr aufbereiten, ist die Stadt nach Ansicht von Kayser gut aufgestellt. Die weitere Entwicklung hänge insbesondere vom Bedarf der Industrie und etwaiger neuer Ansiedelungen ab. Dabei stelle sich auch die Frage, inwieweit weniger aufwendig aufzubereitendes Brauchwasser etwa der Kühlung von Industrieanlagen genügt. Von Brunnen an der Saloppe - ebenfalls einem ehemaligen Wasserwerk in Elbnähe - wird beispielsweise demnächst Grundwasser als sogenanntes Betriebs- oder Spezialwasser an Infineon geliefert.

Sachsenenergie plant mit Spezialwasser für industrielle Zwecke Sachsenenergie verfolgt aufgrund des weiter zunehmenden Bedarfs das Ziel, die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung von der Bereitstellung von Spezialprozesswasser für die Industrie zu entkoppeln. Aktuell befindet sich eine erste Spezialwasseranlage im Bereich der Dresdner Saloppe in der Endphase der Fertigstellung. Fachleute haben dort 15 Brunnen gegraben. Diese besitzen eine Tiefe von 16 bis 20 Metern. Mit Pumpen lassen sich aus ihnen bis zu 900 Kubikmeter pro Stunde fördern.

Die Umsetzung dieses Projektes ist technisch anspruchsvoll und hat sich im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Pandemie sowie Lieferengpässen verzögert. Über die Saloppe hinaus sind weitere Anlagen zur Spezialprozesswasser-Versorgung geplant. Hierzu befindet sich der Versorger im Austausch mit der Industrie, dem Freistaat und der Stadtverwaltung. Das System wird notwendig vor dem Hintergrund des Ausbaus der Halbleiter-Produktionskapazität im Raum Dresden. Bei Spezialwasser für die Industrie handelt es sich speziell aufbereitetes Betriebs- oder Prozesswasser, welches den hohen Qualitätsstandards der Chipindustrie genügen muss. Viola Martin-Mönnich, Sprecherin der Sachsenenergie

Säulen
Im Herbst soll der sanierte Hochbehälter wieder ans Netz gehen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Über 30 Hochbehälter im Stadtgebiet wird Trinkwasser ins Dresdner Leitungsnetz eingespeist. Der Hochbehälter auf der Räcknitzhöhe ist den Angaben zufolge mit einem Fassungsvermögen von 60.000 Kubikmeter der größte Dresdens. Kayser erklärt, dass über ihn 220.000 Menschen zwischen Prohlis und Cossebaude versorgt würden. Industrieverbraucher gebe es in diesen Stadtteilen eher weniger.

Anlage seit 1929 in Betrieb

Der Hochbehälter Räcknitzhöhe ist seit 1929 in Betrieb. Die alte Betondecke hatte erste Schäden durch Kondenswasser aufgewiesen, sodass das alter Putz komplett abgetragen und die Decke mit Spezialmörtel neu beschichtet und dabei verstärkt wurde. Dabei haben die Bauleute auch eine Stahlbewehrung eingebaut. Da die neuen Decken schwerer sind, war Erdreich über dem Hochbehälter abgetragen worden. Durch die neue Rasenfläche ist davon allerdings nichts mehr zu sehen.

Gebäude hinter einem Feld
Von außen ist der Hochbehälter für Laien nicht auszumachen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Bevor die letzten Kammern des Hochbehälters wieder ans Netz dürfen, werden sie aufwendig gereinigt und desinfiziert. Danach wird wieder ein Wasserstand bis zu fünf Meter im Hochbehälter erreicht. 80 Zentimeter bis zur Decke bleiben stets Luft. Für mindestens 25 Jahre soll der Hochbehälter wieder fit sein. Regelmäßig werden Anlage und Trinkwasser im regulären Betrieb kontrolliert. Hochbehälter erleichtern durch ihre Lage die Verteilung des Wassers, da das Wasser durch natürlichen Druck ins Netz eingespeist werden kann. Wo dies nicht ausreicht, helfen Pumpen.

Erst Ende Juni hatte Sachsens Umweltminister Wolfram Günther erklärt, für eine zuverlässige Wasserversorgung in Sachsen in den kommenden Jahrzehnten seien in den kommenden Jahren Investitionen in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro notwendig. "Die Klimakrise bringt das bestehende System in Sachsen an seine Grenzen", betonte der Grünen-Politiker. "Das war eindrücklich in den drei Trockenjahren von 2018 bis 2020 erlebbar und ist regional auch jetzt wieder zu sehen."

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 17. August 2022 | 19:00 Uhr

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