Interview Drohen nun Erosion und Felsstürze in den Waldbrandgebieten?

Der Waldbrand in der Sächsischen Schweiz könnte zu Langzeitfolgen für das Elbsandsteingebirge führen, fürchtet Waldschutz-Experte Professor Michael Müller von der Technischen Universität Dresden. Warum ist das ein Thema? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Birken stehen in Mitten von toten Nadelbäumen an denen Wanderer vorbei gehen.
Nach den Waldbränden in Sachsen droht den Waldgebieten neue Gefahr - diesmal vor allem durch heftige Niederschläge. Bildrechte: dpa

MDR SACHSEN: Warum kann es jetzt zu Bodenerosion und Felsstürzen im Waldbrandgebiet kommen?

Prof. Müller: Nach Waldbränden intensiver Art verbrennt die Humusdecke und auch die Bodenvegetation vollständig. Somit liegt der Boden bar. Und bei Starkregenereignissen muss man dann grundsätzlich mit Erosionen rechnen. Wir haben in der 90er-Jahren so etwas schon im Tiefland gehabt, wo große Wegeteile bei Neuruppin beispielsweise nach einem großen Waldbrand gespült wurden.

Prof. Michael Müller Forstwissenschaftler Michael Müller ist Lehrstuhlinhaber der Professur für Waldschutz an der Technischen Universität Dresden. Zu seinen Forschungsgebieten zählen unter anderem der ökologische Waldschutz, Waldbrände und Waldschäden.

Lässt sich so etwas jetzt in der Sächsischen Schweiz noch verhindern?

Eigentlich nicht. Wir können die Starkregenereignisse nicht verhindern. Man muss versuchen, sich anzupassen. Man könnte etwa Barrieren in Flussläufen beseitigen, damit das Wasser abfließen kann, ohne größere Schäden zu machen

Wie groß ist die Gefahr, dass unterirdische Glutnester nicht entdeckt werden und erst nach Wochen oder Monaten aufbrechen?

Glutnester gehören zu Waldbränden dazu. Wir haben so etwas bei unterirdischen Bränden, beispielsweise Mooren, die unterirdisch schwelen. Oder auch bei alten Baumstümpfen im Tiefland oder anderen Anreicherungen von organischem Materialien etwa in Felsspalten. Allerdings ist die Intensität bei uns wesentlich geringer als in Gebieten, in denen die Anreicherungen organischer Materialien zum Ökosystem dazu gehören – wie in den Rocky Mountains, in Tundra-Gebieten oder in Skandinavien.

Wäre es aus Brandschutzgründen sinnvoll, Totholz aus dem Nationalpark rauszuholen?

Man muss in den Schutzgebieten einen Kompromiss finden zwischen dem, was man an Totholz möchte und dem, was als Brennmaterial zur Verfügung steht. Das stärkere Holz brennt nur in sehr seltenen Fällen und lebende Bäume gar nicht. Wir haben Anreicherungen von Zweigen, von Nadelmaterial. Das Ausdünnen des Brennmaterials empfiehlt sich an den Linien, an den man das Bodenfeuer stoppen will, also an Wegen. Mitten in den Gebieten ist das nicht notwendig bzw. widerspricht unseren Ansätzen, das Totholz für bestimmte Lebensräume zu haben.

Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, damit es künftig nicht mehr zu solch großflächigen Waldbränden kommt?

Wir sind auf einem guten Stand und sind sehr schnell. Die Ausbreitungen derzeit sind fast ausschließlich auf Munitionsbelastungsflächen in Wildnisgebieten und auf Gebirgslagen zurückzuführen, weil man dort aus Sicherheitsgründen nicht so schnell ran kann oder darf.

Um diese Gebiete müssen wir uns kümmern. Da geht es um autonome Bekämpfungssysteme, die also ohne menschliche Anwesenheit funktionieren, und auch um strukturelle Vorbeugung im Wald.

Was heißt das konkret?

Man kann den Wald strukturieren, indem man ihn gut zugänglich gestaltet und entsprechende Wege anlegt, die von Feuerwehren genutzt werden können.
Dann gibt es noch Waldbrandschutz- und Wundstreifensysteme sowie Waldbrandriegel. Damit versetzt man sich in die Lage, Feuer über die Baumkronen hinweg in Bodenfeuer zu wandeln. Und Bodenfeuer ist in den meisten Fällen vergleichsweise einfach zu stoppen und unter Kontrolle zu bringen

Wundstreifen ... sind von brennbarem Material und humosen Oberboden freizuhaltende Flächen von über einem Meter Breite. Sie laufen ein- oder beidseitig entlang von Hauptwegen, Straßen oder Bahnlinien. Wundstreifen können das Durchlaufen eines Bodenfeuers verhindern. Wiederholtes Eggen oder Pflügen in der Waldbrandsaison kann die Funktion des Wundstreifens aufrechterhalten.

Quelle: agrarheute.com

Waldbrandriegel ... ist eine ca. 100 bis 300 Meter breite Fläche, die mit brandhemmenden (Laub-) Bäumen, Sträuchern sowie brandhemmender Bodenvegetation bewachsen ist. Ein Waldbrandriegel soll im Brandfall auflaufende Vollfeuer in leichter zu bekämpfende Bodenfeuer umwandeln bzw. die Ausbreitung von Bodenfeuern verhindern und der Feuerwalze ihre Energie entziehen.

Quelle: agrarheute.com

MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 02. August 2022 | 13:02 Uhr

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