Aufgebaut und abgesagt Weihnachtsmarkt-Händler fühlen sich im Stich gelassen

Sachsen hat die Weihnachtsmärkte aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen abgesagt. Die Buden waren schon aufgebaut, als die Absage unmittelbar vor der Eröffnung kam. Den Händlern geht dadurch der komplette Umsatz verloren. Einige fordern, dass die Politik diesen erstatten soll.

Der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands mit dem größten Schwibbogen der Welt: Striezelmarkt in Dresden 2019
Der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands: der Striezelmarkt in Dresden 2019. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Der Striezelmarkt wirkt geisterhaft. Ein paar leere Buden stehen noch unter novembergrauem Himmel, als auch Jens Frommhold seinen Stand abholt. "Wir haben jetzt im Prinzip schon die Dachdekoration abgebaut. Die Bude wird jetzt demnächst verladen", erzählt er. Frommhold ist Töpfer in sechster Generation. Er wollte auf dem Markt Tassen, Schüsseln und Teller verkaufen.

"Man hat uns ins offene Messer laufen lassen"

Stattdessen hebt nun ein Kran seine Holzbude wieder auf einen Lkw. Frommhold erzählt, dass die Kollegen auf dem Weihnachtsmarkt traurig seien, dass sie dort keinen Umsatz machen können. Und sie seien auch wütend: "Bis zum letzten Tag wurde uns versprochen, dass der Weihnachtsmarkt stattfindet. Ich selber habe am Donnerstag, 18. November hier aufgebaut. Am nächsten Tag wurde uns gesagt, dass der Markt nicht stattfindet und das ist das Schlimme: Man hat uns hier ins offene Messer laufen lassen." Fünfzig Prozent des Dezembergeschäfts seien verloren, sagt Frommhold.

Unmengen an Glühwein nun unbrauchbar

Auch Tino Walcha hat fest mit den Weihnachtsmärkten gerechnet. Er leitet die Obstkelterei Heide und ließ Zigtausende Liter Glühwein produzieren. "Wir haben jetzt einen wirtschaftlichen Schaden von 600.000 bis 700.000 Euro", erklärt Walcha. Er öffnet die Tür zu seinem Lager: Kanister reiht sich an Kanister und es werden täglich mehr. Denn Händler, die nicht verkaufen können, bringen ihren Glühwein zurück.

Im Plastikkanister hält dieser aber nicht länger als drei Monate. Was, fragt Walcha, soll er nun damit machen? "Wenn jetzt der Staat kommt und sagt: Großauftrag. Füllt das bitte in 200.000 Flaschen, wir bezahlen Euch das – das ist kein Problem innerhalb von zwei Monaten. Aber wenn das nicht zum Tragen kommt, muss der Glühwein so wie er hier ist, ausgeschüttet werden, vernichtet werden und irgendjemand muss es bezahlen."

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Erstattung der ausfallenden Einnahmen

Es müsse mehr Hilfe her, findet auch Heiko Meyer. Der Vorsitzende des Fördervereins Historischer Altmarkt Dresden fordert, die Politik solle 70 Prozent der ausgefallenen Umsätze für November und Dezember pauschal erstatten. Das bisher Versprochene reiche nicht: "Die Unkosten müssen bezahlt werden. Das Personal muss ordentlich bezahlt werden. Natürlich kann man Kurzarbeit für das Personal beantragen, aber im Vorfeld ist ja schon die Leistung angefallen, die Stunden wurden ja schon getätigt. Dafür kann man rückwirkend keine Kurzarbeit mehr ansetzen", erklärt Meyer.

Meyer erzählt, 180 Händler seien für den Striezelmarkt angemeldet gewesen. Ob im kommenden Jahr alle wieder kommen, wisse er nicht. Auch Töpfer Frommhold zweifelt: "Man muss tatsächlich einfach überlegen, ob man das weiter macht und dann wäre das Flair weg, wenn keine Handwerkskunst mehr gezeigt wird. Gerade Sachsen ist bekannt fürs Erzgebirge, für den Pfefferkuchen, für die Töpferei. Wenn das hier nicht mehr vertreten ist, dann verflacht der Markt und es ist nicht mehr das Flair, das wir wollen. Das was uns als Sachsen auszeichnet und Touristen ins Land bringt."

Frommhold sieht zu, wie seine Bude vom Markt gefahren wird, vorbei an der großen Pyramide. So ganz will sich der Töpfer den Optimismus nicht nehmen lassen. Immerhin, sagt er, könne seine Waren nicht verderben. Irgendwann werde er sie schon noch verkaufen – ohne Weihnachtsflair im Onlineshop.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Dezember 2021 | 06:21 Uhr

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